Wenn der Staat sich einmischt, wird es schnell gefährlich

Im Herbst 1716 stand es um die französischen Finanzen alles andere als gut. Lange Kriege, Korruption und Misswirtschaft hatten das Land an den Rand des Ruins gebracht. Es musste gespart werden, gleichzeitig war der Adel nicht bereit, auf seine aufwendige Hofhaltung zu verzichten.

In dieser kritischen Phase gründete der Schotte John Law die Banque Générale. Ihr Konzept war innovativ, denn es zielte darauf ab, durch die Ausgabe neuer Banknoten anstelle der alten Gold- und Silbermünzen den Handel und die Wirtschaft zu fördern. Das Experiment gelang. Nach anfänglichen Schwierigkeiten wurde die Bank schließlich zu einem Erfolg.

Der schnelle Erfolg wurde der Banque Générale jedoch schon zwei Jahre nach ihrer Gründung zum Verhängnis. Im Dezember 1718 wurde die Bank verstaatlicht und in Banque Royal umbenannt.

Zu diesem Zeitpunkt hatte die Bank Vermögenswerte von über neun Millionen Livre in Münzen und zusätzlich 1,6 Mio. Livre in Wechseln. Dagegen stand ein Wert von weniger als 40 Mio. Livre an ausgegebenen Banknoten.

Phase II.: Die Banque Générale wird verstaatlicht

Damit wird deutlich: Solange John Law für seine Bank alleine verantwortlich war, hatte er die Warnung des Duc de Saint-Simons und das mahnende Beispiel der Bank von Amsterdam beherzigt. Die ausgegebenen Banknoten standen in keinem eklatanten Missverhältnis zu den Vermögenswerten der Bank.

Als Banque Royal drehte die verstaatlichte Banque Générale ein immer größeres Rad. Neue Zweigstellen in Lyon, La Rochelle, Tours, Orléan und Amiens wurden eröffnet. Der Staat zudem erließ ein Gesetz, das bestimmte, dass Transaktionen im Wert von 600 Livre und mehr in Papiergeld oder in Gold abgewickelt werden mussten.

Das Gold war zu dieser Zeit knapp. Das neue Gesetz begründete somit faktisch einen Zwang, Papiergeld zu verwenden.

Das Unheil nimmt seinen Lauf

Während die Banque Générale rund 25 Prozent des umlaufenden Papiergeldes als Münzgeld in Reserve hielt und John Law kritischen Aktionären jederzeit Rede und Antwort stehen musste, entschieden in der verstaatlichen Banque Royal nun allein der Regent und seine Berater über die Anzahl der ausgegebenen Noten und die Höhe der Reserven.

Eine Notwendigkeit, die Anzahl der ausgegebenen Banknoten streng zu begrenzen, sah man nicht mehr. Acht Drucker mit einem Jahresverdienst von 500 Livre waren rund um die Uhr damit beschäftigt 100-, 50- und 10-Livre-Noten zu drucken.

Eine weitere wichtige Änderung wurde sehr schnell beschlossen: Die Noten waren nicht mehr zu dem Wert einlösbar, den sie zur Zeit der Ausgabe gehabt hatten, sondern nur noch zum Nennwert.

Die Folge dieser unscheinbaren Änderung war dramatisch: Wurde die Währung abgewertet, indem der Tauschwert einer Gold- oder Silbermünze erhöht wird, wurde gleichzeitig auch das Papiergeld entwertet.

Sir James Steuart stellte später ungläubig fest, dass niemand sich daran störte, weil die Bevölkerung nur auf den Nennwert achtete und den Bezug zu den Münzen völlig ignorierte.

Die Basis zu einer finanziellen Katastrophe der Extraklasse war damit gelegt. Doch wie so oft im Leben kommt ein Unglück selten allein. Das Mississippi-Fieber erfasste Paris in den Jahren 1719 und 1720. Es machte Bettler über Nacht zu Millionären und alle am Ende um eine unangenehme Erfahrung reicher. Mit ihm werden wir uns im nächsten Börsenausblick ausführlich beschäftigen.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Handelstag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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