Gold: Eine starke Versicherung für alle Fälle

Die Aktienkurse steigen, die der Anleihen ebenso. Auch mit Immobilien konnte man in den vergangenen Jahren eine gute Rendite erzielen und wer über Nacht reich werden will, der steckt sein Geld derzeit in die Kryptowährungen und hofft, dass die Welle noch ein wenig länger geritten wird. Mit Gold und Silber konnte man hingegen seit 2012 nicht reich werden. Der Bärenmarkt zog sich wie Kaugummi und die Kurse neigten oft zur Schwäche und deutlich seltener zur Stärke.

Wenn man mit Gold schon nicht reich werden konnte, so stellt sich zumindest die Frage, ob man durch den Kauf der Edelmetalle denn wenigstens die Verarmung verhindern konnte. Im ersten Augenblick mag sich die Frage ein wenig absurd anhören, doch in Zeiten tendenziell rückgängiger Gold- und Silberpreise und negativer Zinsen ist die Frage gar nicht so weltfremd, wie sie sich im ersten Moment vielleicht anhören mag.

Die Zeiten, in denen man in die Wildnis zog und Gold und Silber einfach so finden konnte, sind vorbei. Wer heute Gold in seinen Besitz bringen will, der muss es kaufen, also gegen eine bereits in der Vergangenheit erbrachte andere Leistung eintauschen. Produzieren kann man es nicht, es sei denn, man betreibt eine Goldmine, was wohl nur die Wenigsten von uns tun werden.

Wer also Gold haben will, der muss erst einmal Geld mitbringen. Nach dem Kauf stellt sich sofort wie bei allen anderen Anlageklassen auch die Frage, wie gut die investierte Kaufkraft geschützt wird. Hier haben Gold und Silber in den letzten Jahren trotz der tendenziell rückläufigen Preise relativ gut abgeschnitten, denn gerechnet in Euro haben die Edelmetalle nicht annähernd so stark geschwankt wie beispielsweise Aktien, Anleihen oder Immobilien.

Das Preisniveau beim Kauf ist entscheidend

Wer diese heute kauft, kann angesichts der luftigen Kursniveaus nicht mehr sicher sein, dass die investierte Kaufkraft auch in jedem Fall gesichert ist. Bei den Bitcoins ist es ebenso, nur dass sich das hektische Auf und Ab der Preise hier noch schneller und wilder vollzieht als bei anderen Anlageklassen. Wer den Fehler macht, auf dem Hoch- und nicht am Tiefpunkt zu kaufen, gerät schnell ins Schwitzen.

Preislich hat Gold seine Schutzfunktion in den vergangenen Jahren im Großen und Ganzen erfüllt. Klar, es hätte besser laufen können, wie beispielsweise in der Dekade zuvor, doch seiner Absicherungsfunktion für die Kaufkraft ist das Gold weitgehend nachgekommen. Wäre es anders, hätte der starke Preisanstieg der Jahre 2001 bis 2012 deutlich stärker korrigiert werden müssen.

Beim Gold gilt aber wie auch bei jeder anderen Anlage, die man in der Absicht erwirbt, die eigene Kaufkraft zu erhalten, dass der Preis, zu dem man diese Versicherung erwirbt, eine ganz entscheidende Stellgröße ist. Ist der Preis angemessen oder sogar ausgesprochen günstig, haben Gold und Silber gute Chancen, den Kaufkraftverlust des ungedeckten Papiergelds schadlos zu überstehen. Daneben schützen die Edelmetalle allein durch ihre physische Existenz vor Kredit- beziehungsweise Zahlungsausfällen in unserem Finanzsystem.

Als unsere Welt entstand, wurde ihr eine bestimmte Menge an Gold und Silber mit auf den Weg gegeben. Diese Menge hat sich seitdem weder erhöht noch verringert. Wir Menschen haben gewiss noch nicht alles Gold der Welt gefunden und auch einen Teil des schon gefundenen Goldes zwischenzeitlich wieder verloren, doch der Bestand insgesamt hat sich nicht verändert.

Es gibt kein neues Gold aus dem Nichts

Das kann man weder von unserem aktuellen Fiat-Money-System noch von den neuen Kryptowährungen behaupten. Beim modernen Papiergeld erleben wir die ungezügelte Vermehrung jeden Tag, wenn beispielsweise von der Europäischen Zentralbank Monat für Monat Milliarden Euros aus dem Nichts geschaffen und anschließend an den Finanzmärkten zum Kauf realer Werte eingesetzt werden.

Die Menge der Bitcoins steigt ebenfalls. Zwar gibt es eine maximale Obergrenze für die Produktion dieser und anderer Kryptowährungen, doch stellt diese im Grunde nur eine menschliche Übereinkunft dar. Sie kann theoretisch, wenn man sich darauf einigt, jederzeit angehoben werden, sodass vollkommen legal weitere Bitcoins errechnet werden können. Eine natürliche, physische Obergrenze gibt es hier anders als beim Gold nicht.

Ebenso wichtig ist, dass der Wert von Gold und Silber nicht über Nacht vollständig verloren gehen kann, weil eine politisch gewünschte Entwertung vorgenommen wird. Beim ungedeckten Papiergeld und auch bei den elektronischen Kryptowährungen ist das anders. Mitte September korrigierten die Bitcoinpreise scharf, als China daran ging, mit regulatorischen Maßnahmen für mehr Struktur und weniger Freiheit in der Welt der Kryptowährungen zu sorgen.

Es gab in der Welt schon viele Währungsreformen, bei denen eine untergehende Währung durch eine neue ersetzt wurde. Von einer „Goldreform“ werden Sie in den Geschichtsbüchern jedoch nichts lesen. Sie gab es nicht und sie wird es nur dann geben, wenn die Menschen in Zukunft ihre positive Einstellung zum Wert von Gold und Silber fundamental ändern. Danach sieht es aber, aller Gold-ist-tot-Propaganda zum Trotz im Augenblick nicht aus. Im Gegenteil: Je deutlicher die großen Schwächen des aktuellen Finanzsystems deutlich werden, desto attraktiver und erstrebenswerter erscheint vielen der Besitz von Gold und Silber.

Gold und Silber ohne negative Eigenverzinsung

Zinsen gibt es heute keine mehr, zumindest keine, die mit einem angemessenen Risiko verbunden sind. Nach Abzug der Inflation „verdienen“ Bankguthaben und kurzlaufende Schuldverschreibungen derzeit eine Rendite von minus zwei Prozent. Oder anders formuliert: 100 Euro haben in 365 Tagen nur noch eine Kaufkraft von 98 Euro. Bislang war die Verzinsung immer ein Argument für die Sparanlagen und gegen Gold und Silber.

Dieses Argument ist inzwischen fortgefallen. Mehr noch, der durch den Zins bedingte Wettbewerbsnachteil der Edelmetalle hat sich in einen Vorteil verwandelt. Hinzu kommt, dass Gold und Silber nicht ausfallen können. Sie kennen nicht das Kreditrisiko, das mit Anleihen oder Sparanlagen verbunden ist. Dieser Vorteil kann in einer Welt, die von massiven Zahlungsausfällen bedroht ist, nicht hoch genug geschätzt werden.

Zu tragen hat der Goldanleger jedoch die Sorge um die sichere Aufbewahrung seiner Barren und Münzen. Der eigene Goldbesitz muss nicht nur an einem sicheren Ort aufbewahrt werden. Es sollte auch dafür Sorge getragen werden, dass am besten nur der Eigentümer Zugang zu diesem Gold hat. Diese Sicherheit gibt es nicht umsonst und sie ist auch für die Edelmetallanleger mit Kosten verbunden.

Nimmt man all diese Punkte zusammen, so wird deutlich, dass die Edelmetalle Gold und Silber eine hervorragende Absicherung gegen die finanziellen Risiken unserer Zeit sind. Es gibt diese Versicherung zwar nicht zum Nulltarif, aber an den Märkten immer noch zu einem ausgesprochen günstigen Preis.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Handelstag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

PS.: Bitte teilen Sie diesen Artikel mit Ihren Freunden und Bekannten, damit auch Ihre Freunde die Möglichkeit haben, sich mit der heute besprochenen Problematik intensiv auseinanderzusetzen.

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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