DAX: Nervöse Anleger und ein naher Katastrophenmonat

Bernd Heim
By Bernd Heim / 24. August 2015

Ruhig und gelassen präsentieren sich die Märkte in diesem Sommer nicht. Die Anleger erwecken eher den Eindruck eines aufgescheuchten Hühnerhaufens. Erst das ganze Theater um das an sich unbedeutende Griechenland, dann die schwachen Berichte der Unternehmen in der nun zu Ende gehenden Berichtssaison und schließlich die starken Kursverluste in China.

Wenn man das alles zusammenzählt und dann noch einen Augenblick zu lange darüber nachdenkt, dass in wenigen Tagen mit dem September der erfahrungsgemäß schwächste Börsenmonat bevorsteht, dann muss die Welt doch eigentlich dem Untergang geweiht sein. Oder etwa nicht?

Halten wir uns deshalb zunächst nur an die Fakten: Es ist kein Geheimnis, dass die Performance des DAX im neunten Monat des Jahres die schlechteste aller Monate ist. Mit einem durchschnittlichen Minus von 2,1 Prozent ziert der September die weit zurückreichenden Statistiken in Tiefrot.

Mit anderen Worten: Wir sprechen hier nicht von einem vorübergehenden Ereignis, sondern einer Regelmäßigkeit, die man als Anleger nicht ganz ignorieren sollte. Im Vergleich zum September kommt der August noch recht gut daher. Es gab im Mittel weder Gewinne noch Verluste.

Geheimnisse, die alle kennen, sind keine mehr

Wenn alle eine Information zur Verfügung haben, kann sich diese zumindest an der Börse leicht in ihr Gegenteil verwandeln, weil alle längst auf sie reagiert haben. Will heißen, wenn die Masse der Anleger den September fürchtet, weil dieser bekanntlich so schlecht ausfällt, dann wären gehäufte Verkäufe in der zweiten Hälfte des Augusts gar nicht so ungewöhnlich.

Hinzu kommt, dass die Stimmung der Anleger derzeit nicht nur ein wenig getrübt, sondern ausgesprochen schlecht ist. Nach den Kursverlusten der letzten Woche ist dieser Befund auch keine große Überraschung für uns.

Wir Menschen neigen dazu, Trends gedanklich bis in alle Ewigkeit fortschreiben zu wollen. Nur so kommt es zu Redensarten wie ‚Der Regen hört nie auf‘ oder dem Gefühl, ein Sommer oder Winter werde nie enden. Der Wechsel vollzieht sich mit Vorliebe dann, wenn kaum noch einer an ihn glaubt. Entsprechend groß ist dann überall die Überraschung.

Momentan haben die Verkäufer das Heft in der Hand und von den selbst ernannten Untergangspropheten werden schon DAX-Ziele im mittleren vierstelligen Bereich herumgereicht.

Es kommt oft anders, als man denkt

Derartige Überschriften manchen sich sicher gut. Sie sorgen für Aufmerksamkeit und vielleicht auch für mehr Popularität. Ob sie bei uns Anlegern auch für mehr Klarheit sorgen, sei dahingestellt. Auf mich wirken derartige Aussagen für den Moment noch als habe da jemand zu tief ins Glas oder in seine Glaskugel geschaut.

Was ansteht und eigentlich schon länger überfällig war, ist ein Test der runden 10.000 Punkte Marke. Sie erinnern sich sicher noch daran, wie lange der DAX benötigte diese schwierige Hürde zu knacken und wie zäh das Ringen um diese nur psychologisch wichtige Marke war.

Zwischenzeitlich hatten wir uns rund 2.000 Punkte von ihr entfernt. Sollte es sich die Anlegerschar vorgenommen haben, den DAX auch nach unten 2.000 Punkte um die 10.000 Punkte Marke schwanken zu lassen, könnten in den nächsten Jahren auch die alten Hochs aus den Jahren 2000 und 2007 noch einmal in Reichweite kommen.

Eine Schwankungsbreite von 4.000 Punkten ist wohl kaum der Traum der schlaflosen Nächte eines durchschnittlichen DAX-Anlegers. Aber ganz auszuschließen ist diese Variante nicht und selbst, wenn sie kommen sollte, wäre es immer noch nur eine etwas ausschweifende Fluktuation um die runde 10.000 Punkte Marke.

Eine technische Gegenbewegung ist überfällig

Aber bevor Sie jetzt schweißgebadet vom Computer aufstehen oder das Handy zur Seite legen und verzweifelt nach einer Kopfschmerztablette suchen, lassen Sie uns erst einmal einen Blick auf die neue Woche werfen.

Die muss gar nicht so schlecht verlaufen, wie vielfach befürchtet. Der Freitag und damit der kleine Verfallstag liegt hinter uns. Sollte ein Teil des Verkaufsdrucks der Vorwoche auf das Bestreben der Stillhalter zurückzuführen sein, ihre Positionen gegen fallende Kurse abzusichern, so fällt diese Notwendigkeit nun weg.

Außerdem ist nach den herben Verlusten der letzten Handelstage eine Erholung fällig. Ob es sich dabei um eine Trendwende handeln wird, bleibt erst noch abzuwarten. Eine technische Gegenbewegung ist auf jeden Fall wahrscheinlich.

Wundern Sie sich deshalb nicht, wenn die Woche am Freitag besser enden sollte, als heute von vielen befürchtet.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Handelstag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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