Flächendeckende Strafzinsen als Ausweg?

Bernd Heim
By Bernd Heim / 28. September 2016

Im klassischen Kreditgeschäft verdienen die Banken nicht mehr genug. Ihre einst üppigen Margen sind zu klein geworden. Damit die Gewinne der Geldinstitute wieder sprudeln, sind zwei Auswege denkbar. Die Zinsen steigen wieder auf normale Maße an oder die Banken belegen Sparguthaben flächendeckend mit einem negativen Zinssatz.

Eine Rückkehr zu früheren Zinssätzen wäre für die Banken gewiss der einfachste Weg. Sie kennen dieses Geschäftsmodell und sie wissen, dass es funktioniert. Förderlich wäre auch eine steile Zinskurve, also ein schneller Anstieg der Kreditzinsen gepaart mit einem nur zögerlichen Anstieg der Sparzinsen. Je größer die Differenz ist und je länger die Abweichung anhält, umso mehr verdienen die Banken im klassischen Kreditgeschäft.

Diese Lösung hat nur einen entscheidenden Nachteil: Die Wirtschaft würde den Anstieg der Zinsen vermutlich nicht schadlos überstehen. Der Bankenwelt würde es zwar besser ergeben als jetzt, doch was ist damit gewonnen, wenn den steigenden Gewinnen der Banken eine hohe Zahl von Firmenpleiten und rasant steigende Arbeitslosenzahlen gegenüberstehen?

Nicht viel und so ist es momentan wohl reichlich unwahrscheinlich von einer raschen Rückkehr zur Normalität auszugehen und steigende Zinsen zu erwarten. Sie mögen eines Tages kommen, doch augenblicklich sind sie eher nicht zu erwarten. Für die Banken bedeutet dies, dass der theoretisch denkbare Ausweg bis auf Weiteres verschlossen bleibt.

Verdienen am negativen Zins?

Eine Zinsmarge ist auch im negativen Bereich zu erzielen, zumindest theoretisch. Dazu müssen die Strafzinsen höher sein als die Kreditzinsen. Verkehrter könnte unsere Welt allerdings kaum noch sein, wenn das Sparen von Geld stärker belastet wird als das Konsumieren und Investieren gefördert wird.

Gangbar ist der Weg jedoch nur dann, wenn die Banken ihre Zurückhaltung aufgeben und Sparguthaben generell mit einem negativen Zins belegen. Er müsste zudem nicht nur für reiche Kunden mit hohen Guthaben gelten, sondern für jeden und bei jedem Konto schon ab dem ersten Euro.

Die Banken dürften sich nicht leicht tun, einen solchen Schritt zu setzen, denn er enthält eine große Unbekannte: die Reaktion der Kunden. Sie könnten geneigt sein, zur Konkurrenz zu gehen, wenn sich nur einzelne Banken zur Einführung eines generellen Strafzinses entschließen, andere aber nicht.

Handelt die gesamte Branche synchron, gibt es diese Möglichkeit der Flucht nicht. Die Kunden könnten in diesem Fall aber mit einer Flucht ins Bargeld reagieren und ihre Guthaben einfach abheben. Diese Gefahr ist real, solange das Bargeld existiert. Da die Banken nicht die Macht haben, das Bargeld zu verbieten, können sie den Fluchtweg kurzfristig nicht verschließen.

Sie wären auf die Unterstützung der Politik und der Notenbanken angewiesen. Diese könnte nach einiger Zeit durchaus gewährt werden, denn schon jetzt ist deutlich, dass die Geldschwemme der EZB nicht die gewünschten Folgen nach sich zieht. Es steigen die Aktienkurse und Immobilienpreise. Aber es wird nicht genügend investiert und die Inflation verharrt auf einem zu niedrigen Niveau.

Willkommen im Geld-Gulag

Am Ende könnte eine Allianz aus Politik, Banken und Notenbanken gewillt sein, eine Lösung der Krise erzwingen zu wollen und dafür das Bargeld aufzugeben. Verbote waren in der Vergangenheit aber selten der Weg zum Glück. Sie wurden umgangen, wenn die Menschen sie als unsinnig und unangebracht empfanden.

Einem Bargeldverbot könnte es ähnlich ergeben. Schnell würden im großen Stil Bestrebungen einsetzen, das eigene Vermögen durch Käufe von unbelasteten und wertbeständigen Gütern vor den Strafzinsen zu schützen. Das würde in einem ersten Schritt weiter stark steigende Aktien- und Häuserpreise bedeuten.

Auch die Edelmetalle Gold und Silber dürften von der Entwicklung profitieren, weil ihre historische Geldfunktion immer noch tief in den Köpfen verankert ist. Sie sind auch ein relativ leicht zu gehender Fluchtweg, weil das benötigte Fachwissen auch für einen Laien leicht zu lernen ist. Aktien und Immobilien sind demgegenüber schwerer zu beherrschen, von Anlageformen wie Kunst und Diamanten ganz zu schweigen.

