Eine hohe Verschuldung war immer Gift für die Börse aber gut für Gold und Silber

Absolut waren die Schulden in den USA und den meisten westlichen Ländern noch nie so hoch wie heute. Relativ zum Bruttoinlandsprodukt schwanken die Schuldenstände jedoch beträchtlich. Phasen mit einer besonders hohen Verschuldung wechseln mit solchen, in denen die Belastung durch die aufgenommenen Kredite geringer ausfällt.

Hohe Schuldenstände waren bislang keine guten Phasen für die Aktienmärkte. Es dauert allerdings meist seine Zeit, bis die Anleger dies erkennen, denn in der ersten Phase wirken die höheren Schulden „belebend“. Sie kurbeln die Wirtschaft an und lassen die Vermögenspreise steigen.

Die Verbrauchspreise ziehen in dieser Phase noch nicht so stark an. Aus diesem Grund scheint die Situation für die meisten Menschen zunächst noch in Ordnung zu sein. Eine Gefahr wird erst dann von den Anlegern erkannt, wenn die zu beobachtende Inflation der Vermögenspreise auf die Realpreise durchschlägt.

Das geschieht meist nicht sofort, sondern mit einem Zeitverzug, der bis zu zehn Jahre betragen kann. Die 1970er Jahre waren beispielsweise ein Jahrzehnt mit hohen Zinsen und extremen Inflationsraten. Der Ursprung dieser Entwicklung reichte jedoch bereits in die 1960er Jahre zurück.

Wenn die höheren Schulden in der Realwirtschaft ankommen

Hier wurden u.a. für den Vietnamkrieg die Schulden gemacht, die man nach dem Ende der Goldbindung des US-Dollars im August 1971 zunehmend mit frisch gedrucktem Geld zu bezahlen suchte. Für Aktieninvestments waren die 1970er Jahre ein verlorenes Jahrzehnt. Gerade vor dem Hintergrund der guten 1960er Jahre musste die Entwicklung die Anleger enttäuschen.

Der Dow Jones erreichte 1969 erstmals die Marke von 1.000 Punkten und war zehn Jahre später immer noch nicht viel weiter gekommen. Zwischenzeitlich hatte er sogar 40 Prozent seines Wertes verloren. Erst in den frühen 1980er Jahren, als das Zinsniveau langsam wieder zu sinken begann, fassten auch die Aktien erneut Tritt und starteten eine Aufschwungphase, die erst im Jahr 2000 mit dem Platzen der Dot-com-Blase enden sollte.

Für Gold und Silber waren die 1970er Jahre ein berauschendes Jahrzehnt. Ihr Preis vervielfachte sich und bei den Anlegern erfreuten sich die Edelmetalle einer großen Beliebtheit. Dagegen waren die späten 1980er und die 1990er Jahre für Gold und Silber keine gute Zeit mehr. Mit den Preisen ging es zumeist abwärts und auch das Interesse der Anleger verringerte sich beständig.

Man kann diese Entwicklung nicht allein an den Aktien und Edelmetallen festmachen. Die Rohstoffe verhielten sich ähnlich. Weil auch sie reale Werte darstellen, und sich diese niemals langfristig von der Entwicklung der Vermögenspreise abkoppeln werden, wurden auch sie spürbar teurer.

Wenn Real- und Vermögenspreise zu sehr von einander abweichen

Noch allen gut in Erinnerung dürften die Preisanstiege bei den Energierohstoffen sein. Öl, das in den 1960er Jahren noch für zwei Dollar je Barrel (159 Liter) zu haben war, kostete 1979 am Ende der zweiten Ölkrise knapp 40 US-Dollar. Auch die Metallpreise zogen an und mit ihnen langfristig auch die Konsumentenpreise.

Eine späte Reaktion auf die Geschehnisse in den 1970er Jahren ist, dass Notenbanken, Politik und Öffentlichkeit die Inflation meist nur an den Verbraucherpreisen festmacht. Nicht beachtet werden die rasante Ausweitung der Geldmengen und die Entwicklung der Vermögenspreise. Das ist ein Fehler.

In den USA wurde die Geldmenge seit 2008 von knapp einer Billion Dollar auf fast 4,5 Billionen Dollar gesteigert. Weil dieses Geld größtenteils in die Finanzmärkte geflossen ist, zeigte es bislang nur dort seine Wirkung. Stark gestiegen sind an den Börsen die Kurse der Anleihen und Aktien. Auch die Immobilien haben sich stark verteuert, während die Preise für Gold und Silber in den Jahren nach 2012 tendenziell rückläufig waren.

Die Tatsache, dass bisher nur die Finanz- und Vermögenspreise, nicht aber die Realpreise gestiegen sind, spricht vordergründig gegen, aber aktuell eindeutig für die Edelmetalle und die Rohstoffe. Beide zählen an dieser Stelle zu den Realpreisen, weil sie echte, reale Werte darstellen. Diese echten Werte werden besonders dann von den Anlegern nachgefragt, wenn ihre Wertaufbewahrungsfunktion in den Mittelpunkt des Interesses rückt. Das ist noch nicht geschehen, wird aber eines Tages geschehen.

Jetzt antizyklisch die noch preiswerten Güter kaufen

Da wir aus der Geschichte wissen, dass jede Steigerung der Vermögenspreise, die durch eine künstliche Vermehrung der Geldmenge hervorgerufen wird, früher oder später in der Realwirtschaft und bei den Verbraucherpreisen ankommen wird, ist es im Grunde nur noch eine Frage der Zeit, wann auch Gold, Silber und die Rohstoffe wieder stärker von dieser Entwicklung profitieren werden.

Noch bekommt man Gold und Silber zu ausgesprochen günstigen Preisen. Letzteres kann man von Aktien, Anleihen und Immobilien nicht mehr behaupten, denn die Finanzpreise weichen von den Realpreisen in einem Verhältnis ab, das zuletzt nur vor dem Platzen der Dot-com-Blase und zum Ende der großen Wachstumsphase in den späten 1960er Jahren gegeben war.

Nun gibt es prinzipiell zwei Möglichkeiten: Entweder die Vermögenspreise kommen wieder deutlich zurück, ohne dass sich bei Gold und Silber und den Realpreisen etwas tut oder die Notenbanken greifen ein und lassen mit ihrer Geldpolitik einen Rückgang der Vermögenspreise nicht zu. In diesem Fall wird die Geldschwemme wie in den 1970er Jahren und zu Beginn des Jahrhunderts in die Realwirtschaft überschwappen und die Preise für Konsumgüter ebenso wie die für Gold und Silber explodieren lassen.

Wer sich als Anleger auf diese Bewegung heute schon vorbereiten will, der kauft Gold und Silber, weil und solange diese noch günstig sind.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Handelstag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

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About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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