Die Fehler der Vergangenheit holen die FED langsam ein

Es darf wieder gezittert werden. Tut sie es oder tut sie es nicht? Mit Fragen wie diesen im Hinterkopf werden viele Anleger heute Abend mit einem nervösen Unbehagen auf die Zinsentscheidung der amerikanischen Notenbank schauen.

Nicht nur für die Aktien- und Rentenmärkte geht es um viel, für viele Unternehmen stellt sich die Situation kaum anders dar. Auch sie haben Grund, vor der heutigen Entscheidung zu zittern, denn ihre Schulden sind in den vergangenen Jahren massiv gewachsen.

Die FED hat als Reaktion auf die Finanzkrise den Unternehmen billiges Geld angeboten und sie haben es dankbar angenommen. Weder die Maßnahme selbst noch ihre Annahme durch die US-Wirtschaft waren das Problem.

Es ist üblich, dass in einer Krise die liquiden Mittel zurückgehen. Die Margen und mit ihnen die Einnahmen sinken, während die Ausgaben zunächst nicht im gleichen Tempo zurückgefahren werden können. Ein Rückgriff auf vorhandene Geldreserven ist in diesen Situationen fast zwangsläufig.

Hohe Schulden, geringe Reserven

Im nachfolgenden Aufschwung steigen die Magen wieder und dank der vergrößerten Einnahmen sind die Unternehmen in der Lage wieder Kapital zu sammeln und ihre Reserven auszubauen. So weit die schöne Theorie, von der die momentane Wirklichkeit jedoch deutlich abweicht.

Wir stehen nicht am Beginn, sondern auf dem Zenit oder sogar am Ende eines langen Aufschwungs. Zu erwarten ist vor diesem Hintergrund eher eine Reihe von mageren Jahren. Die Höhe der vorhandenen Liquiditätsreserven ist deshalb entscheidend.

Zwar sind in den vergangenen Jahren die Liquiditätsreserven gewachsen, doch sie stiegen nicht annähernd so stark wie die gleichzeitig von den Unternehmen und den privaten Haushalten aufgenommenen Schulden.

An dieser Stelle ergibt sich nicht nur für die verschuldeten Firmen selbst ein Problem. Auch die US-Notenbank muss dieser Entwicklung Rechnung tragen. Es kann ihr in diesem Zusammenhang nicht gefallen, dass jedem Dollar Schulden durchschnittlich nur 15 Cent an liquiden Mitteln gegenüberstehen.

Höhere Zinsen wirken wie Brandbeschleuniger

Die Staaten verschulden sich derzeit zu recht günstigen Konditionen, die Unternehmen auch. Dennoch zahlen Letztere deutlich höhere Zinsen als die öffentlichen Schuldner. Im Abschwung bleiben die Schulden konstant hoch oder werden sogar noch höher, weil kurzfristige Engpässe mit weiteren Krediten überbrückt werden müssen.

Eine Zinserhöhung durch die US-Notenbank trifft die Unternehmen daher doppelt. Sie wirkt konjunkturell wie eine Wachstumsbremse. Außerdem verteuert sie sofort die Refinanzierung der fällig werdenden Kredite.

Geht man nun davon aus, dass es den Unternehmen in einem Abschwung schwerer fallen wird, aufgenommene Kredite zurückzuzahlen, weil die finanziellen Mittel dazu nicht vorhanden sind, so bleibt als Ausweg nur die Umschuldung, welche zwangsläufig mit höheren Zinslasten einhergehen wird.

Kann die US-Notenbank eine derartige Entwicklung wirklich wollen? Eigentlich nicht, denn ihre Aufgabe ist es, auch für Wirtschaftswachstum zu sorgen und nicht allein die Inflation im Blick zu haben.

Gefangen in den Fehlern der Vergangenheit

Aber kann sie der Entwicklung auch weiterhin tatenlos zusehen, indem sie die Zinsen nicht anhebt? Eigentlich auch nicht, womit deutlich wird, dass sich die US-Notenbank in einer klassischen Zwickmühle befindet. Egal, wie sie sich entscheidet, sie provoziert mit ihrer Entscheidung Folgen, die sie nicht wollen kann.

Mit ihrer zögerlichen Haltung zu Zinserhöhungen in den vergangenen Jahren hat die FED maßgeblich dazu beigetragen, dass von den Unternehmen dieser gefährliche Schuldenberg überhaupt angehäuft werden konnte.

Nun steht er im Raum und kann nicht ungeschehen gemacht werden. Trotzdem muss die FED reagieren. Sie muss mit ihren Maßnahmen dafür sorgen, dass Wirtschaft und Private wieder von ihren hohen Schulden herunterkommen und sie muss gleichzeitig dafür Sorge tragen, dass der Bogen nicht überspannt wird und die US-Konjunktur wieder in eine schwere Rezession abgleitet.

Ob dieser Spagat gelingen wird, ist entscheidend für die weitere Entwicklung nicht nur in den USA. Auch der Rest der Welt ist betroffen, denn auch dort haben die viel zu niedrigen Zinsen mit der Zeit zu viel zu hohen Schuldenbergen geführt.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Handelstag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim


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Einen Namen in Fachkreisen machte er sich zudem mit zahlreichen Publikationen über die Kunst der Geldanlage. Trotz seiner wichtigen Pioniertaten geriet Hermann Zickert zunehmend in Vergessenheit. Zu Unrecht.

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About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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