DAX: Die Gegenbewegung ist angelaufen

Bernd Heim
By Bernd Heim / 26. August 2015

Das 10.000 Punkte Jo-Jo geht in die nächste Runde. Nachdem der deutsche Leitindex zum Anfang der Woche deutlich unter die runde 10.000 Punkte Marke gerutscht ist, gab es gestern eine ansehnliche Erholung, die den Kurs wieder in den fünfstelligen Bereich zurückführte.

Ist die Welt damit wieder in Ordnung? Nicht ganz, denn bislang baut der Index nur die allzu großen Extreme ab. Der DAX war nach allen Regeln der Kunst überverkauft. Eine Erholung lag also in der Luft.

Wir hätten sie vielleicht schon am Montag erlebt, hätten nicht die starken Kursverluste an den chinesischen Festlandsbörsen den Anlegern weltweit den Start in die neue Handelswoche verdorben. So startete auch der Handel in Frankfurt wie überall auf der Welt mit Verlusten in die neue Handelswoche.

Eine Gegenbewegung ist schön, aber sie ist bislang noch nicht mehr als ein Tropfen auf dem heißen Stein. Aus ihr muss erst ein Trendbruch werden, damit die Ampel nicht nur kurz-, sondern auch mittel- bis langfristig wieder auf Grün umspringt.

Der erste Versuch einer Bodenbildung ist oftmals nicht der letzte

In diesem Zusammenhang sollten wir zwei Beobachtungen nicht außer Acht lassen. Erfahrungsgemäß benötigt eine Aktie oder ein Index mehr als einen Anlauf, um einen starken Trend wirklich zu drehen.

Bezogen auf die aktuelle Situation heißt dies: Die Trendwende kann eingeleitet sein. Aber mindestens ebenso wahrscheinlich ist, dass der Index noch einmal tiefere Regionen ansteuert, bevor er endgültig dreht und sich langfristig wieder höheren Kursen zuwendet.

Der erste Versuch einer Bodenbildung ist meist nicht der letzte und gerade die Entwicklung in China gibt Anlass zur Sorge, dass es auch dieses Mal so kommen könnte. Denn im Gegensatz zum Frankfurter Aktienmarkt setzten die Kurse in Shenzhen und Shanghai ihre Talfahrt auch am Dienstag fort.

Das unterschied die chinesischen Festlandsbörsen nicht nur von den europäischen Märkten, sondern auch von jenen in Japan oder Hongkong. Man könnte geneigt sein, die unterschiedliche Entwicklung der asiatischen Börsen am gestrigen Tag auf den größeren Korrekturbedarf der chinesischen Märkte zurückzuführen. Doch diese Erklärung greift vermutlich zu kurz.

Die Krise in China ist noch lange nicht ausgestanden

Außerhalb Chinas sind die Börsen gefallen, weil die Anleger panische Angst vor einem schwächeren Wachstum im Reich der Mitte haben. In Shanghai und Shenzhen fielen die Kurse jedoch, weil die Privatanleger weiterhin Angst um ihr Geld haben.

Können sie dieses nicht retten oder nur zu Kursen retten, die deutlich unterhalb ihrer ursprünglichen Einstandskurse liegen, hat das sofort Folgen für den Konsum. Geld, das man an der Börse verloren hat, kann man nicht für andere Dinge ausgeben.

Aber China ist nicht mit den USA vergleichbar mögen Sie an dieser Stelle jetzt einwenden und der Einwand ist richtig, denn die chinesische Wirtschaft ist bei Weitem nicht so konsumlastig wie jene der Vereinigten Staaten.

Trotzdem: Das in China verloren Geld fehlt auch hier. Manch ein kleiner Anleger mag in diesen Tagen das Gefühl haben Haus und Hof verspielt zu haben. Aber auch so mancher an sich gut situierter Chinese wird viel Geld verloren haben.

Das an der Börse verlorene Geld fehlt für neue Investitionen

Dieses Geld wird jetzt nicht mehr in neue Investitionen fließen. Mit ihm werden weder neue Häuser gebaut noch neue Firmen und Fabrikhallen errichtet. An dieser Stelle schließt sich der Kreis und wir sind wieder beim chinesischen Bruttoinlandsprodukt und seinem zu erwartenden Wachstum angekommen.

Gehen die Kursverluste an Chinas Festlandsbörsen in Shanghai und Shenzhen auch weiterhin ungebremst weiter, müssen wir damit rechnen, dass auch die Sorgen der europäischen und amerikanischen Anleger wieder wachsen und erneut zu fallenden Kursen führen.

In diesem Fall wäre der am Montag ausgebildete Wendepunkt in der Tat noch nicht der Tiefpunkt gewesen.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Handelstag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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