Donald Trump poltert, China kauft

Während Donald Trump twittert und poltert, tun seine Konkurrenten das, was dem US-Präsident nicht so recht gelingen will: Sie schaffen Fakten. Fakten, an denen auch der angeblich mächtigste Mann der Welt nicht so einfach vorbeikommt und die er, ob er will oder nicht, respektieren und in seine politischen Überlegungen integrieren muss.

Während Nordkoreas Kim Jong Un immer wieder mal eine Rakete aufsteigen lässt, um der Welt zu zeigen, dass er noch lebt, geht die chinesische Führung um Präsident Xi Jinping und Ministerpräsident Li Keqiang wesentlich geschickter vor. Sie umarmt bildlich gesprochen ihren großen Gegenspieler auf der anderen Seite des Pazifiks und nimmt ihm damit die Chance, seine Arme zu bewegen und zu aggressiv gegen ihr Land vorzugehen.

Dank seiner langjährigen großen Handelsüberschüsse verfügt China über viel Geld. Die Frage war schon immer, was macht man mit diesem vielen Geld. Zunächst bestand die Antwort darin, Staatsanleihen zu kaufen. Als der Stapel mit den aufgehäuften US-Schatztiteln zu groß zu werden drohte, reduzierte man die Anleihenkäufe und griff stattdessen bei den Rohstoffen zu.

Auch Firmenübernahmen wurden immer beliebter. Die Akquisitionsstrategie der Chinesen zielt auf zukunftsweisende Technologien und macht auch vor großen Namen inzwischen keinen Halt mehr. In Deutschland wurde der Roboterhersteller Kuka übernommen, in der Schweiz Syngenta, Swissport und Gategroup um nur einige der bekannten Namen zu nennen.

Die Strategie wird angepasst

Im Jahr 2016 erreichte Akquisitionsfreude der Chinesen mit einem Gesamtvolumen von annähernd 250 Milliarden US-Dollar ihren bisherigen Höhepunkt. Seitdem schwächt sich die Kaufneigung ab, sodass für das laufende Jahr kein neuer Rekord erwartet wird.

Es gibt mehrere Gründe für die Kaufzurückhaltung der Chinesen. In Peking bringt die Regierung ein Gesetz auf den Weg, dass Investitionen chinesischer Unternehmen im Ausland mit einem Umfang von über zehn Milliarden US-Dollar verbietet. Die neue Regelung wird allerdings nur für Privatunternehmen gelten. Die großen, vom Staat kontrollierten Konglomerate dürfen ihre Einkaufspolitik weiter fortsetzen.

Das sollen sie auch, denn schließlich geht es darum, das sogenannte Belt-and-Road-Projekt, also den Plan einer neuen Seidenstraße, voranzubringen. Asien soll über Land und See besser an Europa und Afrika angebunden werden und in den einzelnen Ländern will China mit eigenen Projekten und Firmen vertreten sein, um seinen Teil der zu erwartenden Gewinne abzuschöpfen.

Hinzu kommt, dass sich die Haltung vieler westlicher Regierungen zu geplanten Verkäufen an chinesische Investoren geändert hat. Türen, die früher weit geöffnet waren, bleiben nun verschlossen. Diese Ablehnung ist nicht nur eine Reaktion auf die Angst vor einem Ausverkauf von Technologie. Sie ist auch eine Folge der bestehenden Ungleichheit. Während chinesische Investoren westliche Firmen ganz übernehmen können, sind Investoren aus dem Ausland in China nur Minderheitsbeteiligungen möglich.

Mit US-Staatsanleihen in den drohenden Handelskrieg

Da China weiterhin einen Handelsüberschuss erwirtschaftet, muss nicht nur das im Ausland verdiente Geld angelegt werden. Es droht auch ein Streit mit den USA über die Höhe des Handelsdefizits. China ist den Vereinigten Staaten schon ein wenig entgegengekommen, indem es seine Währung um vier Prozent aufgewertet hat. Das verteuert chinesische Güter auf dem Weltmarkt, verringert das Handelsbilanzdefizit und verschafft im Konflikt um die Exporte in die USA ein wenig Luft. Das Problem löst die Aufwertung des Yuan aber nicht.

China ist deshalb dazu übergegangen, wieder stärker in US-Staatsanleihen zu investieren. Wie das US-Finanzministerium berichtete, löste das Reich der Mitte im Juni mit einem Gesamtbestand von 1.147 Milliarden US-Dollar an amerikanischen Staatsanleihen Japan wieder als größten Gläubiger der USA ab. Die aktuelle Schwäche der amerikanischen Währung kam den Chinesen bei ihren Zukäufen dabei entgegen.

Nun bleibt abzuwarten, wie die amerikanische Administration auf die Veränderung auf der Position des größten Gläubigers reagieren wird. Zwar hat Donald Trump Chinas Handels- und Wirtschaftspolitik auch als Präsident mehrfach öffentlich kritisiert und eine Untersuchung zu den chinesischen Handelsaktivitäten angekündigt. Doch seinen großen Worten sind ähnlich wie beim geplanten Mauerbau an der mexikanischen Grenze und bei der Steuerreform noch keine konkreten Taten gefolgt.

Diese könnten auch in Zukunft unterbleiben, zumindest was China betrifft, denn der Präsident müsste im Fall der Fälle mit einer chinesischen Gegenreaktion rechnen, die u.a. in einem plötzlichen Abverkauf von US-Treasuries bestehen könnte. Der Schaden für den Dollar wäre immens. Ihn kann auch Donald Trump nicht wollen, denn er wäre schädlich für Amerikas Reputation und Wirtschaft.

So wird es vermutlich bei Drohungen bleiben, denn weder China noch die USA haben ein Interesse daran, dass der Konflikt eskaliert. Die engen wirtschaftlichen Verflechtungen würden beide zu Verlieren machen. Von daher ist zu erwarten, dass das diskrete Knistern der Geldscheine das laute Rasseln der verbalen Säbel auf Dauer übertönen wird.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Handelstag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

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About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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