Zurück auf Los – Der Aufschwung geht zu Ende

Bernd Heim
By Bernd Heim / 20. August 2015

Was passiert, wenn eine erneute Krise auf uns zukommen sollte? Wie reagieren die Regierungen, welche Möglichkeiten haben die Notenbanken? Auf Fragen wie diese gibt es im Augenblick alles, nur keine befriedigenden Antworten.

Den Staaten sind faktisch die Hände gebunden. Rutscht die Wirtschaft eines Landes in die Krise, brechen die Steuereinnahmen vermutlich schnell weg und der Spielraum für kreditfinanzierte Investitionsprogramme ist sehr gering, denn schon heute sind die meisten Staaten faktisch überschuldet.

Weder von der Finanzpolitik noch von der Zinspolitik sind vor diesem Hintergrund Wunder zu erwarten. Ihre Mittel sind begrenzt oder vielleicht sollte man besser sagen, ihre Möglichkeiten sind in den Jahren 2009 bis 2014 bereits völlig ausgeschöpft worden. Jetzt sind die Kassen leer und die Zinsen so niedrig, dass eine neue die Wirtschaft belebende Aufbruchstimmung einen anderen Ausgangspunkt haben muss.

Eigentlich müsste man sparen und genau das tun, was man in einer Krise eigentlich tun sollte, aber heutzutage partout nicht tun will: Sparen, unrentable Standorte und Produktionen schließen und sich allein auf jene Teile der Fertigung konzentrieren, für die auch eine echte, natürliche Nachfrage besteht.

2008/2009 wurde die Party nur verlängert

In den Jahren nach der Finanzkrise wurde dieser zugegeben recht steinige Weg nicht beschritten. Man glaubte sich die bereinigende Wirkung einer Krise nicht leisten zu können und ging daran die Party künstlich zu verlängern. Nichts anderes ist das stete Bemühen, Krisen mit Unmengen von Geld bekämpfen zu wollen.

Kurzfristig hatten die Maßnahmen Erfolg. In den vergangenen vier Jahren lebte die Welt nicht schlecht von diesem künstlichen Aufschwung. Fraglich ist nur, ob er ewig anhält und wie viel Geld es kosten wird, ihn erneut zu verlängern.

Obwohl damit der langfristige Erfolg der in der Krise verabreichten Medizin alles andere als erwiesen ist, muss befürchtet werden, dass in Zukunft ähnlich verfahren wird wie in der jüngeren Vergangenheit.

Das heißt, im Zweifelsfall öffnen die Zentralbanken wieder ungeniert die Geldschleusen und versuchen die deflationäre Krise in einem Meer von aus dem Nichts geschaffenen Geld zu ertränken. Damit wird das Geld weiter entwertet und der Sparer ist wieder einmal der Dumme, denn seine Rücklagen werden Stück für Stück gezielt entwertet.

Darf es noch etwas mehr sein?

Die Rettung Griechenlands ist ein gutes Beispiel dafür, dass Holzwege auch dann weiter beschritten werden, wenn längst klar ist, dass der Weg zum Ziel ein anderer ist. Man kann es drehen und wenden, wie man will, aber strukturelle Probleme sind nicht mit Geld zu lösen, sondern nur mit einschneidenden Strukturreformen.

So wie sich die europäischen Politiker partout nicht eingestehen wollen, dass der Euro in seiner derzeitigen Form keine dauerhafte Zukunft hat, so werden sich auch die Notenbanken kaum die Blöße geben zu erklären, dass die Krisenmaßnahmen der Vergangenheit schlecht waren und nicht zum Ziel geführt haben.

Deshalb ist zu befürchten, dass die Zentralbanken ihre Zurückhaltung aufgeben und durch den Aufkauf von Staatsanleihen die Konjunkturprogramme der Regierungen in großem Stil unterstützen werden. Was in Japan geschah und noch immer geschieht, wird dann überall auf der Welt an der Tagesordnung sein.

Nationen, die in der Vergangenheit noch recht vernünftig gewirtschaftet haben, werden unter einen extremen politischen Druck geraten. Man wird von ihnen fordern, ihre Staatsfinanzen zu zerrütten, um die globale Nachfrage anzukurbeln. Natürlich wird man das nicht so direkt ausdrücken, wie ich es gerade getan habe, aber unter dem Strich wird das gleiche Endergebnis stehen.

Kleine Scherbenhaufen oder große Schuttberge?

Weil auch das nur begrenzt helfen wird und jeder sich seinen Teil am weltweiten Handelskuchen sichern will, sollten Sie mit Währungskriegen und protektionistischen Maßnahmen ebenfalls rechnen. Jedes Land versucht dann seine eigene Wirtschaft auf Kosten der anderen zu bewahren.

Dass Porzellan zerschlagen werden wird, dürfte außer Frage stehen. Die Frage ist nicht ob, sondern nur noch wie viel und wo. Gibt es nur die klassischen Brüche zischen Ost und West, also in diesem Fall zwischen dem Westen und den aufstrebenden Ländern in Asien oder nimmt auch die europäische Idee als ganzes Schaden?

Werden die Brüche nur wirtschaftlicher Art sein oder gerät die Welt als Ganzes aus den Fugen, weil die wirtschaftlichen Streitereien am Ende wieder militärisch ausgetragen werden?

Vor diesem Hintergrund und bei diesen Aussichten kann man nur hoffen, dass die schlechten Nachrichten, die uns Börsianer in diesen Tagen erreichen, nur eine kleine Delle sind und nicht die Vorankündigung einer größeren Krise.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Handelstag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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