Gold: Wann schlägt die Stimmung um?

Elf der letzten zwölf Quartale waren für die Goldanleger alles andere als erfreulich. Unter dem Strich waren Verluste zu verzeichnen und das eigene Geld in Gold und Silber investiert zu haben, erschien alles andere als eine sinnvolle Kapitalanlage gewesen zu sein.

Das erste Quartal 2016 fiel vollkommen aus dem Rahmen der Erwartungen. Der Goldpreis löste sich von seinen Tiefständen und ließ das gelbe Metall zu einer der besten Kapitalanlagen des Jahres werden.

Das bald zu Ende gehende zweite Quartal könnte die Entwicklung fortschreiben und spätestens dann stehen die Anleger vor der Frage, ob im Januar eine neue Entwicklung und damit ein neuer, lang anhaltender Trend begründet wurde.

Nach drei Jahren der Krise und des permanenten Preisverfalls hatte das Gold im Vergleich zu anderen Kapitalanlagen einiges aufzuholen. Die Lücke ist zwar noch nicht geschlossen, aber ein Teil des Weges wurde bereits zurückgelegt. Es ist daher schon fast zwangsläufig damit zu rechnen, dass die Geschwindigkeit der Aufholjagd in den kommenden Monaten nachlassen muss.

Minenaktien wieder gefragt

In der Vergangenheit pflegten die Aktien der Goldminen bereits zu reagieren, wenn der Goldpreis selbst noch keine Anzeichen für eine baldige Veränderung aussandte. Diese Vorläuferfunktion funktionierte selbstverständlich in beide Richtungen.

Die Minen stiegen bereits bevor der Goldpreis neue Höhen erklomm und sie fielen schon an Tagen zurück, an denen das Gold selbst noch keine Zeichen von Schwäche signalisierte.

Diese Vorlauffunktion war auch im ersten Halbjahr 2016 gegeben. Wobei sich die Anleger vor dem Hintergrund der mehr als dreijährigen Talfahrt besonders auf die Goldproduzenten aus der ersten Reihe konzentrierten. Hier waren zum Teil deutliche Kurszuwächse zu verzeichnen.

Wenn Schwergewichte der Branche wie Barrick Gold sich innerhalb weniger Monate im Kurs verdoppeln, muss etwas faul sein. Ist es auch. Die Frage ist nur, an welcher Stelle wir den Fehler suchen müssen.

Die Börse neigt immer zu Übertreibungen

Entweder sind die aktuellen Kurse viel zu hoch oder die Ende letzten Jahres auf dem Tiefpunkt gestellten Kurse waren viel zu niedrig. Zwar war die Goldbranche schon immer für ihre starken Kurssteigerungen und Kursverfälle bekannt, doch eine Verdopplung großer Minenschwergewichte in so kurzer Zeit lässt immer aufhorchen.

Freunde und Gegner des Goldes werden die Frage deshalb auch jetzt noch höchst unterschiedlich beantworten. Für die Goldbugs ist klar: Nur weil die Kurse des letzten Jahres so unnatürlich tief lagen, blicken wir inzwischen auf Kurssteigerungen im dreistelligen Prozentbereich zurück.

Die dem Gold kritisch gegenüberstehenden Anleger hingegen werden darauf verweisen, dass die Party sehr schnell ein jähes Ende finden könnte, wenn die Notenbanken ihre Politik des leichten Geldes beenden und die Zinssätze wieder steigen lassen. Spätestens dann werden festverzinsliche Anleihen wieder attraktiver werden und das Gold, das bekanntlich keine Zinsen bringt, schnell aus dem Feld schlagen.

Vermutlich haben beide Seiten in gewisser Weise recht. Die Kurse im Winter waren nicht nur tief, sondern viel zu tief. Deshalb konnte es im ersten Halbjahr überhaupt zu dieser eindrucksvollen Rallye kommen. Aber auch die schönsten Börsenträume wachsen nicht endlos in den Himmel. Deshalb ist eine Seitwärtsphase oder Korrektur nicht nur unausweichlich, sondern wünschenswert.

Zurück auf null?

Entscheidend wird nicht sein, wann die Korrektur kommt und wie viel Zeit sie in Anspruch nehmen wird. Viel wichtiger wird sein, wie viel vom bisherigen Anstieg sie zurücknehmen wird.

Der absolute Supergau für die Goldbugs wäre ein erneutes Zurückfallen auf die Preistiefs des letzten Winters. Es würde die gesamte Rallye als einen technischen Betriebsunfall erscheinen und eine Wiederaufnahme des Abwärtstrends möglich werden lassen. Ausschließen kann man ein solches Szenario zwar nicht, aber seine Wahrscheinlichkeit ist derzeit nicht allzu hoch anzusetzen.

Realistischer sind Preisrückgänge von 100 bis 150 US Dollar je Feinunze. Ausgehend vom Jahreshoch bei rund 1.300 US Dollar je Unze, würde sich der Goldpreis in diesem Szenario auf 1.200 US Dollar ermäßigen und im schlimmsten Fall sogar kurzzeitig bis auf 1.150 Dollar zurückfallen.