Vor diesem Hintergrund könnte die Einführung flächendeckender Negativzinsen durch die Banken in den kommenden Monaten das Zeichen an der Wand sein, das in der historischen Rückschau den Beginn der größeren Kaufwelle im Gold eingeleitet hat. Es gibt keine Gewähr dafür, dass es so kommt. Doch die Entwicklung sollte Sie nicht vollkommen unvorbereitet treffen.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Handelstag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim


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To big to fail

Wenn die Nacht am schwärzesten ist, ist der Morgen schon wieder nah. Schlägt man das durchaus plakativ klingende Buch Kasino-Kapitalismus von Hans-Werner Sinn auf, wird man mit diesem Sprichwort begrüßt. Wenn der Morgen allerdings nah ist, dann impliziert dies, dass auch die nächste Nacht nicht fern ist. Und so bekommt dieses Sprichwort, welches von Herrn Sinn vermutlich als ein Lichtblick nach der schweren Zeit gedacht war, einen durchaus faden Beigeschmack.

Nach der Krise kommt der Aufschwung, welcher wiederum eine Krise nach sich ziehen wird. Die Ausprägung und die Dauer der Krise sowie des Aufschwungs mögen sich unterscheiden. Von der Weltwirtschaftskrise 1929 über die Weltschuldenkrise in den Achtzigern, die Rettung der amerikanischen Sparkassen in den Neunzigern, die Asienkrise oder die lateinamerikanische Krise von 1998 bis 2004 zeigt die Fülle der Krisen allerdings deutlich, dass immer eine neue Krise folgen wird.

Im Jahre 2007 wurde dies durch die Subprime Krise und deren Auswirkungen noch einmal eindrucksvoll unterstrichen. Eine Frage aber drängt sich nach der nüchternen Betrachtung der historischen Ereignisse jedem auf, egal ob Wirtschaftsweisen oder Studenten im ersten Semester. Warum hat man aus den Krisen und deren Folgen nicht gelernt, um zukünftigen Krisen mit den entsprechenden Maßnahmen begegnen zu können? Besser noch, sie präventiv zu verhindern?

Vielmehr sah man jahrelang tatenlos zu und verschloss die Augen vor Problemen, welche sich auf der gesamten Welt schleichend aber sicher aufbauten. Während der letzten, teilweise noch andauernden Krise, endeten diese Probleme häufig in Diskussionen um systemrelevante Banken und systemische Risiken. Allein im Jahre 2008 mussten 52 amerikanische Finanzinstitute der Realität ins Auge blicken.

Wer nicht Konkurs anmeldete, begab sich wie sämtliche isländische Banken unter die rettende Hand des Staates. Wieso aber werden manche Institute durch den Staat vor der Pleite bewahrt und andere nicht? Das Zauberwort für einen Teil der Banken heißt heute Too Big to Fail (TBTF).

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Die sogenannte Finanzkrise – Systemversagen oder global organisierte Kriminalität?

Die sog. Finanz- oder Bankenkrise, die weltweit zu einer Kapitalvernichtung von Billionen Dollar und in Deutschland zum Beinahe-Zusammenbruch des gesamten Bankensystems geführt hat, war keine unvermeidbare Naturkatastrophe, sondern Menschenwerk, nämlich das voraussehbare Ergebnis gigantischer Finanztransaktionen mit auf minderwertige amerikanische Hypotheken unterlegten Wertpapieren.

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Alles kein Zufall

Alle wollen immer glücklich sein. Aber was ist eigentlich Glück? Und wer war schon dauerhaft glücklich? Was ist dieses Leben, diese Reihe von unterschiedlichen Momenten, die manchmal wirken, als hätte irgendein Gott gewürfelt?

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Das kritische Finanzlexikon

Fachbegriffe aus der Finanzwelt sind meist unverständlich. Deswegen gehen wir ihrer Bedeutung oft nicht auf den Grund. Das ist ein folgenschwerer Fehler, denn nur wer genau weiß, was sich hinter den häufig verwendeten Begriffen verbirgt, kann die Zusammenhänge verstehen.

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Geschäfte werden immer zwischen Menschen gemacht, deshalb ist Verkaufspsychologie für das Verstehen der Geschäftspartner und als Werkzeug fürs Verkaufen sehr bedeutend und ebenso hilfreich. Insbesondere beim Verkauf von Dienstleistungen, Projekten und bei langfristig angelegter Zusammenarbeit spielen die menschlichen Faktoren die entscheidender Rolle.

Vertrauen, Sympathie und Zuverlässigkeit müssen zum potenziellen Kunden transportiert werden, um Aufträge zu erhalten. Freundlich, offen und kommunikativ zu sein und dazu eine Portion Fachkenntnis zu zeigen, reichte in der Vergangenheit oft aus, um gute Geschäfte zu machen. Doch die Märkte werden enger! Kunden werden sensibler. Nuancen entscheiden heute, ob Sie den Auftrag erhalten oder nicht.

Fast immer ist es nicht nur der Preis, um den es geht, vor allem zählen Details im Verständnis für die Aufgabenstellung, Bedürfnisse, Wünsche, Engpässe, Erfahrungen und Ängste Ihrer Kunden. Völlig gleich, was Sie verkaufen: Sie werden niemals einen Auftrag von einem Unternehmen erhalten, sondern immer von einem oder mehreren Menschen in diesem Unternehmen.

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Die Geburt des Wohlstands

Kurz nach den zwanziger Jahren des 19. Jahrhunderts begann der Wohlstand Fahrt aufzunehmen in einem bisher nicht da gewesenen Tempo. Mit jeder Generation wurde das Leben komfortabler, angenehmer und vorhersagbarer. Die Menge der Informationen wuchs exponentiell. Doch was war in den Jahrhunderten davor? Und was änderte sich im 19. Jahrhundert, damit unser heutiger Wohlstand geboren werden konnte?

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About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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