DAX: Rohrkrepierer oder Befreiungsschlag?

Bernd Heim
By Bernd Heim / 14. August 2015

Nachdem zwei Tage lang schlechte Nachrichten aus dem Fernen Osten den DAX-Anlegern den Start in den neuen Handelstag vermiest hatten, ging es gestern endlich wieder gleich nach Börseneröffnung stramm aufwärts. Gute Vorgaben aus den USA machten es trotz einer neuen Abwertung des chinesischen Yuan möglich.

Nach den schweren Kursverlusten vom Dienstag und Mittwoch lag eine Korrektur in der Luft. Nun ist die Gegenbewegung da. Aber ist sie auch der Befreiungsschlag, den viele Anleger sich jetzt erhoffen?

Die Chancen dazu stehen eher schlecht, denn aus Erfahrung wissen wir, dass der erste Versuch einen Boden zu bilden meist nicht der letzte ist. Oft bedarf es zwei oder sogar drei Anläufe, um jene Stelle ausfindig zu machen, an der so viel Kauflust aufkommt, dass selbst die stärksten Bären kapitulieren müssen.

Gegen eine schnelle Umkehr spricht auch der Kursverlauf vom gestrigen Donnerstag. Der DAX startete mit einem deutlichen Aufwärtsgap. So weit, so gut. Doch was dann folgte, war nicht unbedingt ein Zeichen großer Stärke.

Fehlt den Käufern der Mut?

Es fehlten zunächst die Anschlusskäufe. Aus diesem Grund pendelte der DAX in den ersten Minuten unentschlossen seitwärts und machte sich dann sogar auf den Weg zurück, um das Gap zu schließen.

Der Gapschluss konnte zwar vermieden werden, doch wirklich überzeugend wurde der Tag dadurch auch nicht. Bis auf 11.153 Punkte konnten die Käufer den deutschen Leitindex anheben, doch dann ging ihnen die Puste aus und pünktlich um 13 Uhr fiel der schöne Kursgewinn wie ein Kartenhaus wieder in sich zusammen.

Die Tendenz des Nachmittagshandels war durchweg abwärtsgerichtet und das spricht nicht gerade für den Mut und die Entschlossenheit der Käufer. Eher schienen sie zu zögern und geneigt, aufgelaufene Gewinne schnell mitzunehmen, bevor sie sich wieder in Luft auflösen.

So schloss der DAX zwar über dem Schlusskurs vom Vortag, aber deutlich unter dem Tief vom Vormittag. Der Tag endete zwar im Plus, doch muss den Anlegern dieses Plus nach dem Verlauf des Tages eher wie ein Minus vorkommen.

Zwar sind es die Börsianer gewohnt, die Märkte an einer Wand des Zweifels entlang steigen zu sehen, doch irgendwer muss auch den Mut aufbringen, sich über die bestehenden Bedenken hinwegzusetzen und zu kaufen.

Der Tag geht, die Angst bleibt

Diesen Mut sahen wir gestern noch nicht. Ob wir ihn in den heute oder in den nächsten Tagen sehen werden, wird mit darüber entscheiden, ob die Bodenbildung an dieser Stelle schon gelingt.

Die chinesische Notenbank erklärte die wirtschaftliche Lage im In- und Ausland biete keinen Anlass für eine weitere Abwertung des Yuan. Zhang Xiaohui, die für die Geldpolitik zuständige Präsidentin der Peoples Bank of China trat am Donnerstag in Beijing vor der Presse und erklärte, die chinesische Zentralbank werde den Yuan grundsätzlich stabil halten.

Na. wenn das kein Grund zum Jubeln ist, hat der Staatsrat unter dem Vorsitz von Ministerpräsident Li Keqiang doch erst vor wenigen Wochen Ähnliches verlautbaren lassen und die Zentralbank nach der ersten Abwertung erklärt, der Schritt sei als singuläre Maßnahme zu verstehen.

Bleibt zu hoffen, dass man in China dieses Mal auch meint, was man sagt. In diesem Fall wäre zumindest von politischer Seite aus das Fundament für eine Bodenbildung gelegt.

Zweifelt der Markt hingegen an den Worten der Zentralbankleitung, könnten die Kurse noch einmal nachgeben, bevor sie einen belastbaren Boden finden.

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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