Russland und China: Sag dem Dollar leise servus

Am US Dollar als weltweit wichtigster Handels- und Reservewährung führt noch kein Weg vorbei. Alle wichtigen Rohstoffe und der größte Teil des internationalen Waren- und Güteraustauschs werden in der amerikanischen Währung abgerechnet. Hinzu kommt, dass alle Notenbanken den Dollar neben dem Gold als wichtigen Teil ihrer Reserven ansehen.

Eine Zeit lang sah es so aus, als könne die US-Währung sogar das Gold vom Thron stoßen und dieses als Währungsreserve vollkommen überflüssig machen, denn bis zur Hälfte der letzten Dekade trennten sich die Zentralbanken überwiegend von ihren Goldreserven und begnügten sich damit, Devisenreserven vorzuhalten.

Insbesondere China schlug lange Zeit einen extremen Weg ein, denn die Peoples Bank of China saß bildlich gesprochen auf Dollarbergen in Himalajadimensionen und einem äußerst kleinen und überschaubaren Goldhügel. Die hohen Handelsüberschüsse des Landes wurden bis etwa 2001 fast ausschließlich in US-amerikanischen Staatsanleihen angelegt.

Inzwischen ist der chinesischen Führung aufgefallen, wie verletzbar das Land dadurch geworden ist, denn seit die USA unter den Notenbankpräsidenten Alan Greenspan und Ben Bernanke dazu übergegangen sind, ihre wirtschaftlichen Probleme in einem Meer von neu geschaffenem Geld zu ertränken, wird die Welt mit US Dollar geradezu geflutet.

Der Euro als erste Alternative zeigte schnell Schwächen

China, aber auch andere Schwellenländer wie Brasilien, Indien, Thailand oder Russland erkannten schnell, dass die Schwäche der amerikanischen Währung auch schnell zu ihrer eigenen Schwäche werden kann, wenn man zu einseitig auf sie setzt, weil die Amerikaner es in der Hand haben, die Rücklagen der ausländischen Mächte durch eine Inflationierung des Dollars faktisch zu entwerten.

Die Währungsreserven der Notenbanken wurden deshalb breiter gestreut. Der 1999 neu eingeführte Euro kam da als gemeinsam Währung eines großen, etablierten Wirtschaftsraums gerade recht. Er verdrängte zunehmend den US Dollar, drohte ihn angesichts der Dollarschwäche sogar als Leitwährung infrage zu stellen und zeigte dann unversehens seine eigenen Schwächen, als die europäische Schuldenproblematik im Sommer 2011 für alle offensichtlich wurde.

Ob diese Entwicklung zufällig war oder durch interessierte Kreise angestoßen wurde, sei einmal dahingestellt. Wichtig ist die Frage ohnehin nur für die Historiker. Für die Anleger und die Notenbanken zählte im Grunde immer nur eine Erkenntnis: Um die Sicherheit fremder Währungen ist es im Zweifelsfall nicht gut bestellt, denn ihre Stabilität ist immer nur ein Spiegelbild der Zahlungsfähigkeit eines Landes.

Vertrauen auf das Gold und die eigene Stärke

Vor die Frage gestellt, wie viel Vertrauen sie noch in die Fähigkeit der Amerikaner haben, ihre Schulden jemals zurückzahlen zu können, votieren die Notenbanken rund um den Globus immer stärker zugunsten des Goldes. Es hat, anders als die meisten anderen Kapitalanlagen, keinen Forderungscharakter und kann deshalb nicht ausfallen.

Entsprechend dieser neuen Einschätzung stehen die Notenbanken seit 2007 beim Gold tendenziell auf der Käuferseite, wobei die Käufe vor allem von den asiatischen und südamerikanischen Notenbanken getätigt werden, während sich die westlichen Zentralbanken darauf beschränken, ihre Bestände nicht weiter zu reduzieren.

