Hyperinflation: Wenn man Geld wiegen kann

Selbst Millionär zu werden, das ist der Traum von Millionen. Nicht umsonst sitzen sie Woche für Woche vor dem Fernseher und hoffen, dass genau die Kugeln aus der Lostrommel gezogen werden, die sie in den Tagen zuvor getippt haben. Der Traum ist so alt wie die Menschheit. Wirklichkeit wird er nur für die Wenigsten.

Ich selbst hab es „geschafft“. Ich bin 500 Millionen schwer. Allerdings nicht US Dollar oder Euro, sondern Reichsmark. 500 Millionen Reichsmark das ist kein riesiger Berg an Geld, sondern ein einzelner Schein. Völlig unbenutzt steht er bei mir im Regal, lose und ohne jeden Rahmen gegen die Buchrücken gelehnt.

Ein Portemonnaie hat dieser Schein vermutlich nie von innen gesehen. Eine Ecke ist leicht geknickt, aber ansonsten wirkt die Banknote, als käme sie gerade frisch aus der Druckerei. Wenn mal ein stärkerer Windzug durchs Zimmer geht, macht sich der Schein gerne selbständig und rieselt zu Boden. Er fällt dann oft auf die Vorderseite und die vollkommen unbedruckte Rückseite wird sichtbar.

Die Rückseite auch noch zu bedrucken hätte mehr gekostet als der Schein damals wert war. Also verzichtete man darauf die Rückseite zu bedrucken. Man hätte sich im Grunde auch den ganzen Druck sparen können, denn wirklich gebraucht wurden diese 500 Millionen Reichsmark nicht. Wäre es anders gewesen, sähe die Banknote heute ähnlich zerknittert und gebraucht aus wie ein gewöhnlicher 10- oder 20-Euro-Schein aus unseren Portemonnaies.

Zwei Kilogramm Geld

Vor hundert Jahren tobte der Erste Weltkrieg. Die Hyperinflation der Jahre 1923/24 war eine seiner unmittelbaren Konsequenzen. Wer heute lebt, ist viel zu jung, um diese schwere Zeit bewusst miterlebt zu haben. Die Älteren können sich noch an die Not der späten 1940er Jahre erinnern. Damals war die Reichsmark wieder nichts wert und wer etwas zu tauschen hatte verkaufte es gegen Zigaretten oder andere Ersatzwährungen. An diese Zeit vor der Einführung der D-Mark gibt es noch eine natürliche Erinnerung. Aber das Wissen um die Not der Weimarer Hyperinflation speist sich heute bei uns in Deutschland nur noch aus den Geschichtsbüchern.

Dabei ist das Thema aktueller denn je. Wer Anschauungsunterricht nehmen will, der bucht am besten einen der wenigen Flüge nach Caracas, die heute noch angeboten werden. In Venezuela tut man heute das, was in Köln, Hamburg, München und Breslau auf dem Höhepunkt der Weimarer Geldkrise auch getan wurde: Man wiegt das Geld.

Zwei Kilogramm haben den Gegenwert von 200 US Dollar, las ich kürzlich und ich bin unwillkürlich versucht, in den Satz ein ’noch‘ einbauen zu wollen, denn wer weiß schon, wie lange man in dem südamerikanischen Problemstaat für zwei Kilogramm Bolivar noch 200 US Dollar eintauschen kann.

Wer in Venezuela zwei oder mehr Kilogramm Geld sein eigen nennt, der ist momentan gut beraten, dieses Geld so schnell wie möglich auszugeben. Zu drohend ist der sich abzeichnende Wertverlust, zu groß die Gefahr, im nächsten Monat nur noch 180 oder gar 150 Dollar zu erlösen. Und ob man in einem Jahr noch 100 Dollar als Gegenwert erhalten wird, das wissen die Götter.

Die Erfahrung lehrt: Papiergeld ist kein guter Wertspeicher

Das Problem ist, es gibt nicht mehr viel zu kaufen. Waren aus dem Ausland kommen immer weniger ins Land und bleibende Werte, in die man sein Geld tauschen könnte, werden auch immer weniger angeboten. Warum auch? Wer über diese Werte verfügt und als Alternative nur Papiergeld erhält, das permanent abgewertet wird, der wird sich hüten, diese Werte leichtfertig aus der Hand zu geben.

Wenn sie überhaupt noch abgegeben werden, dann nur weil die Not extrem groß ist und das eigene physische Überleben in Gefahr ist. Es würde mich vor diesem traurigen Hintergrund nicht wundern, wenn sich in Venezuela heute viele Menschen fragen, warum sie ihr Geld nicht in werthaltige Dinge getauscht haben, solange man für das Geld noch etwas kaufen konnte.

Es gab sicher eine Zeit, da hatten die zwei Kilogramm Geld, die heute 200 US Dollar bringen, noch einen Wert von 400 Dollar. Vor langer, langer Zeit mögen es sogar 600, 800 oder tausend Dollar gewesen sein. Heute ist es zum Tausch faktisch zu spät, weil jeder längst aufgewacht ist und alle die Notwendigkeit zum Tausch verspüren.

Wer jetzt erst tätig werden will, ist zu spät dran und wird wieder einmal vom Leben bestraft. Helfen werden wohl möglich nur noch ein Regierungswechsel und eine Währungsreform. Man kann den Menschen in Venezuela nur wünschen, dass beides nicht mehr allzu lange auf sich warten lässt. Aber für den Einzelnen ist der Zug zum Schutz des privaten Vermögens längst abgefahren.

Reagieren solange noch Zeit ist

Venezuela ist uns näher als es im ersten Augenblick scheinen mag. Nicht nur dort standen soziale Experimente am Beginn des Unheils. In Weimar war es ähnlich: Die Reichsregierung unterstützte nach dem Einmarsch der französischen und belgischen Truppen ins Rheinland den passiven Widerstand der Arbeiter im Ruhrgebiet mit Geld aus dem Nichts. Das Geld, das man ihnen zukommen ließ, wurde nur gedruckt. Es wurde nicht durch Gewinne und Steuern irgendwo im Reich zuvor erwirtschaftet.

Die westliche Welt leistet sich heute einen ähnlichen Luxus. Die Staaten versprechen ihren Bürgern Sozialleistungen, die auf Dauer nicht zu finanzieren sind. Unsere Politiker wissen längst um das Problem. Sie wissen aber auch, dass sie abgewählt und ihre Mandate und Posten verlieren werden, wenn sie dem Bürger reinen Wein einschenken und ein politisches Umdenken anstoßen. Also geschieht nichts und der Wagen steuert mit Vollgas auf den Straßengraben zu.

Wir sind nicht besser oder klüger als die Menschen in Venezuela, deren sozialistisches Gesellschaftsexperiment gerade sein Scheitern offenbart. Bei uns wird das Geld noch nicht gewogen, aber der Tag, an dem das geschehen wird, rückt näher. Venezuela ist uns auf diesem Leidensweg ein gutes Stück voraus, das ist wahr. Aber es sollte niemand so vermessen sein zu glauben, wir wären grundsätzlich auf einer anderen Straße unterwegs.

Lieber einige Gramm Gold als viele Kilogramm wertloses Papiergeld

Wiegen Sie deshalb Ihr Geld und tauschen Sie es beizeiten in etwas Beständiges um. Etwas, das auch dann noch seinen genuinen Wert behält, wenn alle in Landeswährung gerechnet längst zu Millionären und Milliardären geworden sind.

Mir sind im Zweifelsfall 200 Gramm Gold oder zwei Kilogramm Silber lieber als acht Kilo Geld, das in Form von einseitig bedruckten Scheinen daherkommt.

