DAX: Volkswagens Rußpartikel schlagen den Anlegern aufs Gemüt

Bernd Heim
By Bernd Heim / 23. September 2015

Das Drama um Volkswagen ließ den DAX in den ersten Handelstagen dieser Woche auf einen Achterbahnkurs einschwenken. Der deutsche Leitindex wäre eigentlich recht stark in die neue Handelswoche gestartet, hätte nicht die VW-Aktie unter einem massiven Abverkauf gelitten.

Jeder Euro, den VW verliert, lässt auch den DAX um gute zehn Punkte fallen und es scheint, als würde es sich in diesen hektischen Tagen alles nur noch um Abgaspartikel drehen.

Dabei hat der Abverkauf auch seine positiven Nebeneffekte. Schon lange nicht mehr war ein Anteil am Volkswagenkonzern an der Börse so günstig zu erstehen. Das ruft früher oder später die Schnäppchenjäger auf den Plan.

Sie wissen, dass sie in Zukunft einen hohen Gewinn einfahren werden, wenn sie VW heute preiswert erwerben und der Vorstand dafür sorgt, dass die leidige Abgasaffäre schnell vom Tisch kommt. In einigen Jahren wird sich kaum einer an die Diskussionen dieser Woche erinnern. Aber zu den Kursen von gestern und heute würden dann viele gerne gekauft haben, haben es aber nicht, weil die Angst und Unsicherheit zu groß war.

Sonderfaktoren können den DAX auch weiterhin belasten

Ist VW ein Einzelfall? Das ist mit Sicherheit eine wichtige Frage und viele Anleger werden sie sich in diesen Tagen stellen. So wie es momentan aussieht, ist Volkswagen ein Einzelfall, denn die anderen deutschen Autokonzerne scheinen bei ihren Abgaswerten nicht geschummelt zu haben.

Aber an dieser Stelle ist es noch viel zu früh, um den Tag vor dem Abend zu loben. In der Vergangenheit sind die Automobilproduzenten immer wieder in die Schlagzeilen geraten, weil sie Umweltauflagen gezielt umgangen oder nicht erfüllt haben.

Da die Ermittlungen in den USA und Europa gerade erst anlaufen, stehen uns möglicherweise noch weitere unangenehme Nachrichten ins Haus. Viele Anleger könnten sich daher veranlasst sehen, um die Automobilindustrie vorläufig einen großen Bogen zu machen.

Der permanente Rechtsbruch als neuer Standard

Nicht singulär ist aber das hinter dem Abgasskandal stehende Grundproblem: Gesetze werden bewusst ignoriert und nicht eingehalten. Die von VW eingesetzte Software ist so programmiert, dass sie bei offiziellen Tests den Schadstoffausstroß senkt und die bestehenden Vorschriften einhält, bei der normalen Fahrt allerdings nicht.

Oder anders ausgedrückt: An roten Ampeln wird nur noch gehalten, wenn die Polizei in der Nähe ist, ansonsten fährt jeder, wie er lustig ist und wenn zufällig ein Fußgänger überfahren wird, gilt das als leider unvermeidbarer Kollateralschaden.

Innerhalb der Europäischen Union wird dieses Prinzip schon lange vorgelebt. Egal ob es um die Stabilität der gemeinsamen Währung geht oder den Umgang mit den Flüchtlingen und dem Asylrecht. Geltendes Recht wird immer mehr gebogen und immer öfter gebrochen, weil es angeblich „alternativlos“ ist.

Die mangelnde Rechtstreue ist eines der Hauptprobleme unserer Zeit. Wird es nicht bald entschieden und mit Nachdruck angegangen, hat es das Potential, unsere Gesellschaft zu zersprengen.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Handelstag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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