Die Welt ist ein Karussell und der DAX spielt U-Boot

Bernd Heim
By Bernd Heim / 22. September 2015

Es sind nur vier kurze Tage, doch es ist schon beeindruckend, was sich seit dem letzten Donnerstag alles ereignet hat. Sie erinnern sich sicher noch: FED-Chefin Janet Yellen trat vor die Presse und erklärte, dass die US-Notenbank sich nicht entschließen kann, die Zinsen anzuheben, weil es im Ausland, vor allem in China und anderen wichtigen Schwellen- und Entwicklungsländern wirtschaftliche Schwierigkeiten gibt.

Am Freitag weigerten sich die Händler auf dem Frankfurter Parkett die Treppe zu nehmen und stürzten sich lieber gleich aus dem Fenster. Am Montag ging der kräftige Abverkauf zunächst munter weiter, nachdem Volkswagen massive Manipulationen bei den Abgaswerten seiner Dieselfahrzeuge einräumen musste.

Der darauf folgende Kursverlust bei VW ist einerseits verständlich. Auf der anderen Seite wundert man sich schon ein wenig über die Panik der Investoren. Sie hätten am Wochenende vielleicht lieber mal nach Athen schauen sollen.

Dort durfte sich das griechische Volk wieder einmal als Souverän fühlen, wenn auch nur für einen Tag. Gewählt wurde ausgerechnet der Mann, der in den vergangen zwölf Monaten genau das Gegenteil von dem getan hat, für was er zunächst stand und für das er vom Volk gewählt wurde.

Je doller die Wendung, je stärker der Zuspruch

Die verhasste Troika zum Teufel jagen und die Sparprogramme beenden. Das wollte Alexis Tsipras vor den Wahlen im Januar. Sein ehrgeiziges Programm fand große Zustimmung, zumindest beim griechischen Wähler. In Brüssel war der Zuspruch zu seinen Forderungen schon deutlich geringer.

Doch da, wo viel Feind, da ist auch viel Ehre zu gewinnen. Also zeigte sich der damals noch neue griechische Ministerpräsident unnachgiebig und lies sein Volk wieder abstimmen. Dieses Mal nicht über die Zusammensetzung des Parlaments, sondern über das Sparpaket an sich.

Er gewann die Abstimmung. Die Griechen erklärten an den Urnen, dass sie nicht sparen wollen, und wurden keine fünf Tage später von ihrer Regierung mit einem Programm beglückt, dass noch striktere Auflagen enthält als jene, die zuvor mit großer Mehrheit abgelehnt worden waren.

Weil das alles so gut zueinander passt, wurde die griechische Regierung am letzten Sonntag vom Wähler auch noch bestätigt. Oder anders ausgedrückt: Je mehr eine Regierung das Volk an der Nase herumführt, um so größer sind ihre Chancen, wiedergewählt zu werden.

Angela Merkel und Martin Winterkorn werden interessiert zusehen

Die Ereignisse in Griechenland sind für eine Politikerin wie Angela Merkel und einen Konzernchef wie Martin Winterkorn ein interessantes Phänomen, zeigen sie doch, dass Lügen nicht wie in der Vergangenheit kurze, sondern inzwischen sehr lange Beine bekommen haben.

Es ist egal, was man dem Wähler oder Kunden verspricht. Es ist auch egal, wie viel oder besser gesagt wie wenig man davon am Ende erfüllt. Was zählt ist allein, dass der Kunde wieder kauft und der Wähler sein Kreuz an altbekannter Stelle setzt.

Insofern besteht noch Hoffnung. Für Angela Merkel auf eine erneute Wiederwahl, auch wenn die vielen Flüchtlinge, die gerade ins Land gelassen werden, Deutschland am Ende nicht bereichern sollten.

Für Martin Winterkorn und die Aktionäre des VW-Konzerns auf hohe Auszahlungen, auch wenn die Umsätze in China und anderswo in Zukunft so schlecht ausfallen wie die Abgaswerte in den USA.

Und natürlich auch für die Anleger im DAX, wenn dieser wieder einmal U-Boot spielt und auf Tauchstation geht. Früher oder später wird schon jemand die Luft aus den Tauchtanks lassen und taucht das Boot schnell wieder auf.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Handelstag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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