Negative Zinsen: Sparstrumpf und Tresor als Lösung?

Den ersten Schritt machte die Skatbank im thüringischen Altenburg. Eine Zeit lang stand sie allein. Die anderen Banken beschränkten sich darauf, zuzuschauen und die Reaktionen der Kunden genau zu beobachten. Inzwischen ziehen sie langsam nach. Bald werden auch die Kunden der Raiffeisenbank Gmünd am Tegernsee Strafzinsen auf ihre Guthaben zahlen müssen. Weitere Institute werden folgen. Die Frage ist nicht ob, sondern nur noch wann.

Da die Banken mit dem klassischen Kreditgeschäft kein Geld mehr verdienen, müssen andere Wege her, um die Löcher in den eigenen Bilanzen zu stopfen. Zunehmend geraten dabei die Girokonten und die Überweisungen in den Blick. Viele Banken bieten sie kostenlos an. Auch hier ist die Frage, wie lange noch.

Kreativ sind die Banken auf jeden Fall. Bei der Raiffeisenbank Gmünd spricht man intern nicht von negativen Zinsen oder gar Strafzinsen, sondern einem „Verwahr-Entgelt“, das man dem Kunden in Rechnung stellt. Nun, wie man das Kind nennt, ist eigentlich egal. Was zählt, ist die gezielte Enteignung des Sparers.

Jeder Sparer ist nun aufgerufen, nach Auswegen zu suchen und je stärker der Druck durch Kontoführungsgebühren und „Verwahr-Entgelte“ wird, desto stärker und kreativer werden auch die Kunden reagieren. Dabei ist zu erwarten, dass die Reaktionen auf Kundenseite sich ähnlich entwickeln wie jene auf Bankenseite: zunächst langsam und zögerlich, dann immer zielstrebiger.

Der Wettlauf um die Ersparnisse hat begonnen

Im Grunde stehen wir am Beginn eines gesellschaftlichen Hase-und-Igel-Spiels. Da ein Leben ohne Bankdienstleistungen in unserer heutigen Welt kaum mehr vorstellbar und praktikabel ist, ist zu befürchten, dass den Kunden nur die Rolle des geprellten Hasen verbleiben wird. Was immer sie tun, welchen Ausweg sie auch immer beschreiten, die Enteignungsmafia aus Staat, Notenbanken und Banken ist ihnen immer den einen entscheidenden Schritt voraus.

Die Stromrechnung bar beim Versorger zu bezahlen, das mag in Ländern wie China und Bulgarien noch Standard sein. Bei uns ist es nicht die Regel und es ist auch nicht zu erwarten, dass diese Regel wiederkehrt. Im Überweisungsverkehr sind die Kunden den Bankgebühren damit mehr oder weniger hilflos ausgeliefert. Sie können die Bank wechseln, wenn ihr bisheriges Institut zu teuer wird. Aber das ist auch alles.

Wesentlich stärker agieren die Kunden auf der Kreditseite. Zinsen auf dem Sparbuch gibt es keine mehr. Aber Immobilien- oder Konsumkredite, die vorzeitig zurückgezahlt werden, bringen auf das angesparte Kapital immer noch eine positive Rendite. Hier liegt der erste Hebel für die Kunden.

Er bringt nicht nur eine positive Verzinsung und spart somit Geld, sondern vergrößert auch die eigene Freiheit. Schulden stellen immer eine Belastung dar. Sie mag für viele durchaus tragbar sein, doch eine Belastung, die nicht mehr gegeben ist, hat das eigene Leben zu jeder Zeit einfacher und lebenswerter gemacht.

Mehr Bargeld und weniger Kredite

Wer Schulden hat, sollte diese zurückführen. Am besten so schnell und umfassend wie möglich. Setzt sich dieses Verhalten im großen Stil bei den Verbrauchern durch, dürfte die Katerstimmung in der Frankfurter EZB-Zentrale in den kommenden Monaten noch um einiges größer werden.

