Steuererhöhungen im Land des unbegrenzten Öls

Wenn die Einnahmen die Ausgaben nicht mehr decken, müssen neue Einnahmequellen erschlossen werden und die eigenen Aufwendungen reduziert werden. Das ist bei uns in Europa nicht anders als anderswo auf der Welt, die USA ausgeschlossen. Hier müssen einfach nur Dollars neu gedruckt werden.

In Saudi-Arabien war man lange Zeit den Sorgen und Nöten enthoben, die andere Nationen quälten. Geld war nie das Problem, seit die Ölfunde auf der arabischen Halbinsel das Land quasi über Nacht vom Tellerwäscher zum Millionär machten.

Mit dem Geld kam der Wohlstand und mit diesem die Bequemlichkeit. Wer sich alles leisten kann, der kauft auch viel, zumindest viel mehr, als er sich kaufen würde, wenn er nicht dieses viele Geld zur Verfügung hätte.

Was für einzelne Menschen gilt, das gilt selbstverständlich auch für Staaten. Welche Veränderungen der Ölreichtum dem Land gebracht hat, lässt sich unter anderem an seiner Bevölkerungsentwicklung ablesen.

Kinder und ein Heer von Gastarbeitern

In diesem Jahr wird die Bevölkerung Saudi-Arabiens zum ersten Mal die 30 Millionen Grenze überschreiten. Dieser Anstieg ist bemerkenswert, wenn man berücksichtigt, dass im Jahr 1960 mit 3,5 Millionen Menschen gerade mal etwas mehr als ein Zehntel der heutigen Bevölkerung im Land lebte.

Nicht nur die Geburten der einheimischen Bevölkerung trugen zu dem Wachstum bei. Inzwischen leben auch etwa neun Millionen ausländische Gastarbeiter im Land. Sie stammen vorwiegend aus Afrika und Asien, wobei insbesondere viele afrikanische Gastarbeiter illegal im Land leben und im Dienstleistungsgewerbe zu Tarifen weit unter dem saudischen Durchschnitt beschäftigt werden.

Trotz des enormen Zuwachses beträgt die Bevölkerungsdichte aufgrund der riesigen Ausdehnung des Landes nur 14 Einwohner pro Quadratkilometer. Die Masse der Saudis lebt in den großen Städten und ist im Durchschnitt gerade einmal 21,4 Jahre alt. Zwei Drittel der Bevölkerung sind noch nicht einmal 25 Jahre alt.

Junge Gesellschaften sind allgemein als unruhige Gesellschaften bekannt. Dieser Punkt könnte in den kommenden Jahren an Bedeutung gewinnen, denn der Reichtum des Landes beruht in erster Linie auf den Öl- und Gasfunden. Als zweiter wichtiger Faktor kommt der Tourismus hinzu.

Ein Land, in dem Öl und Honig fließen

Um vom Öl und den ins Land strömenden moslemischen Pilgern unabhängiger zu werden, hat das Königreich in den vergangenen Jahrzehnten viel Geld in den Aufbau seiner Wirtschaft gesteckt. Geld war dabei nie das Problem. Wasser schon eher. Es ist auf der ganzen arabischen Halbinsel ein extrem knappes Gut.

Natürliche Flüsse und Seen, die man anzapfen könnte, gibt es nicht. Pro Jahr fällt auch nur wenig Regen, sodass die erneuerbaren natürlichen Quellen nur bei etwa 120 m³ pro Jahr und Einwohner liegen. Zum Vergleich: In Deutschland stehen pro Jahr und Einwohner 2080 m³ Wasser zur Verfügung.

Die Regierung begegnete dem Wassermangel mit dem Bau von Tiefbrunnen und Meerwasserentsalzungsanlagen. Insbesondere Letztere sind sehr energieintensiv. Solange das Öl fließt, kann man sich diesen Luxus leisten. Die Tiefbrunnen jedoch greifen auf fossile Ressourcen zurück, die irgendwann erschöpft sein werden.

Eine Alternative wäre der Wasserimport aus anderen Ländern, was jedoch eine nicht gewünschte politische Abhängigkeit nach sich ziehen würde. Fehlt eines Tages das Wasser, werden auch viele landwirtschaftliche Projekte eines schnellen Todes sterben, denn Ackerbau und Viehzucht in der Wüste ist ein Luxus, den man sich erst einmal leisten können muss.