Von Dauer sollten diese Preistäler nur dann sein, wenn die Kaufneigung der Käufer plötzlich wieder nachlässt und/oder in eine Verkaufsneigung umschlägt. Danach sieht es momentan nicht aus. Wichtiger als die viel beachteten ETFs mit physischer Hinterlegung sind die Käufe der Notenbanken. Sie liegen momentan auf einem extrem hohen Niveau.

Die Käufe der Notenbanken stabilisieren den Markt

Notenbanken sind anders als die Privatanleger und die institutionellen Investoren keine Trader. Sie kaufen Gold nicht, um es nach kurzer Zeit mit Gewinn wieder zu verkaufen. Wenn die Notenbanken Gold kaufen, dann tun sie es, um es anschließend dauerhaft zu besitzen.

Ein Nachlassen der Notenbankkäufe ist vor diesem Hintergrund durchaus vorstellbar, ein massiver Verkaufsdruck eher nicht. Beides spricht nicht dafür, dass der Goldpreis kurzfristig seinen Abwärtstrend aus den Jahren 2012 bis 2015 wieder aufnimmt und ins Bodenlose zurückfällt.

Auch die Stimmung ist noch kein Grund zur Sorge. Euphorisch sind vielleicht die überzeugten Goldbugs, denen nach Jahren der Anspannung durch die Anstiege der letzten Monate die sprichwörtlichen Steine vom Herzen gefallen sind. Doch die Masse der Anleger hat sich beim Gold noch nicht in einen Kaufrausch hineingesteigert.

Das lässt eine Korrektur, aber keine dauerhafte Topbildung erwarten. Für Anleger, die noch nicht in den Edelmetallen investiert sind oder ihren Gold- und Silberbestand noch ausbauen möchten, dürften Korrekturtage sehr gelegen kommen, bieten sie doch eine hervorragende Chance darauf, vielleicht letztmalig vorhandene Euros und Dollars in mehr Gold oder Silber tauschen zu können.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Handelstag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim


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To big to fail

Wenn die Nacht am schwärzesten ist, ist der Morgen schon wieder nah. Schlägt man das durchaus plakativ klingende Buch Kasino-Kapitalismus von Hans-Werner Sinn auf, wird man mit diesem Sprichwort begrüßt. Wenn der Morgen allerdings nah ist, dann impliziert dies, dass auch die nächste Nacht nicht fern ist. Und so bekommt dieses Sprichwort, welches von Herrn Sinn vermutlich als ein Lichtblick nach der schweren Zeit gedacht war, einen durchaus faden Beigeschmack.

Nach der Krise kommt der Aufschwung, welcher wiederum eine Krise nach sich ziehen wird. Die Ausprägung und die Dauer der Krise sowie des Aufschwungs mögen sich unterscheiden. Von der Weltwirtschaftskrise 1929 über die Weltschuldenkrise in den Achtzigern, die Rettung der amerikanischen Sparkassen in den Neunzigern, die Asienkrise oder die lateinamerikanische Krise von 1998 bis 2004 zeigt die Fülle der Krisen allerdings deutlich, dass immer eine neue Krise folgen wird.

Im Jahre 2007 wurde dies durch die Subprime Krise und deren Auswirkungen noch einmal eindrucksvoll unterstrichen. Eine Frage aber drängt sich nach der nüchternen Betrachtung der historischen Ereignisse jedem auf, egal ob Wirtschaftsweisen oder Studenten im ersten Semester. Warum hat man aus den Krisen und deren Folgen nicht gelernt, um zukünftigen Krisen mit den entsprechenden Maßnahmen begegnen zu können? Besser noch, sie präventiv zu verhindern?

Vielmehr sah man jahrelang tatenlos zu und verschloss die Augen vor Problemen, welche sich auf der gesamten Welt schleichend aber sicher aufbauten. Während der letzten, teilweise noch andauernden Krise, endeten diese Probleme häufig in Diskussionen um systemrelevante Banken und systemische Risiken. Allein im Jahre 2008 mussten 52 amerikanische Finanzinstitute der Realität ins Auge blicken.

Wer nicht Konkurs anmeldete, begab sich wie sämtliche isländische Banken unter die rettende Hand des Staates. Wieso aber werden manche Institute durch den Staat vor der Pleite bewahrt und andere nicht? Das Zauberwort für einen Teil der Banken heißt heute Too Big to Fail (TBTF).

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Die sogenannte Finanzkrise – Systemversagen oder global organisierte Kriminalität?

Die sog. Finanz- oder Bankenkrise, die weltweit zu einer Kapitalvernichtung von Billionen Dollar und in Deutschland zum Beinahe-Zusammenbruch des gesamten Bankensystems geführt hat, war keine unvermeidbare Naturkatastrophe, sondern Menschenwerk, nämlich das voraussehbare Ergebnis gigantischer Finanztransaktionen mit auf minderwertige amerikanische Hypotheken unterlegten Wertpapieren.

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About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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