Einher mit dieser Politik geht der Versuch, einen immer größeren Teil des Welthandels außerhalb des US Dollars abzuwickeln. Damit wird deutlich, dass es sich um mehr handelt als nur die vergleichsweise uninteressante Frage, welchen Anteil der Dollar in den Bilanzen der anderen Notenbanken haben soll.

Es geht um nicht mehr und nicht weniger als um die Ablösung des Dollars. Sie wird von verschiedener Seite betrieben. Mal forciert, mal mit etwas weniger Nachdruck, aber insbesondere China und Russland haben sich in den vergangenen Jahren an die Spitze dieser Bewegung gestellt.

Der Angriff auf den US Dollar erfolgt über den Welthandel

China schließt schon seit Jahren immer mehr bilaterale Handelsabkommen ab, die eine Abrechnung des Warenaustausches auch in den jeweiligen Landeswährungen vorsehen. Sehr früh bereits wurden derartige Abkommen mit Japan, Südkorea und Russland geschlossen.

Das ist ein erster Schritt, die Macht des Dollars zu brechen. Doch die USA sind noch in einer sehr komfortablen Position, denn solange der Kauf der meisten Rohstoffe in US Dollar abgerechnet wird, muss jedes Land, dessen Industrie etwas produzieren will, diese vorhalten, was den Wert der amerikanischen Währung dank höherer Nachfrage steigen bzw. auf einem vergleichsweise hohen Niveau verharren lässt.

Der wichtigste Rohstoff ist das Erdöl. Auch hier sind die Amerikaner in einer sehr angenehmen Lage, denn ihre Verbindungen zu den arabischen Ölförderstaaten sind traditionell besser als die der Russen und Chinesen.

Entgegen kommt den Russen derzeit die rückläufige Ölproduktion in der Nordsee. Sie führt dazu, dass die europäischen Staaten immer mehr Öl aus anderen Regionen einführen müssen. Nicht nur aufgrund der geographischen Nähe profitiert Russland von diesem zusätzlichen Bedarf in der Europäischen Union.

Putin will einen weiteren Stein aus der Wand schlagen

So weit, so gut, aus russischer Sicht. Nachteilig ist jedoch, dass sich die Preise für die russische Ölsorte Urals am Referenzpreis der Nordseesorte Brent orientieren und wie diese in US Dollar abgerechnet werden. Russlands Wirtschaft ist wie zu Sowjetzeiten immer noch sehr rohstofflastig und damit sehr anfällig gegenüber den Schwankungen der amerikanischen Währung.

An dieser Stelle will der russische Präsident Vladimir Putin ansetzen und einen weiteren Stein aus der Wand der Vorherrschaft des US Dollars brechen. An der Sankt Petersburger internationalen Rohstoffbörse SPIMEX werden seit November 2015 die Kontrakte auf russisches Öl nicht mehr in US Dollar, sondern in heimischen Rubeln gehandelt.

Da Russland seinen eigenen Energiebedarf größtenteils mit Gas abdeckt, können rund 80 Prozent des russischen Öls ins Ausland exportiert werden. An dieser Stelle wird es in den kommenden Monaten äußerst spannend.

Entscheidend für den Erfolg der Aktion wird sein, ob sich die ausländischen Partner auf eine Abrechnung des Handels in Rubel einlassen werden. Tun sie es, werden zukünftig deutlich weniger US Dollar benötigt und die Abhängigkeit Russlands und der Welt von der amerikanischen Währung wird geringer.

Die Rohstoffwelt blickt in diesen Tagen interessiert nach Sankt Petersburg

Wir gehen wohl nicht fehl in der Annahme, dass nicht nur die Amerikaner die weitere Entwicklung an der SPIMEX mit großem Interesse verfolgen werden. Die Europäer, Chinesen und Araber werden es sicher auch tun.

Wobei insbesondere die Amerikaner Grund haben mit etwas Sorge nach St. Petersburg zu schauen, denn wenn das russische Beispiel Schule macht, könnte dies der Anfang vom Ende des US Dollars als wichtigster Welthandelswährung sein.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Handelstag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim


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About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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