Der Widerstand gegen den Euro wird stärker

Der Euro wurde geschaffen, um Europa zu einen. Er ist eine Währung, die in erster Linie politischen Motiven folgt und den wirtschaftlichen Fragen eine nachgeordnete Rolle zuweist. Der Primat der Politik war zunächst ein Pluspunkt, denn er gewährte schwächeren Ländern wie Spanien, Italien, Griechenland und Irland Vorteile. Sie profitierten von den niedrigen Zinssätzen der starken Länder.

Erkauft wurden die Vorteile mit dem Nachteil, dass die Währung in einer Krise nicht mehr abgewertet werden kann. In der Zeit vor der Einführung der europäischen Gemeinschaftswährung spielten alle heutigen Problemstaaten sehr gut auf diesem Klavier. Italien beispielsweise wertete seine Lira im Vergleich zur D-Mark zwischen 1971 und dem Eurostart um mehr als 80 Prozent ab.

Eine Abwertung erhöht die Inflation, denn die Importe aus dem Ausland werden teurer. Aber sie erspart harte Anpassungsprozesse und ersetzt sie durch einen zwar ärgerlichen, aber bei weitem nicht so schmerzhaften Kaufkraftverlust. Krisen konnten auf diese Art zwar nicht völlig ausgeschlossen, wohl aber deutlich abgemildert werden.

Mit der gemeinsamen Währung entfällt diese Möglichkeit. Um die eigene Wirtschaft zu beleben, bleiben im Grunde nur zwei Möglichkeiten. Staatliche Konjunkturprogramme sind eine. Sie werden zumeist nicht über Steuern finanziert, die in einer Krise naturgemäß niedriger ausfallen, sondern über die Aufnahme von frischem Kapital an den internationalen Kreditmärkten.

Wasch mich, aber mach mich nicht nass!

Die zweite Möglichkeit ist wesentlich schmerzhafter und anstrengender. Sie besteht darin, die eigene Produktivität fortlaufend zu steigern. Nur so ist es möglich auf den Weltmärkten zu bestehen. Der Euro-Raum bringt diese Notwendigkeit mit einer Deutlichkeit zu Ausdruck, die vielen zuvor nicht klar gewesen ist. Man sah die Vorteile der gemeinsamen Währung, nicht jedoch ihre Nachteile.

Innerhalb der Euro-Zone zu bestehen heißt, sich ständig weiterzuentwickeln und wenn nötig harte, tiefgreifende Reformen einzuleiten. Die Bereitschaft dazu ist überall auf der Welt eher gering ausgeprägt. Was die einzelnen Länder stark von einander unterscheidet ist die Fähigkeit, den eigenen Widerwillen zu überwinden und sich dennoch diesem schmerzhaften Anpassungsprozess auszusetzen.

Sie ist in Europa höchst unterschiedlich ausgeprägt. Momentan ringen insbesondere Finnland, Frankreich, Italien und Spanien erbittert um diese Frage. Griechenland kann gar nicht anders als sich dem Druck der Kreditgeber zu beugen. Es tut sich aber schwer, die externen Vorgaben umzusetzen.

Nicht nur in den Problemstaaten selbst, auch in den wirtschaftlich führenden Staaten der Euro-Zone wächst der politische Widerstand und er manifestiert sich als Kampf gegen die gemeinsame Währung. Die Finnen schauen neidisch auf die Schweden, die mit ihrer Krone nicht in das enge Euro-Korsett eingebunden sind und heute eine Wirtschaftsleistung vorzuweisen haben, die wieder zehn Prozent über den Werten vor der Finanzkrise liegt.

Raus aus dem Euro als Alternative?

Von derartigen Zahlen können die Finnen nur träumen. Ihre Wirtschaft leidet unter der Schwäche Nokias und den Sanktionen im Handel mit dem wichtigen Partner Russland. Man kann es den Finnen nicht verdenken, dass viele der Ansicht sind, ohne den Euro würde es ihnen und ihrem Land besser ergehen.

Ob dem wirklich so wäre, muss aber bezweifelt werden, denn Nokias Schwäche ist nicht dem starken Euro geschuldet, sondern den Fehlern in der eigenen Produktpolitik. Auch mit einer nationalen Währung wäre Finnland heute gezwungen, seinen Handel mit Russland einzuschränken.

In Frankreich, Spanien und Italien wächst ebenfalls der Wunsch, den Euro, den man immer mehr als eine Fessel empfindet, wieder loszuwerden. Der Vorteil der niedrigen Zinsen ist weg, denn alle drei Länder haben in den vergangenen Jahren das wichtige Trippel A-Rating verloren. Sie zahlen also deutlich mehr Geld für ihre Kredite als die Musterschüler Deutschland, Luxemburg und die Niederlande, die innerhalb der Euro-Zone allein noch über das begehrte Ranking verfügen.

In Europa kommen ansonsten nur noch Großbritannien, Norwegen, Schweden und die Schweiz auf die Bestnote der Ratingagenturen. Am europäischen Binnenmarkt nehmen sie teil, dem Euro haben sie sich jedoch bei der Einführung verweigert. Liegt der Schlüssel zur Lösung des Problems also in der Abkehr vom Euro?

Die vermeintlich einfache Lösung

Nicht unbedingt, obwohl es vielen derzeit so scheinen will. Gerade die Parteien vom rechten und linken Rand des politischen Spektrums machen Stimmung gegen die gemeinsame Währung. Ihre Botschaft, ohne den Euro wäre alles viel, viel besser, klingt wie ein süßes Versprechen, ist aber nur die halbe Wahrheit.

Eine Abwertung der eigenen Währung wäre leichter möglich, das ist wahr. Doch der wirkliche Schlüssel zur Lösung des Problems liegt in der eigenen Produktivität. Wird die nicht erhöht und an das Weltmarktniveau angepasst, wird die Krise nie enden und die eigene Landeswährung immer wieder abgewertet werden müssen, um nicht vollkommen den Anschluss zu verlieren.

Ob Politiker und Wähler so viel Weitsicht aufbringen werden, ist zweifelhaft und muss abgewartet werden. Wir dürfen jedoch damit rechnen, dass die Stimmen gegen den Euro immer stärker werden, je länger die Krise anhält und je stärker der Reformdruck wird.

Der Euro wird Schwierigkeiten haben diesem Druck zu widerstehen. Ein Scheitern der Gemeinschaftswährung ist damit nicht mehr auszuschließen. Fatal wäre, wenn neben dem Euro bei all dem Gezanke um Zinsen und wirtschaftliche Vorteile auch der genuine europäische Gedanke mit auf der Strecke bleiben würde.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Handelstag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim


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Panikherz

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About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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