Syrien, Geldpolitik, Euro-Rettung: Lügen und Manipulationen so weit das Auge reicht

Bernd Heim
By Bernd Heim / 1. Dezember 2015

Was hat der Syrienkonflikt mit der Geldpolitik der Notenbanken zu tun? Vordergründig nichts oder zumindest nicht viel. Doch es gibt interessante Parallelen, die ein bezeichnendes Licht auf unsere Unfähigkeit, Sachverhalte korrekt zu beschreiben und Dinge klar beim Namen zu nennen, lenken.

Die Konsequenzen sind Lüge und Manipulation, denn was bleibt, wenn die Wahrheit nicht ausgesprochen werden darf oder politisch korrekt lieber verdrängt wird?

Für eine gewisse Zeit mag die Täuschung gelingen und auch der Getäuschte mag sich auf den ersten Blick gar nicht so unwohl fühlen. Doch es ist eine „heile Welt“ auf Zeit. Auf Dauer Bestand haben wird sie nicht.

Der Konflikt in Syrien ist inzwischen nicht nur eine mörderische Auseinandersetzung zwischen den Truppen Präsident Baschar al-Assads und den diversen bewaffneten Kräften der Opposition. Es ist auch ein Kampf des Westens gegen den Islamischen Staat.

Wegschauen löst keine Konflikte

Letzterer ist einerseits eine langfristige Folge des Irakkriegs und des amerikanischen Versagens beim Wiederaufbau eines friedlichen und ausgewogenen Nachkriegiraks. Auf der anderen Seite ist der IS eine Terrororganisation, die nur deshalb überleben kann, weil sie machtvolle Fürsprecher hat.

Diese Fürsprecher treten nicht offen zutage. Doch jede Bombe, die gelegt wird, jede Kalaschnikow, die abgefeuert wird, will erst einmal bezahlt sein. Einen Krieg zu führen kostet bekanntlich viel Geld und die modernen Waffensysteme machen ihn nicht unbedingt billiger.

Die Finanzquellen des Islamischen Staats kann man auch trockenlegen, ohne zuvor einen Beschluss des UN-Sicherheitsrats zu erwirken. Es reicht schon aus, das Öl des IS nicht mehr zu kaufen. Die Geldgeber im Hintergrund können auch relativ leicht aufgespürt werden, wenn man denn will.

Es werden hier so große Summen bewegt, dass im Banken- und Finanzsystem auf jeden Fall Spuren hinterlassen werden. Dass diese Spuren nach Russland, China oder Südamerika weisen, ist kaum zu erwarten. Viel realistischer ist, die geheimen Unterstützer der Terrormiliz im Nahen- und Mittleren Osten zu suchen.

Hektischer Aktivismus statt Wurzelbehandlung

Dort sucht man sie aber bewusst nicht. Stattdessen bombardiert man lieber die Stellungen des Islamischen Staats, kommt sich dabei gegenseitig in die Quere und schießt die Flugzeuge des anderen ab. Den IS besiegt man damit nicht. Aber wenn es schlecht läuft, steht am Ende ein militärisches Kräftemessen zwischen der NATO oder einzelnen NATO-Staaten und Russland.

Ob diese Strategie wirklich Sinn macht, ist mehr als fraglich. Sie erinnert aber fatal an das Vorgehen der Notenbanken während der Finanzkrise und die Aktionen der Europäischen Union während der Eurokrise. Auch hier wurden immer nur Symptome bekämpft, die wirklichen Ursachen aber nie ernsthaft adressiert.

Was die unzähligen Bomben auf die Stellungen des IS im Syrienkonflikt sind, sind die permanenten Finanzspritzen für Griechenland in der Eurokrise und ist das viele aus dem Nichts geschaffene Geld im internationalen Währungskrieg.

Es sind Scheinangriffe auf Symptome, die den Entscheidungsträgern die Aura von Macht und Entschlossenheit geben. Doch da die wirklichen Ursachen bewusst nicht angegangen werden, ändert sich am großen Bild nichts. Der Konflikt schwelt weiter vor sich hin und wird am Ende zwangsläufig in einer Katastrophe enden.

Mehr Geld ist nicht die Lösung unserer Probleme

Seit der damalige US-Notenbankchef Alan Greenspan in den späten 1990er Jahren erstmals im großen Stil die Geldschleusen öffnete, um die Probleme seiner Zeit in den Griff zu bekommen, gilt ‚mehr Geld‘ als die ultimative Lösung für alles und jedes.

Doch mehr Geld wird Griechenland nicht helfen. Es wird dankend angenommen und anschließend leichtfertig ausgegeben werden, aber am Grundübel des Landes, der nicht vorhandenen Wettbewerbsfähigkeit, wird es nichts ändern. Mehr Geld ist also nicht die Lösung, sondern höchstens eine Art Brandbeschleuniger.

Im internationalen Währungskrieg ist es genauso. Konsum und Investitionen stocken nicht, weil nicht genügend Geld vorhanden ist, sondern weil das vorhandene Geld in den falschen Händen konzentriert ist.

Wenn nun mehr Geld an die ausgegeben wird, die ohnehin schon mehr als genug haben, wird das Problem gewiss nicht gelöst, sondern massiv verschärft, weil die Abwertung der Währungen niemandem einen dauerhaften Vorteil verschafft, wenn alle Beteiligten das Spiel gleichzeitig und mit gleich großem Engagement spielen.

Ein neues Denken ist notwendig

Wie weit die globale Fehlallokation von Kapital inzwischen fortgeschritten ist, zeigt eine bestürzende Zahl aus dem Jahr 2012. Um die Kosten für den Unterhalt des Militärs und die weltweit geführten Kriege zu bezahlen, waren 1.735 Milliarden US Dollar erforderlich. Bescheidene 135 Milliarden Dollar hätten gereicht, um die Armut auf der Welt zu beseitigen.

Es ist eine grobe Verdrehung der Wahrheit zu behaupten es gäbe nicht genügend Geld auf der Welt oder es bestünden Liquiditätsengpässe. Im Gegenteil: Geld gibt es im Überfluss. Was fehlt ist eine gerechte Verteilung. Bei der Arbeit ist es übrigens genauso: Die einen arbeiten sich zu Tode, während die andern an Langeweile sterben.

Gebraucht wird also nicht mehr Geld, schon gar nicht mehr Geld aus dem Nichts, dem keine wirtschaftliche Leistung gegenübersteht. Was gebraucht wird, ist eine neue Ehrlichkeit im Umgang miteinander, die auch zwangsläufig das wirtschaftliche Miteinander verändern wird.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Handelstag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim


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Der Börsengang von ‚Johnson Biotechnology and Pharmaceuticals‘, der Jay finanziell neue Dimensionen erschließen sollte, hatte sich zu einer Katastrophe entwickelt.

Ausgerechnet am Tag des Börsengangs hatte der bekannte Risikokapitalgeber Larry Goldsmith ‚JBP‘ mit einer millionenschweren Klage überzogen.

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About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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