Geld aus dem Nichts war schon früher eine angenehme Lösung

Falschmünzer und „freundliche Zeitgenossen“, die es nur auf unser Geld abgesehen haben, gibt es schon so lange, wie es das Geld selbst gibt. Ihnen auf den Leim zu gehen war zu allen Zeiten gefährlich. Besonders groß ist die Gefahr, wenn der Betrug staatlich organisiert ist und in Form einer „Erleichterung“ daherkommt.

Eine der auch heute noch bekanntesten Enteignungen eines ganzen Volkes durch legales Falschgeld war das Papiergeldexperiment des John Law. Als es scheiterte, schob man die Schuld für die Misere allein dem innovativen Schotten in die Schuhe.

Das war ungerecht, denn sein ursprünglicher Plan lief nicht auf eine Übervorteilung unbescholtener Bürger hinaus, sondern zielte allein auf eine Erleichterung des Handels und des wirtschaftlichen Lebens ab. Leichte Banknoten aus Papier sollten die schweren und bisweilen auch umständlichen Bezahlvorgänge durch Gold- und Silbermünzen ersetzen, zunächst in Frankreich, dann auch in anderen Teilen der Welt.

Eine gute Idee, die John Law durchaus zu einem Helfer der Menschheit hätte machen können. Er machte im Grunde nur einen kleinen, aber sehr entscheidenden Fehler. Er gab in einer späteren Phase dem Drängen des Regenten nach und emittierte eine größere Anzahl an Geldscheinen als die Gold- und Silberdeckung seiner Bank es eigentlich erlaubt hätte. Aber alles der Reihe nach …

Vom Pariser Spott zum Generalkontrolleur der Finanzen Frankreichs

Im Frühjahr 1716 auf dem Höhepunkt der Finanz- und Staatskrise gründete John Law die Banque Générale. Bis zum Spätsommer des Jahres 1716 liefen die Geschäfte flau. Dann fuhr eines Morgens eine außergewöhnliche Kutsche vor. Lakaien trugen schwere, metallbeschlagene Kisten in den Raum. Die zufällig anwesenden Pariser staunten nicht schlecht, denn der Duc d‘Orléans, der als Vormund für den 5-jährigen Ludwig XV. das Land regierte, zahlte „ganz diskret“ eine Million Livre ein.

Das Aktienkapital der Bank setzt sich damals nominal aus 1.200 Anleihen zusammen, jede bewertet mit 5.000 Livre, insgesamt sechs Millionen Livre. Gezeichnet worden war jedoch nur ein Viertel des Kapitals. Dem Misstrauen der Bevölkerung begegnete John Law durch kostenlose Finanzdienstleistungen, die seine Bank anbot.

Damit zog er sich nur den Zorn der anderen Privatbankiers zu. Die Pariser Bürger zu überzeugen vermochte er zunächst nicht. Bis zum Herbst 1716 war John Laws Bank nur ein Spottobjekt. Die „Gazette de la Régence“ schrieb beispielsweise vor der Ankunft der königlichen Kutsche: „[John Laws] Bank wird keinen Erfolg haben. (…) Niemand spricht über Herrn Laws Bank, es sei denn, um über sie zu scherzen.“

Nach der Ankunft der königlichen Kutsche änderte sich das Meinungsbild schlagartig. Die „Gazette de la Régence“ berichtet nun von einer „unlängst von der Königlichen Münze ergangenen Order, eine Million an Monsieur Laws Bank zu schicken, welche der Regent unterstützt und die in Wirklichkeit seine Bank unter dem Namen des Engländers ist. Jedermann glaubt, dass sie Bestand haben wird, weil königliche Fonds in sie fließen.“

Phase I. Die List gelingt

Die „diskrete“ Einzahlung des Regenten direkt vor den Augen der verwunderten Pariser Bürger war ein Marketingerfolg erster Güte. Er war, wie wir heute wissen, minutiös geplant und ihm gingen innerhalb des Kabinetts lebhafte Diskussionen voraus. Der Regent unterstützte die Papiergeldpläne.

Widerspruch kam allein vom Duc de Saint-Simon. Er meinte, es sei erforderlich, dass „man die Bank mit genügend Umsicht und Weisheit leiten müsse, um nicht mehr Noten auszugeben als man solle“. Außerdem könne das, „was in einer Republik hervorragend sei, in einer absoluten Monarchie wie in Frankreich gefährlich werden, weil die Kosten unüberlegt unternommener und schlecht durchgeführter Kriege, die Habgier von Ministern, Günstlingen, Mätressen, das Luxusleben, die extravaganten Ausgaben und die Verschwendungssucht eines Königs eine Bank bald erschöpfen, die Inhaber der Noten ruinieren und das ganze Königreich stürzen könnten.“

Mit anderen Worten: Da der König über dem Gesetz stand, gab es keine Garantie dafür, dass die Bank in schwierigen Zeiten nicht zum Wohl des Monarchen und zum Nachteil des Volkes missbraucht werden würde.

Wir wissen heute aus leidvoller Erfahrung, dass nicht nur absolute Monarchien und Diktaturen so handeln können. Auch in funktionierenden Republiken ist es inzwischen üblich, die Kosten unüberlegt unternommener und schlecht durchgeführter Kriege oder die extravaganten Pläne von Ministern und Günstlingen im Zweifelsfall über die Notenpresse zu bezahlen.

Der Angriff auf die Banque Générale

Nur 18 Monate nach ihrer Gründung zahlte die Bank erstmals eine Dividende von sieben Prozent. Die Geschäfte gingen gut und die ausgegebenen Banknoten notierten über Pari. Sie waren wegen des fixen Versprechens auf Rücktausch in Münzen bei den Händlern sehr beliebt.

John Laws Kontrahenten unternahmen in dieser Phase einen Angriff auf sein Institut. Er zielte darauf ab, das Vertrauen der Pariser Bürger in das neue Papiergeldsystem zu erschüttern. Anonym wurden dazu heimlich Banknoten im Wert von fünf Millionen Livre aufgekauft und schlagartig an einem Tag die sofortige Auszahlung der Noten in Gold verlangt.

Die Abwehr des Angriffs auf die Glaubwürdigkeit seines Instituts gelang John Law mit Hilfe des Regenten. Dieser stellte das benötigte Gold kurzfristig bereit und die Pariser waren sich fortan sicher, dass die ausgegebenen Banknoten „werthaltig“ seien und ihr Geld bei John Law in guten Händen war.

Ein Trugschluss, wie sich schon bald zeigen sollte. Wir werden uns mit der ebenso kurzen wie aufschlussreichen Geschichte der Banque Générale deshalb auch im nächsten Börsenausblick noch einmal beschäftigen müssen.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Handelstag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

Leave a comment: