DAX: Gehen nun die Lichter endgültig aus?

Bernd Heim
By Bernd Heim / 25. August 2015

Fast ein Jahr lang war sie heiß umkämpft. Gestern Morgen zu Handelsbeginn wurde sie durchschlagen wie weiche Butter: die runde 10.000 Punkte Marke. Dass der DAX bei einem Test der vor allem psychologisch wichtigen Marke auch mal wieder in den vierstelligen Bereich abrutschen würde, war zu erwarten. Dass die Marke gleich so deutlich aufgegeben wurde, nicht unbedingt.

Schlechte Nachrichten aus Fernost waren mal wieder der Auslöser. In China verloren die Börse auch zu Wochenanfang deutlich an Boden und der chinesische Schnupfen scheint sich immer mehr zu einer asiatischen Grippe auszuweiten, denn auch in Tokio gab der Nikkei Index mit einem Minus von 4,6 Prozent deutlich nach.

Lange Zeit war den Anlegern egal, was über Nacht an den asiatischen Börsen passierte. Japan war in einer nicht enden wollenden Rezession gefangen und China noch zu klein und unentwickelt um den europäischen Märkten wirklich nachhaltige Impulse geben zu können. Die Musik spielte nur an der Wall Street und eine positive Stimmung am Vorabend in New York ließ auch den DAX freundlich in den neuen Tag starten.

Der regelmäßige Blick nach Asien wird wieder Pflicht

Inzwischen haben sich die Zeiten geändert und sie erinnern wieder ein wenig an die späten 1980er Jahre. Damals hatte der Aktienmarkt in Tokio noch eine überragende Bedeutung, denn er schien lange Zeit nur eine Richtung zu kennen, die stramm nach oben. Entsprechend wichtig war auch für die europäischen Aktienhändler, was sich über Nacht in Japan getan hatte.

Der Aktienmarkt in Tokio hat heute nicht mehr die Bedeutung, die er Ende der 1980er Jahre noch genoss. Dafür haben die chinesischen Festlandsbörsen in Shanghai und Shenzhen an Bedeutung gewonnen.

Die Lage in China ist unübersichtlich. Über das Land und seine Entwicklung liegen nicht annähernd so viele belastbare Zahlen vor, wie wir es von anderen Staaten gewohnt sind. Das schafft Spielraum für Gerüchte und Spekulationen.

Unsicherheitsfaktor China

Klar ist im Moment nur, dass die Lage im Reich der Mitte nicht zufriedenstellend ist. Wäre es anders, würden die Regierung in Beijing und die Peoples Bank of China in diesen Wochen nicht mit derart drastischen Maßnahmen in das Geschehen an den Märkten eingreifen.

Neue Impulse aus Asien sind vor diesem Hintergrund eher nicht zu erwarten, und wenn sie doch kommen, muss leider damit gerechnet werden, dass sie negativer Art sind und die Märkte eher belasten als beflügeln werden.

Unangenehm ist in diesem Zusammenhang weiterhin, dass auch aus den etablierten Ländern keine stimulierenden Impulse kommen bzw. kommen können. Die Zinssätze sind am Boden. An dieser Schraube können die Notenbanken beim besten Willen nicht mehr drehen.

Zögerliche Industrie

Auch die Schuldenquoten sind weltweit so hoch, dass sie neue Investitionsprogramme eigentlich ausschließen. Bleibt als Ausweg noch die Industrie. Für sie ist derzeit auch eine tendenziell abwartende Haltung kennzeichnend.

Nimmt man all diese Punkte zusammen, ist die momentan an den Märkten zu beobachtende Unruhe durchaus ernst zu nehmen, denn sie könnte die Ouvertüre zu einer neuen größeren weltweiten Krise sein.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Handelstag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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