Schon jetzt werden aus EZB-Sicht zu wenig Kredite nachgefragt. Sollte sich die ohnehin schwache Nachfrage in Zukunft weiter abschwächen, mutiert die Politik des leichten Geldes endgültig zu einem Rohrkrepierer. Statt Wirtschaft und Konsum zu fördern, würgt die verbreitete Angst auch noch die letzten Investitionspläne und Konsumwünsche ab.

So weit sind wir allerdings noch nicht. In der breiten Masse erfreuen sich die Konsumenten noch an den günstigen Zinssätzen. Nur auf der Anlageseite sind die Sparer bereits aufgewacht und steuern gegen. Viele tragen ihr Geld einfach nicht mehr zur Bank, sondern lagern es zu Hause.

Einer der Hauptprofiteure der aktuellen EZB-Geld- und Zinspolitik sind die Hersteller von Tresoren. Branchenprimus in Deutschland ist die Firma Burg-Waechter. Sie verzeichnete in der ersten Jahreshälfte einen Umsatzanstieg um 25 Prozent. Andere Hersteller wie Format Tresorbau oder Hartmann Tresore berichten ebenfalls von einer lebhaften Geschäftstätigkeit, wobei die Masse der zusätzlichen Bestellungen auf die zunehmende Nachfrage privater Haushalte zurückgeht.

Bargeldverbot mit anschließender Flucht ins Gold?

Mario Draghi und seine Kollegen im Führungskreis der Europäischen Zentralbank werden es sich nicht gerne sehen, wenn die Umsätze der Tresorhersteller ansteigen, während der Rest der Wirtschaft weiterhin schwächelt. Aus ihrer Sicht gehört das Geld weder auf die Bank noch in den Tresor, sondern muss in der Wirtschaft fluktuieren.

Wenn die Pferde allerdings an der Tränke stehen und trotz reichlichem Angebot und viel gutem Zureden nicht trinken wollen, hat die EZB auf Dauer ein Problem. Dass sie bereit sein wird, dieses notfalls auch mit Gewalt, also mit noch einschneidenderen Maßnahmen, zu lösen, ist durchaus zu erwarten. Mit Blick auf die ihre Wirkung immer stärker verfehlenden negativen Zinsen rückt ein Bargeldverbot deshalb immer näher, je mehr sich die Bürger der Euro-Zone den Segnungen der negativen Zinsen zu entziehen suchen.

Das Hase-Igel-Spiel wird in diesem Fall in die nächste Runde gehen. Geht man davon aus, dass die Sparer auch weiterhin nicht die geringste Lust verspüren, sich von der Europäischen Zentralbank lautlos enteignen zu lassen, ist mit einer weiteren Fluchtbewegung zu rechnen.

Sie wird nach einer gewissen Zeit ebenfalls recht massiv ausfallen und sie könnte ins Gold und/oder in die weißen Edelmetalle führen. Stark steigende Preise für Gold und Silber aufgrund einer extremen Nachfrage der Privatanleger wären aber der ultimative Beweis für ein verspieltes Vertrauen.

Endstation Goldverbot

Bevor Politik und Notenbanken eine derart deutliche Bankrotterklärung unterschreiben und sich ihr Versagen eingestehen, wird sicher noch einmal das Gesetz bemüht, um das Papiergeld zu retten und den Schuldenturm vor dem Einsturz zu bewahren. Der Besitz von Gold könnte dann schnell mit einem Verbot belegt werden.

Aus ehrlich verdientem Geld, das beizeiten legal in Gold getauscht wurde, würde dann ein illegaler Besitz werden und aus einem normalen Bürger ein Gesetzesbrecher. Die Gefahr ist nicht von der Hand zu weisen und sie passt auch gut in die „Neusprech“- und Umdeutungsaktivitäten unserer heutigen Zeit.

Letztlich wird auch dieser Versuch scheitern, weil Goldverbote historisch ebenso häufig unterlaufen und umgangen wurden, wie sie gekommen sind.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Handelstag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

Leave a comment: