Der DAX und die FED: Warten auf das Unvermeidliche?

Bernd Heim
By Bernd Heim / 16. September 2015

Am Donnerstag wird die amerikanische Notenbank über ihre weitere Zinspolitik entscheiden, einen Tag später wird abgerechnet, zumindest bei den Optionen. Mit den beiden Highlights Zinsentscheidung der FED und großem Verfallstag ist diese Woche wahrlich nicht arm an Höhepunkten und sie stehen beide erst zum Ende dieser Handelsperiode auf dem Programm.

Also Spannung pur und eine steigende Nervosität? Ja und wie. Die Augen der Anleger sind in dieser Woche natürlich eindeutig auf die USA gerichtet, doch kritisch ist die Lage nicht nur in den Vereinigten Staaten.

In Europa und Asien stehen die Dinge auch nicht gerade zum Besten. Für den Moment herrscht in der alten Welt Ruhe. Doch die könnte am Sonntag schon wieder vorbei sein, denn in Griechenland wird gewählt, und wie diese neuerliche Wahl ausgehen könnte, lässt sich kaum vorhersagen. Zu groß sind die Unsicherheiten.

Damit könnte das Schreckgespenst Eurokrise schneller wieder zurück sein, als uns allen lieb sein kann. Gefährlich daran ist nicht nur die Krise selbst, sondern auch, dass sie zudem in einer Situation auftreten würde, in der die europäische Solidarität durch die Flüchtlingswelle zusätzlich einer extrem hohen Belastung ausgesetzt ist.

Jetzt rächen sich die hohen Schulden

Obwohl die Geldmengen in den vergangenen Jahren über Gebühr aufgebläht wurden, fehlt das Geld heute an allen Ecken und Kanten. Die Staaten sind überschuldet, viele Unternehmen sind es auch und so entsteht eine Situation, in der man sich wie von unsichtbarer Hand gegen eine Wand gedrückt fühlt.

Wenn die Einnahmen wegbrechen, aber die Schulden nominal auf dem bestehenden Niveau verharren, werden sie schnell zu einer Gefahr. Man müsste eigentlich in der Krise investieren und neue Anreize schaffen. Doch dazu fehlt inzwischen überall auf der Welt der Spielraum.

Allein in den letzten vierzehn Jahren haben sich die weltweiten Schulden von 87 Billionen auf über 200 Billionen US Dollar mehr als verdoppelt. Besonders schnell und rasant verlief die Entwicklung in China.

Hier liegt die Gefahr dieser Woche. Zurückzuführen sind diese hohen Schulden nur, wenn die Wirtschaft brummt, die Steuereinnahmen fließen und in den privaten wie öffentlichen Kassen Überschüsse erwirtschaftet werden, die zum Abbau der Schulden eingesetzt werden. Von diesem beinahe paradiesisch anmutenden Zustand sind wir momentan aber weit entfernt.

Höhere Zinsen beschleunigen den Bankrott

Dauerhaft tragbar bleiben die Schulden nur, wenn und solange die Zinsen niedrig bleiben. Je schneller an der Zinsschraube gedreht wird, umso eher geraten gerade die schwächsten Glieder der Kette in arge Bedrängnis.

Das sind aktuell vor allem die Schwellen- und Entwicklungsländer. In ihnen wurden in den vergangenen Jahren mit geliehenem Geld Kapazitäten aufgebaut, die jetzt keiner mehr braucht.

Die Bank für den Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) hat ermittelt, dass Kredite in Höhe von 9,5 Billionen Dollar an Unternehmen und Privathaushalte außerhalb der USA vergeben wurden. Diese Zahl ist alles andere als ein Pappenstiel und deshalb ist die Entscheidung der FED in dieser Woche so wichtig – für alle wichtig.

Erhöht die amerikanische Zentralbank die Zinsen, betrifft diese Entscheidung nicht nur die USA selbst, sondern mehr oder weniger den gesamten Globus und der Druck im weltweiten Kessel wird steigen.

Da wir davon ausgehen können, dass viele diesem Druck nicht mehr standhalten können, werden die Folgen – auch für die Börsen – möglicherweise schon bald sehr dramatisch sein.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Handelstag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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