Vorsicht Bankfeiertag: Es ist Ihr Geld, aber ran kommen Sie trotzdem nicht!

Bernd Heim
By Bernd Heim / 15. August 2017

Sollten europäische Banken noch einmal um ihre Existenz kämpfen und die Sparer Angst um ihr Geld haben, sollten Sie besser unter den Ersten sein, die ihr Geld von den bedrohten Instituten abziehen und in Sicherheit bringen. Denn wer zu spät kommt, den bestraft bekanntlich das Leben.

Das Leben ist hier eine neue EU-Verordnung, die geschaffen werden soll, um Bank Runs zu verhindern. Damit ist sofort klar, es geht um den Schutz der Bank, nicht um Ihren Schutz. Es ist zwar Ihr Geld, das Sie der Bank anvertraut haben, aber die EU will, dass dieses Geld auch dann weiterhin bei der Bank verbleibt, wenn das Vertrauen von Ihrer Seite schon längst nicht mehr gegeben ist.

Dazu friert man die Guthaben einfach ein und verbietet den Kunden Geld abzuheben. Das Ganze ist natürlich nur als eine vorübergehende Maßnahme geplant, die nur so lange aufrechterhalten werden soll, wie die Gefahr eines Ansturms der Sparer auf Schalter und Automaten besteht.

Ein Blick in die Geschichte zeigt jedoch, dass schon so manches Provisorium sich am Ende als ziemlich dauerhaft erwiesen hat. Ob es dieses Mal genauso sein wird, bleibt abzuwarten. Kommt die neue EU-Verordnung, so muss sich jeder Sparer überlegen, ob er mit seinem Geld an diesem Realexperiment teilnehmen möchten. Wenn nicht, sollte beizeiten reagiert werden.

Erste Hilfe oder endgültiger Todesstoß?

In Expertenkreisen wird noch darüber gestritten, ob die neue EU-Verordnung den schwankenden Instituten wirklich hilft. Das Ziel einer Stabilisierung bedrohter Institute ist gewiss lobenswert. Kritiker wenden jedoch ein, dass strauchelnde Banken schon beim ersten Anschein einer Krise hastige Geldabflüsse sehen könnten.

Spricht sich erst einmal unter den Kunden herum, dass die eigenen Ersparnisse nicht mehr zu jeder Zeit verfügbar sind, könnte schon das Gerücht einer Schieflage der eigenen Bank ausreichen, um jenen Sturm auf die Geldautomaten auszulösen, den die EU mit ihrer Verordnung eigentlich verhindern will.

Die EU-Verordnung ist bereits seit Anfang des Jahres in Arbeit und sie kommt nicht einmal zwei Monate, nachdem ein Run der Kunden auf ihre Einlagen die spanische Banco Popular an den Rand des Kollaps gebracht hat. Aufgefangen wurde das notleidende Institut am Ende von einem Konkurrenten zum symbolischen Preis von einem Euro.

Die estnische EU-Präsidentschaft sieht in der vorübergehenden Blockung und Einfrierung von Bankguthaben durch die Aufsichtsbehörden eine „machbare Option“, um zukünftige Bankenkrisen besser meistern zu können. Unterstützung bekommt die Kommission von jenen Mitgliedsländern, die, wie Deutschland, schon heute über das Recht verfügen, ein Moratorium für Geldauszahlungen zu verhängen.

Starke Rückendeckung aus Deutschland

Es ist an dieser Stelle interessant, dass ausgerechnet eine mit dem Denken der deutschen Regierung vertraute Person erklärte, der Wunsch sei, einen Run auf die Banken zu verhindern, sodass die Institute in einer kritischen Situation nicht über die Klippe gestürzt werden.

Intensiv diskutiert wird der Vorschlag der EU-Kommission schon. Die Beratungen vom 13. Juli 2017 brachten jedoch noch keine Entscheidung. Deshalb soll im September nach der Bundestagswahl, wenn der Wähler vorläufig nichts mehr zu melden hat, weiter verhandelt werden. Für eine endgültige Entscheidung ist die Zustimmung sämtlicher EU-Parlamente erforderlich.

Der momentan diskutierte EU-Plan sieht vor, dass Auszahlungen für fünf Arbeitstage blockiert werden können. Reicht diese Frist nicht aus, kann die Zahl der Bankfeiertage unter außergewöhnlichen Umständen auf maximal zwanzig verlängert werden.

Charlie Bannister von der Association for Financial Markets in Europe (AFME) ist überzeugt, dass die Verordnung die Kunden dazu veranlassen wird, bereits in einem sehr frühen Stadium ihre Einlagen abzuziehen. Der Grund ist relativ einfach. In Europa gibt es mehr als eine Billion Euro, die derzeit auf nicht verzinsten Konten lagern, während gleichzeitig die Zinsen in den USA steigen.

Die nächsten Bankfeiertage sind nur noch eine Frage der Zeit

Warum sollten Kunden unter diesen Umständen nicht reagieren und ihre Ersparnisse einer größeren Gefahr aussetzen als unbedingt nötig? In Italien, Griechenland, Spanien, Portugal und Irland sitzen die Banken insgesamt auf 606 Milliarden Euro an notleidenden Darlehen.

Doch auch außerhalb dieser Krisenländer ist das gesamte europäische Bankensystem äußerst labil und wird von der EZB überbeansprucht. Die Banken in Europa sind viel zu schwach kapitalisiert und werden allein vom laufenden Anleihenkaufprogramm der EZB über Wasser gehalten. Von diesem Programm wissen wir, dass es bald enden muss, weil die Europäische Zentralbank schon Ende 2018 oder Anfang 2019 keine deutschen Staatsanleihen mehr kaufen kann.

Wären die Zeiten normal, müsste man ehrlich zugeben, dass das EU-Bankensystem zahlungsunfähig ist. Aber die Zeiten sind nicht normal. Deshalb wird getäuscht und gelogen und eine Fassade aufgebaut, die zwar schön anzusehen, aber alles andere als tragfähig ist.

Wäre es anders, müsste die EU nicht solch drastische Maßnahmen in Betracht ziehen.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Handelstag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

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About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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