Gefahrenquelle Anleihemarkt

Bernd Heim
By Bernd Heim / 22. September 2016

Gemein hin gilt: Wer spekulieren will, kauft Aktien, doch wer ruhig schlafen will, der legt sich Anleihen in sein Depot. Am besten Staatsanleihen, weil diese besonders sicher sind und angeblich nicht ausfallen können, da der Staat prinzipiell immer auf Steuereinnahmen zurückgreifen kann und damit grundsätzlich in der Lage sein sollte, seine Verbindlichkeiten zu bedienen.

Es wäre vermessen zu behaupten, die Aktienbesitzer hätten in diesem Jahr immer gut und ruhig geschlafen. Schließlich hatten sie in 2016 schon einige externe Schocks wie beispielsweise den Brexit zu verkraften. Es ging zwar immer wieder mal steil aufwärts. Weil es zuvor in der Regel aber auch stark abwärtsgegangen war, bleibt unter dem Strich für den deutschen Markt nur eine schwache Performance.

Ganz anders ist die Situation bei den Anleihen. Hier stiegen die Kurse auf breiter Front und sie stiegen nicht nur ein bisschen. Parallel zu den steigenden Kursen wächst nun auch die Zahl der warnenden Stimmen. Immer mehr Fondsmanager und Analysten sehen die Entwicklung mit Sorge.

Das vielerorts zu verspürende Unbehagen ist berechtigt, denn egal, um was für eine Anlageform es sich handelt, immer wenn die Kurse innerhalb kurzer Zeit um etliche Prozent steigen, ist Gefahr im Verzug. Schnell droht die fundamentale Bodenhaftung verloren zu gehen und in schwindelerregende Höhen gestiegene Kurse waren zu allen Zeiten stark absturzgefährdet.

Kaufpanik an den Bondmärkten

Der Anlagenotstand treibt die Kurse. Amerikanische, japanische und britische Staatsanleihen zählten mit Kurszuwächsen zwischen 10 und 55 Prozent zu den besten Investments des Jahres. So erfreulich die Kursgewinne für die betroffenen Anleger waren, so unruhig müssen diese nun werden, denn man muss kein großer Prophet oder Finanzmarktkenner sein, um zu spüren, dass eine derartige Entwicklung nicht ewig anhalten kann.

Im Prinzip ist sich die Masse der Investoren längst darüber einig, dass wir bei den Anleihen eine Blase sehen. Der frühere Chef der US-Notenbank, Alan Greenspan, war einmal der Meinung, dass Blasen als Blasen erst dann zu erkennen seien, wenn sie bereits geplatzt sind. Dieser Ansicht bin ich persönlich nicht, doch ich gebe zu, dass Blasen für einen Anleger schwer zu managen sind.

Die erste Schwierigkeit besteht darin, exakt vorherzusagen, wie lange die Blase sich aufschaukeln kann. Hier kennt die Geschichte viele Beispiele, die belegen, dass als zu hoch empfundene Kurse längst noch nicht das Ende der Fahnenstange bedeuten müssen. Weder preislich noch zeitlich lässt sich daher abschätzen, wann eine Blase platzen wird.

Da das Platzen aber immer nur eine Frage der Zeit ist, besteht die zweite große Herausforderung darin, zu antizipieren, was geschieht, wenn die Anleger aufwachen und sich fluchtartig aus ihren Investments verabschieden. Letzteres ist für die aktuelle Blase am Anleihenmarkt von besonderer Bedeutung, denn sie entstand nicht primär aufgrund einer blinden Spekulationswut der Anleger, sondern durch die jahrelange Ausweitung der Geldmenge durch die Notenbanken.

Was geschieht, wenn Notenbanken ihre QE-Programme beenden?

Wenn die Notenbanken so klar als die Urheber und Initiatoren der Blasenbildung erkannt werden können, wie es aktuell am Anleihemarkt der Fall ist, dann ist die Frage nach dem zeitlichen Ende der Blase schon so gut wie beantwortet. Sie endet in dem Moment, in dem die Zentralbanken ihre Politik des leichten Geldes und der niedrigen bzw. negativen Zinsen beenden.

Nicht geklärt ist allerdings, wie die Blase endet. Platzt sie mit einem lauten Knall oder kann die aufgestaute Luft langsam und kontrolliert wieder entweichen? Im ersten Fall sollte es zunächst am Bondmarkt und kurz darauf auch an den Devisen-, Rohstoff- und Aktienmärkten ruppig zugehen. Wir dürfen in diesem Zusammenhang nicht vergessen, dass die Bondmärkte mehr als doppelt so groß sind wie die Aktienmärkte. Probleme hier sind also nicht kleine, zu vernachlässigende Probleme einer Nische, sondern schlagen sofort auf alle anderen Anlageklassen durch.

