DAX: Die Lage ist gefährlicher als viele meinen

Bernd Heim
By Bernd Heim / 24. September 2015

Während VW mit seiner Abgasaffäre nun sogar schon die Flüchtlinge medial in den Hintergrund zu drängen scheint, schafft es ein anderer kaum in den Vordergrund, obwohl er mit seinen Aktionen eigentlich viel mehr Aufmerksamkeit verdient hätte: Die Rede ist vom russischen Präsidenten, Vladimir Putin.

Russland schafft im großen Stil Waffen und Ausrüstungsgüter nach Syrien. Diese Nachricht ist an sich nicht neu und sie ist angesichts der anhaltenden russischen Unterstützung für den bedrängten syrischen Präsidenten Baschar al-Assad auch nicht verwunderlich.

Neu und deshalb wert von uns nicht ignoriert zu werden sind jedoch der Umfang und die Schnelligkeit, mit der dies geschieht. Außerdem entsendet Russland Soldaten nach Syrien. So viele, dass es sich nicht nur um eine Handvoll ausgesuchter Militärberater handeln kann.

Deshalb stellt sich in diesen Tagen nachdrücklich die Frage, was will Russland mit seiner großen Militärpräsenz in Syrien bezwecken will und was die nächsten Schritte des Kremls im syrischen Bürgerkrieg sein werden.

Die Lunte ist gelegt

Auf dem Frankfurter Parkett sind diese Fragen noch kein Thema. Doch spätestens, wenn die von Volkswagen erzeugten Abgasnebel sich wieder etwas verzogen haben, muss sich der Markt diesem Thema stellen, denn es beinhaltet ein erschreckendes Konfliktpotential.

Ursprünglich unterhielt Russland an der syrischen Küste nur eine kleine Marinebasis. Inzwischen sind auch Kampfflugzeuge dort stationiert. Sofern die Berichte, die sich auf die Auswertung von Satellitenaufnahmen stützen, stimmen, hat der Kreml in den vergangenen Wochen Kampfflugzeuge vom Typ Su24 und Su25 in das vom Bürgerkrieg verrissene Land geschickt.

Die Su24 wurde für Angriffe auf Bodenziele im Tiefflug konzipiert, die Su25 ist ein klassisches Erdkampfflugzeug. Spätestens bei der Erwähnung dieses Wortes sollte man auch als Anleger hellhörig werden, denn diese üppige Ausstattung ist für die reine Verteidigung der russischen Basen recht groß ausgefallen.

Interessant ist in diesem Zusammenhang auch die Verlegung von vier Su30 Jets. Sie sind wesentlich moderner als die älteren Su24 und Su25-Modelle und sie sind als Mehrzweckkampfflugzeuge vielseitig einsetzbar. Ihre besondere Stärke ist die Abfangjagd.

Wird die Lunte auch gezündet?

Abfangen kann man im syrischen Luftraum derzeit aber nur die Maschinen von Präsident Assads Luftwaffe oder die dort operierenden Jets der NATO und der israelischen Luftwaffe.

Erstere werden die Militärs des Kremls wohl kaum angreifen wollen, sodass das eigentliche Ziel der Aktion nur sein kann die westliche Allianz von der Errichtung einer Flugverbotszone über Syrien abzuhalten. Die russischen Flugzeuge sind auch für den Westen eine ernst zu nehmende Gefahr und sie könnten dem Konflikt eine neue Wendung geben.

Zu erinnern ist dabei an die Stationierung der Patriot-Flugabwehrrakten in der Türkei vor einigen Jahren. Sie hinderte die Luftwaffe Präsident Assads daran in die Kämpfe im Norden des Landes wirksam einzugreifen und führten so mittelbar dazu, dass der syrische Präsident die Kontrolle über diesen Teil seines Landes verlor.

Eine ähnliche Wendung könnte Russlands Engagement hervorrufen, wenn der Kreml sich dazu entschließt, nicht nur eine eher symbolische Politik der Stärke in Syrien verfolgen zu wollen, sondern dem schwankenden Regime in Damaskus auch durch den Einsatz von Bodentruppen unter die Arme zu greifen.

Eine weitere Eskalation des Konflikts kann die Börse nicht gebrauchen

In diesem Fall hat Syrien alle Chancen sich zu einem zweiten Vietnam zu entwickeln. Weitere Tote und Verletzte, weitere Flüchtlinge und sicher auch eine Fülle neuer Konflikte und Spannungen wären die Folge.

Zusammen mit der problematischen Lage in der Ostukraine, den laufenden Sanktionen und der amerikanischen Absicht, neue Atomsprengköpfe in Deutschland zu stationieren, könnte sich leicht ein Cocktail entwickeln, der für die Börse mehr als ungenießbar ist.

In diesem Fall werden sicher nicht nur die Aktien von Volkswagen und den anderen deutschen Automobilherstellern in heftige Turbulenzen geraten. Der ganze DAX könnte nicht nur niesen, sondern sich sehr leicht eine schwere Lungenentzündung einfangen.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Handelstag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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