Was kommt nach dem Öl?

Saudi-Arabiens Ölreserven sind nach Venezuela die zweitgrößten der Welt, wobei zu berücksichtigen ist, dass sie im Vergleich zur südamerikanischen Konkurrenz nicht aus Ölsanden bestehen und damit wesentlich leichter und kostengünstiger zu fördern sind.

Damit ist klar, dass Saudi-Arabien seine Stellung als wichtigster Rohölexporteur nicht kurzfristig verlieren wird. Sollte sich der Ölboom jedoch als endlich erweisen, dann droht dem Land das Schicksal Dubais. Das kleine Emirat hat das Ende seiner Ölzeit erreicht und setzt deshalb bereits seit Jahren auf den Tourismus als alternative Einnahmequelle.

Die Frage, was nach dem Öl kommt, muss man sich auch in Saudi-Arabien langfristig stellen und sie ist keineswegs leicht zu beantworten, denn die eigene Bevölkerung ist in den vergangenen Jahrzehnten nicht nur wesentlich größer, sondern auch deutlich anspruchsvoller geworden.

Die kommenden Monate könnten einen kleinen Vorgeschmack auf das bieten, was langfristig auf das Land zukommen wird. Da der aktuell niedrige Ölpreis auch in den saudischen Staatshaushalt ein gewaltiges Loch reißt, muss gespart werden.

Der Druck im Kessel steigt

Im Jahr 2015 belief sich das Defizit auf 367 Milliarden Rial, das sind umgerechnet rund 90 Milliarden Euro. Eine kurzfristige Besserung ist nicht in Sicht. Im Gegenteil: Im saudischen Finanzministerium rechnet man für das laufende Jahr sogar nur noch mit Einnahmen von 514 Milliarden Rial. 2015 hatten sie noch bei 608 Milliarden Rial gelegen.

Um einen weiteren Anstieg des Defizits zu vermeiden, sollen die Ausgaben von 975 auf nur noch 840 Milliarden Rial gekürzt werden. Zurückgefahren werden auch die Subventionen für Wasser, Strom und Ölprodukte. Hinzu kommen Steuererhöhungen beispielsweise auf Erfrischungsgetränke und Tabak.

Geht man einmal davon aus, dass Steuererhöhungen und Subventionskürzungen in Saudi-Arabien genauso unbeliebt sind wie hierzulande, dürfte der innenpolitische Druck auf die Führung des Landes weiter steigen.

Dies wird auch für den Ölpreis Konsequenzen haben, denn in Russland, Venezuela oder im Iran ist die Lage nicht grundsätzlich anders. Auch hier fehlen die Einnahmen aus dem Ölexport.

Eine stärkere Ölnachfrage oder ein höherer Ölpreis würde sie wieder steigen lassen. Es wäre vor diesem Hintergrund deshalb nicht verwunderlich, wenn sich die OPEC im Laufe des Jahres wieder zu Förderquoten und Quotendisziplin bekennt und der Ära des billigen Öls wieder einmal ein überraschendes Ende bereitet.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Handelstag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim


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Der New Yorker Investmentbanker Jay Thompsen ist jung, erfolgreich und von sich selbst überzeugt. Viele in seinem direkten Umfeld würden sogar sagen, zu sehr von sich überzeugt. Jay weiß, dass er mehr kann, viel mehr als man ihm derzeit bei ‚John Saxton Global Trust‘ zutraut. Er will ausbrechen, schnell ausbrechen und endlich zu dem werden, was er als seine wahre Bestimmung ansieht.

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In den 1960er-Jahren rief Tom Watson, der Vorstandsvorsitzende von IBM, einen seiner leitenden Angestellten in sein Büro, nachdem dessen Projekt 10 Millionen US-Dollar in den Sand gesetzt hatte.

Der Mann nahm daraufhin an, dass er gefeuert wird. Watson aber sagte zu ihm: „Gefeuert? Verdammt, ich habe 10 Millionen US-Dollar in Ihre Ausbildung investiert. Ich will nur sicher gehen, dass Sie die richtigen Lektionen lernen.“

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About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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