Betroffen sind in diesem Fall nicht nur private Kapitalanleger und der Bankensektor. Auch Versicherungen und Pensionsfonds dürften schnell in Schieflage geraten und Unternehmen, die einen Teil ihrer Rücklagen am Anleihemarkt geparkt haben, müssten ebenfalls hohe Wertberichtigungen vornehmen. Viele Unternehmen und auch etliche Private dürften kurzfristig in große Schwierigkeiten geraten und eine Welle von Insolvenzen nach sich ziehen aus der sich mittelfristig weitere Pleiten ergeben werden.

Die langfristigen Folgen für den privaten Konsum und die Entwicklung neuer Produkte wären dramatisch. Die Wirtschaft würde eine Vollbremsung vollführen und in eine tiefe Rezession abgleiten. Gleichzeitig wären die Handlungsalternativen der Staaten sehr begrenzt, weil sie einerseits bereits stark verschuldet sind und andererseits die Zinsen stark steigen würden, was weitere kreditfinanzierte Konjunkturprogramme verteuern würde.

Die Angst der Anleger vor dem großen Knall

Nichts fürchten die Anleger derzeit mehr als ein Szenario wie das zuvor skizzierte. Auch die Notenbanken wissen um diese Furcht und ihre Berechtigung. Deshalb liegt der Fokus derzeit klar auf der Frage, wie sich die Zentralbanken aus der Politik des leichten Geldes verabschieden können, ohne an den Finanzmärkten ein weltweites Beben auszulösen.

Dass die US-Notenbank allen gegenteiligen Ankündigungen zum Trotz die Zinsen bislang noch nicht weiter erhöht hat, zeigt, wie heikel die Situation ist und wie schwer sich die Notenbanken damit tun, die Zinsen wieder auf ein normales Niveau ansteigen zu lassen. Selbst kleinste Schritte könnten ein Schritt zu viel sein.

Wenn aber selbst kleinste Schritte als zu gefährlich erscheinen, ist zu befürchten, dass die gesamte Entwicklung deutlich mehr Zeit in Anspruch nehmen wird, als bislang kalkuliert. Fraglich ist dabei, ob die Welt diese Geduld aufbringen wird, denn gerade die Investoren an den Kapitalmärkten sind als notorisch ungeduldig bekannt.

Damit ist die angespannte Ausgangslage für die kommenden Jahre benannt. Auf der einen Seite stehen hypernervöse und leicht zu verschreckende Anleger und auf der anderen die Notenbanken, die zu einem langsamen, wenn nicht gar zögerlichen Agieren geradezu gezwungen sind.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Handelstag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim


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Die Erfolgsgeheimnisse der Börsenmillionäre

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Michael Nast steht schon jetzt für ein Lebensgefühl. Der gebürtige Berliner berührt und bewegt mit seinen Kolumnen im Internet bereits Millionen von Lesern. Seine Texte werden geteilt und geliked, seine Lesungen sind regelmäßig ausverkauft. In seinem neuen Buch „Generation Beziehungsunfähig“ bringt Nast die Dinge auf den Punkt und beschreibt unvergleichlich charmant die Stimmung seiner Generation: Weshalb wir uns gegenseitig als beziehungsunfähig bezeichnen, wie tinder unsere Partnersuche verändert und warum wir uns immer wieder selbst in den Mittelpunkt stellen, ohne Rücksicht auf Verluste. „Generation Beziehungsunfähig“ hält uns einen Spiegel vor. Ganz ohne Bewertung ermutigt das Buch uns chronische Selbstoptimierer und Perfektionisten dazu, unseren eigenen Lebensentwurf zu hinterfragen. Ein augenöffnendes wie anregendes Buch, das sich liest wie ein Gespräch mit dem besten Freund.

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Die 111 wichtigsten Fragen der Vermögensanlage

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Panikherz

Benjamin von Stuckrad-Barre erzählt eine Geschichte, wie man sie sich nicht ausdenken kann: Er wollte den Rockstar-Taumel und das Rockstar-Leben, bekam beides und folgerichtig auch den Rockstar-Absturz. Früher Ruhm, Realitätsverlust, Drogenabhängigkeit. Und nun eine Selbstfindung am dafür unwahrscheinlichsten Ort – im mythenumrankten „Chateau Marmont“ in Hollywood.

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About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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