Die unheimliche Furcht vor dem 3. Quartal 2018

Bernd Heim
By Bernd Heim / 21. August 2017

Vielleicht erinnern Sie sich noch: Wir schrieben das Jahr 2012, als Analysten von Goldman Sachs erstmals betonten, dass es für die Entwicklung der Aktienkurse nicht mehr so sehr auf Entwicklung des Unternehmens selbst, sondern primär auf die Veränderungen in der Geldpolitik der Zentralbanken ankomme.

Ein Blick auf die Börsenkurse der letzten Jahre gibt uns wenig Grund, um an der Wahrheit dieser Prognose zu zweifeln. Die Geldflut der Notenbanken hob alle Boote an, die guten wie die schlechten. Die Folge waren Kursgewinne auf breiter Front und für die Anleger machte es, wie Goldman Sachs richtig vorhergesagt hatte, mehr Sinn auf die Notenbanken zu achten als auf die Unternehmen selbst.

Da an der Börse allerdings vor allem die Zukunft interessiert, schauen die Anleger nun mit zunehmender Sorge auf den Moment, an dem die Geldspritzen der Zentralbanken nicht mehr wirken werden. Er rückt beständig näher, denn die FED hat die Zinsen bereits erhöht und angekündigt, ihre Bilanz zu bereinigen.

Die Europäische Zentralbank sowie die Bank of Japan haben ihre Zinsen zwar noch nicht erhöht, doch sie reduzieren behutsam den Umfang ihrer Wertpapierkäufe. Für den Markt entscheidend sein wird das Tempo mit dem die Notenbanken vorgehen werden.

Der bange Blick auf das 3. Quartal 2018

Bislang hatte es den Anschein, als wenn dieses nicht zu hoch zu veranschlagen ist. Entsprechend ruhig konnte der Markt mit der sich langsam verändernden Situation umgehen. Die Kurse stiegen auch im ersten Halbjahr mehr oder weniger konstant an, weil die wirtschaftliche Entwicklung gut und die Liquiditätsversorgung durch die Zentralbanken immer noch hoch war.

Seit dem Beginn der Finanzkrise wurden 15,1 Billionen US-Dollar aus dem Nichts geschaffen und in die Märkte gepumpt. Von Jahr zu Jahr wuchsen die Bilanzen der Notenbanken immer weiter an. Diese Entwicklung ist auch jetzt noch nicht zu ihrem Abschluss gekommen, denn auf jährlicher Basis steigen die Bilanzsummen vermutlich noch bis in das Jahr 2018 hinein.

Die Steigerungsrate wird allerdings von Monat zu Monat geringer. Im April 2017 wurden noch 350 Milliarden US-Dollar in die Märkte gepumpt, im Mai waren es noch 300 Milliarden und im Juni nur noch 100 Milliarden. Mit anderen Worten: Die fünf größten Zentralbanken kaufen weiterhin, aber sie kaufen bereits deutlich weniger Wertpapiere am Markt auf als in den vergangenen Monaten.

Der Rest ist eine Rechenaufgabe, wenn auch nicht unbedingt eine einfache, denn es gilt abzuschätzen, mit welchem Volumen die Notenbanken in den nächsten zwölf bis 24 Monaten noch am Markt aktiv sein werden. Setzt sich der augenblickliche Trend fort, so ist damit zu rechnen, dass das Pendel im dritten Quartal 2018 umschlagen wird und aus einer langjährigen Expansion eine Kontraktion der Geldmenge werden wird.

Wie reagiert der Markt auf den nachlassenden Druck?

Noch machen die Notenbanken Druck und treiben die Märkte. Wie man sich die Zeit nach diesem Druck vorstellen soll, ist eine interessante Frage, denn eine Zeit mit einer globalen Kontraktion der Notenbankbilanzen hat die Welt bislang noch nicht gesehen. Es hat einzelne Phasen gegeben, in denen QE-Programme ausliefen bzw. reduziert wurden. Doch waren diese bislang immer auf einzelne Staaten bzw. Wirtschaftszonen konzentriert.

Optimistisch stimmt, dass der Markt diese Phasen, einer Studie der Citibank zufolge, bislang immer gut überstanden hat und sich am Ende aus eigener Kraft behaupten konnte. Bedenklich muss uns jedoch stimmen, dass diese Phasen immer von einer deutlich höheren Volatilität gekennzeichnet waren.

Die Marktteilnehmer wussten offensichtlich lange Zeit nicht, wie sie mit der deutlich veränderten Situation umgehen sollten, und agierten entsprechend nervös. Hinzu kommt, dass die Programme später wieder aufgenommen wurden. Es stand also neues Geld zur Verfügung. Dies wird zukünftig im Falle einer wirklichen Kontraktion anders sein.

Mehrheitlich rechnen die Analysten der großen Banken damit, dass dieses Szenario im dritten Quartal 2018 auf uns zukommen wird. Da die Börse dazu neigt, die Zukunft zu antizipieren und in ihren Kursen vorwegzunehmen, ist damit zu rechnen, dass sich die aufkommende Unruhe schon vorher in den Charts niederschlägt.

Kritisch wird es, wenn der Beginn der globalen Konsolidierung der Notenbankbilanzen mit einem Wendepunkt bei den Unternehmensgewinnen zusammenfällt. Prädestiniert dafür sind die Herbstmonate. Von nun an ist die spannende Frage somit, wann der Peak der Liquidität auf den Peak bei den Gewinnen treffen wird. Der Herbst 2018 und vielleicht auch schon der Herbst 2017 könnten vor diesem Hintergrund leicht den einen oder anderen Börsensturm für uns bereithalten.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Handelstag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

PS.: Bitte teilen Sie diesen Artikel mit Ihren Freunden, damit auch diese die Möglichkeit haben, sich mit der heute besprochenen Problematik intensiv auseinanderzusetzen.

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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