Startet die nächste Finanzkrise am Ölmarkt?

Es herrscht Einigkeit darüber, dass die Finanzkrise nicht unbedingt ihren Ursprung, wohl aber ihr auslösendes Element in der Subprime-Krise hatte. Der aufgeblähte US-Häusermarkt und die schlechte Qualität vieler Schuldner waren wie ein Kartenhaus. Seine Instabilität war so offensichtlich, dass es ab einem gewissen Punkt nur noch um die Frage ging, wann das System endgültig zusammenbrechen würde.

Zukünftige Krisen könnten einen ähnlich gelagerten Auslöser haben. Er mag aus einer vollkommen anderen Branche kommen und auf den ersten Blick keine auffälligen Gemeinsamkeiten mit dem US-Immobilienmarkt der Jahre 2004 bis 2007 aufweisen, sich am Ende jedoch als ebenso solide konstruiertes Kartenhaus erweisen.

Entscheidend ist in diesem Zusammenhang allein, dass in einer Boomphase Kredite vergeben werden, die anschließend von den Schuldnern nicht mehr bedient werden können. Beim US-Häusermarkt war das Ende der Fahnenstange erreicht, als die Preise nicht mehr weiter stiegen.

Bei zukünftigen Krisen kommt das dicke Ende dann, wenn die Erlöse so niedrig sind, dass sie nicht nur keinen Profit mehr abwerfen, sondern nicht einmal die Kosten für Zins und Tilgung decken. Eine Branche, in der dieser Zustand nicht mehr weit entfernt ist, ist der Öl- und Gassektor. Hier ist vor allem die in den letzten Jahren stark gehypte Schieferöl- und Schiefergasproduktion betroffen.

Ein weiterer Boom auf Pump

Noch vor zwei Jahren sahen viele Amerikaner ihr Land als das zweite Saudi-Arabien an. Die heimische Ölproduktion zog spürbar an und die Abhängigkeit von Öllieferungen aus dem Ausland nahm drastisch ab. Nicht mehr fern schien der Punkt, an dem die USA den Schritt vom Erdölimporteur zum Erdölexporteur vollziehen würden.

Ein angenehmer Nebeneffekt dieser Entwicklung war, dass sie den ‚American Way of Life‘ konservieren würde. Der verschwenderische Umgang mit Energie schien auch in Zukunft weiterhin möglich zu sein, weil erstens Energie in Hülle und Fülle und diese auch noch zu bezahlbaren Preisen zur Verfügung stand.

Der Traum wird in diesen Tagen ausgeträumt. Allerdings ist der Masse der Amerikaner noch nicht einmal bewusst, dass das Aufwachen unmittelbar bevorsteht. Auch an den Kapitalmärkten sind sich viele Investoren über die Konsequenzen noch nicht im Klaren.

Die Konsequenzen werden aber dramatisch sein, denn ähnlich wie der Häuserboom vor 2007 war auch die Entwicklung der Schieferöl- und Schiefergasfelder getrieben von Geldern, die von außerhalb der Branche bereitgestellt wurden. Es liegt auf der Hand, dass die Geldgeber einen Return on Investment erwarteten, als sie ihr Kapital als Kredit zur Verfügung stellten, und ihn im Grunde noch immer erwarten.

Die Quellen trocknen zu schnell aus

Kommen wird er wohl nicht mehr, denn die angebohrten Quellen sind zu unergiebig und die Kosten zu hoch, als dass sich das Geschäftsmodell dauerhaft rechnen kann. Der Hintergrund für diese Entwicklung sind nicht die gesunkenen Preise für Öl und Gas, sondern die geringe Förderdauer der Quellen.

Verglichen mit herkömmlichen Ölquellen trocknen die Schieferölfelder ausgesprochen schnell aus. Saudi-Arabiens große Ölfelder wurden in den 1960er Jahren entdeckt und fördern noch immer. Zwar wird der Aufwand, mit dem das Öl aus dem Boden gepumpt wird, auch dort größer, doch die Förderleistung der einzelnen Felder ist noch immer vergleichsweise hoch.

