DAX: Endet heute der Schlussverkauf?

Bernd Heim
By Bernd Heim / 30. September 2015

Willkommen zum letzten Börsen- und Handelstag des dritten Quartals. Falls Sie im Hauptberuf gerade Fondsmanager sind und Ihren Kunden in den nächsten Tagen den obligatorischen Bericht über die Aktivitäten Ihres Fonds zusenden müssen, dann haben Sie heute noch einmal die Chance, sich von plötzlich unbeliebt gewordenen Aktien und Assets zu trennen.

Volkswagen und Glencore stehen derzeit ganz weit oben auf der Liste jener Aktien, die ein Fondszeichner nicht gerne im Quartalsbericht entdecken möchte, stehen beide Aktien derzeit nicht nur für Verluste, sondern für herbe Verluste und ein ramponiertes Image.

Normalerweise kennen wir den Effekt des „Window Dressings“ in umgekehrter Form. Zum Ende eines Quartals, Halbjahres oder Jahres werden von den Fondsmanagern gerne noch einmal jene Werte gekauft, die in der Vergangenheit durch eine gute Performance geglänzt haben.

Auf diese Art will man als Investmentfonds seinen Kunden zeigen, dass ihr Geld beim eigenen Management in guten Händen ist. Entsprechend wild wird gerade vor dem Ende des Quartals noch einmal agiert oder sollte man besser sagen reagiert?

Falsch und zu spät

Natürlich ist vieles davon nicht mehr als ein bisschen Fassadenmalerei. Gut für die Anleger wäre es gewesen, wenn die gut gelaufenen Aktien und Anleihen bereits vor Monaten in die Fondsdepots eingekauft worden wären. Käufe kurz vor Toresschluss, sind hingegen eher ein Zeichen von Panik und Schwäche.

Bei den Verkäufen ist es nicht anders. Sinnvoll wäre es gewesen, absturzgefährdete Aktien auf dem Hoch oder nahe an diesem zu verkaufen. Erst zu verkaufen, wenn alle es tun, ist nicht nur zu spät, sondern auch gefährlich, denn die eigenen Verkäufe geraten dann leicht in eine Stopp-Loss-Welle und erfolgen möglicherweise erst auf dem Tief oder nahe an diesem.

Als Kunde sollte man es also immer kritisch sehen, wenn Marketinggesichtspunkte die Zusammenstellung eines Fonds beeinflussen. Dass auch ein Fondsmanager, auch ein hoch bezahlter, Fehler machen darf, muss erlaubt sein. Wer das nicht will, weicht besser auf einen nicht gemanagten Indexfonds aus.

Auf der anderen Seite ist natürlich auch die Ängstlichkeit der Fondsmanager scharf zu kritisieren. Wenn diese immer nur das tun oder kaufen, was andere auch kaufen, kann ein Fonds nie ein wirklich eigenständiges Gesicht entwickeln.

Der Mut zum Risiko und zum eigenen Denken ist in der Branche aber nur unzureichend ausgebildet. Aus diesem Grund verwundert es nicht, dass 90 Prozent der Fondsmanager einen Index wie den DAX kaum zu schlagen vermögen.

Wie geht es nun weiter? Goldener Oktober oder trüber Vornovember?

Das dritte Quartal liegt nun so gut wie hinter uns und wir sollten unseren Blick auf die Zukunft richten. Zwei Aspekte kommen dabei zum tragen. Zunächst ist der Markt in diesen Tagen absolut Nachrichten getrieben und auch der beste Charttechniker oder Analyst kann nicht vorhersehen, welche Informationen in drei Stunden oder zwei Tagen über die Ticker gehen werden.

Gegen diese Form von Zufällen ist absolut kein Kraut gewachsen. Wer sich ihnen nicht aussetzen will, der geht erst gar nicht in den Markt und wer dennoch an der Börse aktiv sein will, der arbeitet mit kleinen, überschaubaren Positionen und klaren Stopps. Das sichert zwar das Depot, aber ein gewisses Restrisiko wird immer bleiben.

Der zweite Aspekt betrifft die Verkäufe allein aus Gesichtspunkten des Marketing zum Ende des Quartals. Waren sie in der Tat für den Druck mitverantwortlich, der in den letzten Tagen auf dem Markt lag, so sollte sich dieser mit dem Ende des heutigen Handelstages verflüchtigt haben.

Eine Gewähr für wieder steigende Kurse ist das selbstverständlich nicht. Aber zumindest könnte der Verkaufsdruck nachlassen und das wäre doch zumindest ein kleines Zeichen der Hoffnung.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Handelstag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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