Gold: Da haben wir den Salat

Na, das war doch fast kaum anders zu erwarten. Seit Jahren profitieren die Preise für Gold und Silber nicht mehr von der Geldschwelle der Notenbanken und kaum gehen diese dazu über, das Zinsniveau leicht zu erhöhen, bekommt der Goldpreis, wie Ende Juni/Anfang Juli geschehen, gleich ordentlich eins auf die Mütze.

Jetzt wissen es plötzlich wieder alle: Gold bringt keine Zinsen, und weil die Zinsen gerade im Begriff sind zu steigen, muss der Goldpreis natürlich fallen – am besten kräftig fallen, damit man unbedarften Zeitgenossen das gelbe Metall auch zu wirklich unverschämt tiefen Kursen abkaufen kann.

Die französische Großbank BNP Paribas hat sich kürzlich mit einer Einschätzung zur weiteren Entwicklung des Goldpreises zu Wort gemeldet. Ihn sieht man bis Ende des Jahres auf 1.165 US-Dollar je Feinunze zurückgehen, weil die steigenden Zinsen in den USA das Edelmetall belasten, heißt es in der Studie.

Fehlt eigentlich nur noch der Hinweis, dass man Gold nicht essen kann und es deshalb auch als Krisenmetall nicht taugt. Derartige Stimmen könnte man vielleicht im nächsten Monat wieder hören, wenn der Goldpreis traditionell eher tief steht, weil das für die Edelmetalle schwächere Sommerhalbjahr sich seinem Ende zuneigt.

Auch ohne Saisonalität bleiben Gold und Silber attraktiv

In normalen Jahren kann man Ende August, Anfang September beinahe blind auf die Edelmetalle setzen und an der Börse auch die Aktien ihrer Produzenten kaufen. Weil die Nachfrage nach Gold durch die zahlreichen Feste im Winterhalbjahr, zu denen gerne Gold verschenkt wird, steigt, waren Kursgewinne bei den Edelmetallen selbst und auch bei den Minenaktien zwischen September und März in der Vergangenheit die Regel und nicht die Ausnahme.

Doch was ist heute noch normal? Ob es mit der Saisonalität in diesem Jahr wieder klappt, bleibt abzuwarten. Mich blind darauf verlassen, würde ich nicht. Die Frage, ob der Goldpreis in den vergangenen Jahren einen Boden im Bereich von 1.000 bis 1.200 US-Dollar je Feinunze ausgebildet hat, ist leider noch nicht abschließend beantwortet.

Es sah eine Zeit lang so aus. Doch die Kursverluste in diesem Sommerhalbjahr mahnen zur Vorsicht. Da viele Goldbullen inzwischen schon mehrfach den Beginn eines neuen Bullenmarktes ausgerufen und für den Goldpreis ambitionierte Preisziele ausgegeben haben, dürfte die Verunsicherung beim einen oder anderen Goldanleger groß sein, denn anstatt sich in luftige Höhen zu begeben, fiel der Goldpreis in diesem Monat durch wichtige charttechnische Unterstützungen.

Im vergangenen Jahr haben die Analysten der BNP Paribas laut dem Nachrichtenportal Bloomberg die beste Schätzung für den Goldpreis abgegeben. Liegen sie in diesem Jahr ähnlich gut im Ziel, dürfte das vierte Quartal den Goldanlegern wieder Freude machen. Allerdings nicht, weil der Preis sich so prächtig nach oben entwickelt, sondern weil man beim Edelmetallkauf wieder einmal ein wenig mehr Gold und Silber für sein Papiergeld erhält.

Wenn die Zinsen wirklich dauerhaft steigen …

Angeblich sind steigende Zinsen Gift für den Goldpreis und kurzfristig stimmt diese Beobachtung. Doch die entscheidende Frage ist in diesen Monaten nicht, ob die Zinsen steigen, sondern wie lange und in welchem Tempo sie steigen werden, denn bevor die steigenden Zinsen die ersten Goldanleger vergiftet haben, werden sie zahlreiche Schuldner ins Grab gebracht haben.

Steigende Zinsen erhöhen in diesem Zusammenhang nicht nur die Zinslasten der Schuldner. Auch der Wert ihrer Sicherheiten ist gefährdet. Das viele Geld aus dem Nichts der Notenbanken hat in den vergangenen Jahren die Aktienkurse und die Immobilienpreise kräftig steigen lassen. Bei steigenden Zinsen ist zu befürchten, dass sich diese Entwicklung wieder umkehrt.

Fallende Immobilienpreise und Aktienkurse können viel leichter als Zeichen für eine beginnende umfassende Krise aufgefasst werden als beispielsweise ein fallender Goldpreis. Dann könnten auch die Bilanzen der Banken schnell wieder ein Thema werden. Das gilt nicht nur für die italienischen Banken.

Wenn man sich den aktuellen Kurs der Commerzbank ansieht und bedenkt, dass die Bank im Herbst 2016 zusammen mit der Deutschen Bank noch ausgesprochen kritisch gesehen und von den Anlegern gemieden wurde, wird deutlich, wie viel Luft in den aktuellen Kursen enthalten ist.

Antizyklisch zukaufen

Grämen Sie sich als Goldanleger nicht, wenn die Edelmetallkurse nicht von der Stelle kommen und möglicherweise sogar weiter sinken. Die Münzen oder die Barren, die Sie gekauft haben, haben immer noch die gleiche Reinheit und dieselbe Atomstruktur. Ob man dies auch von den Bilanzen der Kreditinstitute behaupten kann, ist fraglich.

Gold und Silber müssen nicht strahlen und von allen heiß begehrt sein, um ihre historisch einmalige Absicherungsfunktion erneut erfüllen zu können. Es reicht, wenn einige wenige vorausschauende Anleger dieses Gold an sich bringen und es langfristig vom Markt nehmen.

Je dezenter und lautloser dies geschieht, umso größer wird die Überraschung der Masse sein, wenn sie eines Tages erkennen muss, dass Forderungen nicht nur im kleinen, sondern auch im großen Stil ausfallen können. Wenn dieser Punkt und die mit ihm verbundene Bewusstseinsveränderung gekommen ist, wird sich jeder wünschen, in der Vergangenheit mehr Gold und Silber gekauft zu haben.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Handelstag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

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About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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