Das ist in North Dakota und Texas anders. Das große Bakken Oil Field in North Dakota erreichte im Dezember 2014 mit einer täglichen Förderleistung von 1.26 Millionen Barrel seine maximale Produktionsleistung. Inzwischen ist die Fördermenge auf nur noch 942.000 Barrel pro Tag abgesunken. Das Eagle Ford Field in Texas hat allein seit Mai 2015 40 Prozent seiner Förderkapazität verloren.

In den Medien werden zumeist die gesunkenen Preise für Öl und Gas für den Förderrückgang verantwortlich gemacht. Doch das Problem liegt tiefer: Die Leistung der Felder wäre auch bei steigenden Energiepreisen deutlich abgesunken. Schon im April 2015 war geologisch klar, dass die Förderung auf dem Bakken Oil Field in den Jahren 2016 und 2017 deutlich rückläufig sein würde.

Exponentielles Wachstum und exponentielle Schrumpfung

Die Förderkurve eines Ölfeldes verläuft nicht linear mit gleichmäßigen Anstiegen, sondern in Form einer Glockenkurve. Einem sehr steilen Anstieg folgt ein kurzer Höhepunkt, dem ein ebenso schneller Abstieg folgt. Bei der Schieferölproduktion ist die Kurve nochmals steiler als bei anderen Feldern. Das erklärt, warum das Bakken Oil Field schon nach so kurzer Zeit so große Rückgänge der Fördermenge zu verzeichnen hat.

Anderen Feldern geht es genauso. In den USA sind bereits die ersten Auswirkungen des Rückgangs spürbar. In North Dakota sinken die Mieten und Häuserpreise. Die Goldgräberstimmung der vergangenen Jahre ist verflogen und viele, die noch vor Jahren hierherzogen, um ihr Glück zu finden, ziehen bereits wieder fort.

Aufgehalten werden kann der Rückgang der Fördermenge nur dadurch, dass weitere Bohrungen auf den Feldern niedergebracht werden. Damit steigen die Kosten, speziell die Kreditkosten, denn aus Gewinnen ließen sich die hohen Investitionskosten selbst in den Jahren mit hohen Ölpreisen nur selten finanzieren.

Die Branche sitzt auf einem Schuldenberg von 36 Milliarden Dollar. Um ihn abzutragen, sind sieben Förderjahre mit den aktuellen Ölpreisen erforderlich. Gewinn würde man dann allerdings keinen machen und Investitionen in die Erhaltung des Feldes wären auch nicht möglich. Von der Niederbringung weiterer Bohrlöcher zur Aufrechterhaltung der aktuellen Produktionshöhe ganz zu schweigen.

Ein Spiel auf Zeit

Um wirklich profitabel zu arbeiten, benötigt die Branche einen Ölpreis, der dauerhaft auf über 73 US Dollar je Barrel steigt und in dieser Preisregion zumindest verharrt. Danach sieht es momentan nicht aus. Das weltweite Überangebot ist zu groß und die Nachfrage nach Öl zu gering, als dass sich derart hohe Preise über längere Zeiträume erzielen ließen.

Mit jedem Monat, den der Ölpreis unterhalb von 73 Dollar je Barrel verbleibt, wächst der Druck auf das Kreditkartenhaus der Schieferölbranche. Sein Zusammenbruch ist im Grunde nur noch eine Frage der Zeit. Er wird kommen, es sei denn, es gelingt der Federal Reserve Bank, nicht nur Geld aus dem Nichts, sondern auch billiges Öl aus dem Nichts zu produzieren, dass die Schieferölbranche anschließend selbst zu den heutigen Preisen mit hohem Gewinn verkaufen kann.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Handelstag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim


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Die Gründung der ersten amerikanischen Zentralbank ist bis heute eine packende Geschichte voller Intrigen, politischem Machtkalkül und Verschwörungstheorien. Gut 100 Jahre danach hat die FED das Finanzsystem so massiv zugunsten ihrer Eigentümer verändert wie keine andere Zentralbank: In den letzten 30 Jahren sind mehr als 10.000 US-Banken verschwunden und fast 70 Prozent aller bilanziellen Vermögenswerte liegen in den Händen von zwölf Großbanken – jenen Banken, die „zufällig“ auch die einflussreichsten Anteilseigner sind.

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About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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