Der DAX und die Alternative ganzjähriger Urlaub

Bernd Heim
By Bernd Heim / 31. August 2015

Der August geht heute zu Ende, und wenn wir uns in der Rückschau fragen, was er uns gebracht hat, dann werden vielleicht der Beginn der neuen Bundesligasaison und das schöne Wetter, aber ganz bestimmt nicht die Gewinne an den Börsen genannt werden.

Der Monat August endet, wie auch schon der Vormonat Juli endete: mit einer kleinen Aufwärtsbewegung, die etwas Hoffnung macht. Hoffnung, das wissen wir aus leidiger Erfahrung aber nur zu gut, ist eine höchst trügerische Währung. Man hält sich gerne an ihr fest. Auf sie blind verlassen, sollte man sich besser nicht.

Anfang August machte sich der DAX auf den schwierigen Weg, die 11.500 Punkte Marke erneut anzusteuern. Es lag dank der Griechenlandrettung etwas Hoffnung und Zuversicht in der Luft, denn sollte es gelingen, das Julihoch zu überwinden, könnte auch das Allzeithoch bald wieder in Schlagweite kommen.

Nun, wir wissen inzwischen, dass es ganz anders kam und obwohl der Monat noch nicht ganz zu Ende ist, wird sich ein saftiger Verlust wohl nicht mehr vermeiden lassen. Statt Sturm auf die 11.500er Marke wären wir heute froh, wenn wir der Index oberhalb von 10.500 Punkten aus dem Handel gehen würde.

Die Volatilität lässt deutlich nach

Selbst dieses Ziel ist mehr als ambitioniert, denn die Aufwärtsbewegung der letzten Tage ist ins Stocken geraten und Dynamik verbreiten derzeit nur die vielen im Land rotierenden Ventilatoren, aber ganz bestimmt nicht die Händler auf dem Frankfurter Parkett.

Der letzte Freitag war im Vergleich zu den vorangegangenen Handelstagen und -wochen nicht gerade spektakulär. Aber gerade in seinem unspektakulären Auftritt spiegelt er die Verfassung des Marktes sehr schön und ausgesprochen treffend wider.

Wenn die Anleger nicht gerade von massiven Kräften und/oder verstörenden Nachrichten panikartig zum Ein- oder Ausgang getrieben werden, passiert nichts oder so gut wie nichts.

Die Tagesschwankung vom Freitag betrug gerade mal 100 Punkte, während man in der Woche zuvor den DAX noch um bis zu 500 oder 600 Punkte springen sah. Das ist nicht nur wenig, sondern so gut wie gar nichts.

Ratlosigkeit vor der anstehenden Entscheidung?

Aber selbst das ist noch eine geschönte Darstellung, denn in der Mehrzahl der Handelsstunden engte sich die ohnehin schon sehr bescheidene Range von lausigen 100 Punkten auf nicht einmal die Hälfte ein.

Wertet man die geringe Handelsspanne positiv, könnte man davon ausgehen, dass sich die Marktteilnehmer vor dem Wochenende nicht mehr ins Risiko stürzen wollten und sich deshalb mit neuen Engagements zurückhielten.

Ist man eher geneigt, das halb volle Glas als halb leer zu bezeichnen, könnte man den Handelsverlauf vom Freitag als Zeichen dafür werten, dass sich die Anleger nichts mehr zutrauen und der Kursaufschwung der letzten Tage bald wieder eines schnellen Todes sterben könnte.

Damit ist die Aussicht für die neue Woche grob umrissen. Entweder die Anleger nehmen Herz und Geld in die Hand und treiben den DAX schnell wieder auf höhere Niveaus oder es droht im September erneut das Schicksal von Anfang August: ein weiterer Abverkauf mit einem erneuten Test der vor Kurzem erreichten Tiefs.

Wieder handeln oder weiter Urlaub? – Das ist die Frage.

Wer im Juli verkauft hat und im August 30 Tage Urlaub gemacht hat, der wird heute beim Blick auf die Charts erkennen, dass er nicht viel falsch gemacht hat und sich berechtigterweise fragen, ob er den September nicht vielleicht auch noch fehlen soll.

Denn schließlich verschwand Ende Juli die Griechenlandkrise aus den Medien und der Boden für einen weiteren Anstieg schien zumindest was das politische Umfeld betraf bereitet. Davon kann heute keine Rede sein, denn in China funkt die Wirtschaft in immer kürzeren Abständen SOS und in der Ostukraine wird wieder gekämpft.

In den Medien ist dieser Krieg noch kein großes Thema, weil an der Flüchtlingsfront noch erbittert um Positionen gerungen und nach geeigneten Strategien gesucht wird. Doch das kann sich schnell ändern und dann hätten wir den medialen Rückwind, der den DAX recht schnell erneut Richtung 9.300 Punkte treiben lassen könnte.

Verlängerte Ferien könnten für einen Investor vor diesem Hintergrund nicht die schlechteste Wahl sein. Wer weiß schon, wo der DAX Ende September stehen wird?

Und wenn alle Monate so schlecht und fürchterlich verlaufen, dann macht man an der Börse am besten ganzjährig Ferien, so wie es viele Deutsche schon seit Jahren erfolgreich tun.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Handelstag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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