George Soros und Chinas neue Heuschreckenplage

Hedgefonds werden manchmal als Heuschrecken bezeichnet und der gebürtige Ungar George Soros ist mit Sicherheit einer der bekanntesten Hedgefondsmanager. Aber ist er damit auch eine jene Heuschrecken, denen die chinesische Führung in diesen Tagen den Kampf angesagt hat?

George Soros Ruhm beruht nicht zuletzt auf seinen erfolgreichen Spekulationen gegen überbewertete Währungen. Legendär sind seine Aktionen aus den 1990er Jahren, in denen Soros zunächst das Britische Pfund aus dem Europäischen Währungssystem drängte und wenige Jahre später die fix an den US Dollar gekoppelten asiatischen Währungen, allen voran den thailändischen Baht, zu Fall brachte.

In Peking fürchtet man nun, dass dem chinesischen Yuan ein ähnliches Schicksal blühen könnte. Die Währung steht seit einiger Zeit unter Druck. Frei handelbar ist sie an den Devisenmärkten nicht, denn die Regierung in Beijing behält sich die letzte Kontrolle über den Wechselkurs des Yuan immer noch vor.

Über Jahre haben insbesondere die USA den Chinesen eine Währungsmanipulation vorgeworfen. Der Yuan sei künstlich unterbewertet. Diese Einschätzung wurde von amerikanischen Politikern und Regierungsmitgliedern gebetsmühlenartig wiederholt. Bewirkt hat sie nur wenig. Ein paar Mal wertete die Peoples Bank of China den Yuan auf. Als ausreichend empfunden haben die Amerikaner diese Maßnahmen jedoch nie.

Die gigantischen Devisenreserven: Chinas Glanz und Elend

Der bewusste Verzicht auf eine mögliche Anhebung des Yuan hatte seine Gründe: Der Export sollte angekurbelt werden, denn die künstliche Schwäche der chinesischen Währung bot den Unternehmen des Landes auf den Weltmärkten einen nicht zu unterschätzenden Wettbewerbsvorteil.

Mit der Zeit häufte China Währungsreserven an, die viele andere Länder vor Neid erblassen ließen. Lange Zeit wusste man auch nicht wirklich, was man mit den vielen US Dollar und Euros anfangen sollte. Es wurden zunächst Staatsanleihen gekauft, doch deren Renditen sanken nach 2008 im Zuge der Niedrigzinspolitik der westlichen Zentralbanken beständig.

Später schichtete die Zentralbank um. Es wurde mehr Gold gekauft und weltweit sicherten sich chinesische Investoren den Zugriff auf wichtige Rohstoffprojekte und attraktive Unternehmen. Aber trotz aller Diversifizierung: Das Grundübel blieb.

Im Grunde hat China seine Waren an die USA verschenkt. Gut es hat dafür viel Papier in Geldform bekommen. Aber wirklich etwas anfangen konnte es mit den bunten Zetteln lange Zeit nicht. Aufbrauchen können hätte man die hohen Reserven nie, denn dazu hätte man im großen Stil in den USA Produkte kaufen und diese nach China importieren müssen.

Das war nie gewollt, denn China wollte selbst exportieren und nicht importieren. Das Einzige, was China hätte importieren wollen, hätten die Vereinigten Staaten aus gutem Grund niemals ins Reich der Mitte exportiert: ihre Militärtechnik. Die geht, wenn überhaupt nur nach Taiwan.

Der Berg schmilzt

Lange Zeit sah es so aus, als wären Chinas Devisenreserven etwas für die Ewigkeit. In den letzten Monaten schmelzen sie jedoch dahin, wie Eis in der Sonne. Das Tempo, mit dem China seine Währungsreserven derzeit angreift, ist atemberaubend. Nimmt der Bestand weiter in der gegenwärtigen Geschwindigkeit ab, hat die Peoples Bank of China schon bald nicht mehr die Möglichkeit, erfolgreich gegen Währungsspekulanten zu intervenieren.

An dieser Stelle schließt sich der Kreis zu George Soros. Der hat in Davos auf dem Weltwirtschaftsform zwar offengelassen, ob er sich an den Spekulationen gegen den Yuan beteiligt, doch er hat klar zu Protokoll gegeben, dass er eine harte Landung der chinesischen Wirtschaft nicht mehr fürchtet, weil er sie in der Realität schon längst als gegeben ansieht und real beobachten kann.

In Beijing sind seine Worte als Kriegserklärung aufgefasst worden. Der Kommentar eines hochrangigen Mitarbeiter des Handelsministeriums, der dieses Wort explizit gebrauchte, lässt daran keinen Zweifel. Nun wird propagandistisch mit aller Macht dagegengehalten. China verweist auf sein stabiles Wirtschaftswachstum, das trotz Rückgang immer noch sehr hoch ist, und auf die Handelsüberschüsse.

Die vorgelegten Zahlen mögen stimmen oder auch nicht. Wir wissen es leider nicht. Man muss in diesem Zusammenhang berücksichtigen, dass es in China immer zwei Zahlen gibt: die richtige und die, von der chinesische Gesprächspartner glaubt, dass man selbst sie hören will. Beide können übereinstimmen, müssen es aber nicht.

Die reichen Chinesen packen ihre Geldkoffer

Unverkennbar ist auf jeden Fall, dass viele reiche Chinesen besorgt sind. Es scheint ihnen an Vertrauen in die wirtschaftliche Zukunft ihres Landes zu fehlen. Wäre es anders, würde China in diesen Tagen nicht eine massive Kapitalflucht erleben. Es wird deutlich mehr Geld außer Landes geschafft als in früheren Jahren.

Wenn Dollars oder Euros gekauft werden, schwächt das naturgemäß den Wert des Yuan. Der Abwertungsdruck, der derzeit auf der chinesischen Währung lastet, kommt also weder aus dem Nichts, noch ist er eine Propagandalüge böser Zungen aus dem Ausland.

Auch der massive Schwund bei den Währungsreserven ist kein Phantasiegebilde, sondern höchst real und damit für die Führung in Beijing auch höchst alarmierend. Er lässt sich nicht leugnen und wird für Politik und Zentralbank langsam aber sicher zu einem handfesten Problem.

Wir können die Frage, ob George Soros persönlich seine Finger im Spiel hat oder nur als Zuschauer an der Seitenlinie steht, im Grunde unbeantwortet lassen. Sie ist, wenn überhaupt, nur eine Randnotiz der Geschichte.

Viel entscheidender ist die Abstimmung mit den Füßen, die Chinas Reiche und neue Mittelschicht gerade vollzieht. Ihr liegt ein massiver Vertrauensverlust zugrunde, der uns noch lange beschäftigen wird, denn ohne Vertrauen keine neuen Investitionen und ohne Investitionen keine neuen Arbeitsplätze und Produkte.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Handelstag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim


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About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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