Heute erhält man für vergleichsweise wenig Geld noch viel Gold. Warten Sie mit dem Tausch deshalb nicht bis der Tag kommt, an dem man für viel Geld ausgesprochen wenig Gold wird kaufen können.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Handelstag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim


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Auch nach der Finanz- und Immobilienkrise scheint es kaum mehr sichere Häfen für das gesparte Geld zu geben. Viele Deutsche nehmen Zuflucht in Wohnimmobilien, Lebensversicherungen und Bankguthaben. Doch die demografische Entwicklung stellt genau diese Anlagen als sichere Häfen infrage. Es sei denn, Sie verstehen und berücksichtigen den Zusammenhang zwischen Bevölkerungs- und Wirtschaftsentwicklung.

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Wie schaffe ich es, im richtigen Moment Nein zu sagen? Warum benötige ich für ein Vorhaben immer mehr Zeit, als ich anfangs geschätzt habe? Macht das Sehen von Gewalt gewalttätig? Sind Kinderkrippen schädlich? Kann ich mich bei Kaufentscheidungen auf mein Gefühl verlassen? Kommt mit dem Alter auch die Weisheit?

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Kaputtalismus

Nicht erst seit dem griechischen Schuldenskandal stellen sich Ökonomen weltweit die Frage: Wie konnte der westliche Kapitalismus in eine so schwere Krise geraten? Die gegenwärtige Lage ist durch drei wesentliche Faktoren gekennzeichnet: Explodierende Verschuldung, niedrige Wachstumsraten und gravierender Anstieg von Ungleichheit. Ist die kapitalistische Weltordnung am Ende? Welche Alternativen gibt es? Robert Misik gibt erhellende Antworten auf diese Fragen.

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Perfekte Krisenvorsorge

Wir leben in einer Zeit der großen Krisen. Die Weltwirtschaft schwächelt, das Vertrauen in die Finanzwelt ist erschüttert, die Ersparnisse sind nicht mehr sicher, der Arbeitsmarkt verschlechtert sich zusehends. Trotzdem verlassen sich die meisten von uns arglos auf andere. Doch Vorsicht: Wer sich nur auf andere verlässt, ist im Krisenfall selbst verlassen.

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Die Target Falle

Im Januar 2002 wurden die neuen Euroscheine mit großen Hoffnungen verteilt – heute, nur zehn Jahre später, steckt das Europrojekt in einer tiefen Krise: Was als europäisches Friedensprojekt begann, hat zu Streit und Unwillen geführt, der nur durch den tiefen Griff in das Sparkonto der Deutschen im Zaum gehalten wird.

Manche Euroländer haben über ihre Verhältnisse gelebt, hohe Außenschulden aufgebaut und stehen heute am Rand der Staatspleite. Doch ihre Notenbanken bedienen sich einfach der Notenpresse, um die Finanzprobleme der Wirtschaft zu lösen. Mit Billigung der EZB ziehen sie die Ersparnisse der solideren Länder aus dem Kassenautomaten, den sie mit dem Beitritt zum Euro bei sich aufstellen durften. Um sie davon abzuhalten, bleibt nichts anderes übrig, als ihnen nun auch noch Geld über die offiziellen Rettungsschirme zuzuleiten. Nicht nur Deutschland sitzt in der Falle.

Wenn das Europrojekt eine Zukunft haben soll, müssen wieder härtere Budgetbeschränkungen eingeführt werden, und den Ländern, die damit nicht zurechtkommen, muss die Möglichkeit gewährt werden, ihre Wettbewerbsfähigkeit durch einen temporären Austritt wiederherzustellen.

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In Bärenmärkten fallen die Kurse an den Märkten dramatisch. Vier solcher Bärenmärkte gab es an den US-Börsen bereits, und zwar 1921,1932,1949 und 1982. Doch wann ist der Einstieg in einen Markt attraktiver als zum Ende eines Bärenmarktes?

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About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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