Gold ein faszinierendes Edelmetall zwischen Angst und Wohlstand

Auf die US-Investmentbank Goldman Sachs sind viele Goldanleger nicht wirklich gut zu sprechen. Sie halten die Bank nicht für einen Freund des gelben Metalls und sehen ihre Veröffentlichungen entsprechend kritisch. Einige gehen sogar so weit, Goldman Sachs im Zusammenwirken mit den Notenbanken eine Beteiligung an der Manipulation des Goldpreises zu unterstellen.

Ob das angebracht ist, lassen wir einmal dahingestellt sein. Trotzdem macht es Sinn, die Veröffentlichungen von Goldman Sachs zum Gold intensiv zu studieren, denn die Investmentbank hat einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf die Anleger und damit mittelbar auch auf deren Einstellung zu Gold, Silber und den anderen Edelmetallen. Mitte Oktober gab es eine interessante Veröffentlichung zum Gold.

In dieser Studie erklären die Goldman Sachs Analysten, dass sie die Edelmetalle auch weiterhin für eine relevante Anlageklasse in modernen Portfolios halten, auch wenn diese keine Zinsen bringen. Mit dieser Aussage grenzen sie sich überdeutlich vom ehemaligen Vorsitzenden der US-Notenbank Ben Bernanke ab, der Gold und die übrigen Edelmetalle für überflüssig hielt und, zumindest was die Depots der Anleger betrifft, auf dem Müllhaufen der Geschichte entsorgen wollte.

Diese Aussage kann man nicht hoch genug einschätzen, denn sie bestätigt erneut, was Goldanleger schon lange wissen: Gold ist alles andere als ein barbarisches Relikt, denn es ist in physischer Form ideal, um reale Werte über einen langen Zeitraum zu konservieren.

Gefangen zwischen zwei Polen

Die Analysten von Goldman Sachs haben das Rad nicht gerade neu erfunden, wenn sie über das Gold schreiben, dass es zwischen den Polen Angst und Wohlstand pendelt. In Krisenzeiten werden Gold und Silber gerne gekauft. Die Anleger flüchten in die sicheren Häfen heißt es dann in den Medien. Gemeint ist meist die klassische Angst beim Aufkommen einer neuen, unerwartet auftretenden politischen Krise.

Da politische Börsen bekanntlich kurze Beine haben und der Mensch nicht dauerhaft auf einem überhöhten Angst- und Stressniveau leben kann, sind diese Preisspitzen meist nicht von langer Dauer. Die Goldman Sachs Analysten definieren das Moment der Angst beim Goldkauf deshalb auch leicht anders. Sie verbinden die Angst der Investoren mit den Wachstumserwartungen.

Will heißen: Gold wird besonders in den Phasen von den Investoren gekauft, in denen man mit einem schwächeren Wirtschaftswachstum rechnet. Diese Beobachtung passt sehr gut zu den Boomphasen der Edelmetalle. In den 1970er Jahren sowie in der Dekade nach der Jahrtausendwende stieg der Goldpreis über einen längeren Zeitraum in einem stabilen Trend kontinuierlich an. Das Wirtschaftswachstum war in diesen Zeiträumen schwach bzw. unterdurchschnittlich.

Es gab gewiss auch die eine oder andere politische Krise. Aber gekauft wurden Gold und Silber primär nicht wegen der Krisen, sondern weil die Wirtschaftsaussichten eher schwach waren und die Edelmetalle von den Anlegern als sinnvolle Wertspeicher angesehen wurden. Dieser Punkt ist nicht unwichtig, denn er könnte sich in der nächsten größeren Rezession wiederholen.

Wenn man nun noch bedenkt, dass der Aufschwung seit 2009 bald in sein neuntes Jahr gehen wird, darf man getrost davon ausgehen, dass der nächste Abschwung kurz hinter der nächsten Kurve auf uns warten wird. Sollten die Anleger dann aus Furcht vor einem schwächeren Wachstum wieder zum Gold greifen, sind Preisanstiege nahezu unvermeidlich. Wer diesen zuvorkommen will, muss jetzt in der Spätsommerphase des Aufschwungs kaufen, wo von Angst noch nicht viel zu spüren ist.

Gold ist ein Wohlstandsmetall

Gold und Silber werden nicht nur von Investoren in Phasen der Angst als Absicherung für ihre Depots gekauft. Zwei besonders wichtige Triebfedern für den Erwerb der beiden Edelmetalle sind das Bedürfnis des Menschen sich zu schmücken und der Wunsch, einmal erarbeiteten Wohlstand dauerhaft und sicher zu konservieren.

Dieser Punkt wird in der Diskussion um Gold und Silber gerne übersehen. Wir kaufen die Edelmetalle nicht, wenn wir knapp bei Kasse sind, sondern immer nur dann, wenn es uns gut geht und wir persönliche Überschüsse erwirtschaften. In Zeiten der Not und des Mangels ist es eher anders herum. Dann wird auch gerne mal eine Goldmünze oder ein Silberbarren „versilbert“ um damit die täglichen Ausgaben zu bestreiten.

In Indien, wo es auf dem Land an vielen Orten noch immer kein funktionierendes Bankensystem gibt, ist diese Praxis wesentlich verbreiteter als bei uns im Westen. Dort entscheidet oftmals der Monsun darüber, ob Gold gekauft oder verkauft wird. Ist die Ernte gut, werden die überschüssigen Erträge von den Bauern in Gold getauscht und damit für die Notzeiten konserviert, in denen aufgrund einer schlechteren Ernte auf die Ersparnisse zurückgegriffen werden muss.

Gekauft werden Gold und Silber zu jeder Zeit, wenn auch aus höchst unterschiedlichen Motiven. Das gibt einem Käufer die Sicherheit, dass er die erworbenen Edelmetalle zu einem späteren Zeitpunkt auch wieder verkaufen kann. Selbstverständlich ist diese Sicherheit nicht. Wenn man daran denkt, dass Bargeld verboten und für ungültig erklärt werden kann, Zertifikate, Anleihen und andere Schuldverschreibungen ein Ausfallrisiko haben und Kryptowährungen wie die Bitcoins ohne funktionierendes Stromnetz nicht dauerhaft übertragen werden können, wird sofort klar warum.

Gold und Silber sind alte Schlachtrösser im beständigen Kampf um den Erhalt und die Vermehrung des eigenen Vermögens. Über Jahrhunderte im Einsatz haben sie nichts von ihrer Schlagkraft verloren. Dass sie kurzfristig durch andere Alternativen ersetzt werden könnten, ist nicht zu erwarten. Nicht einmal Goldman Sachs erwartet dies. Das sollte selbst den Gegnern der Edelmetalle zu denken geben.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Handelstag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

PS.: Bitte teilen Sie diesen Artikel mit Ihren Freunden, damit auch diese die Möglichkeit haben, sich mit der heute besprochenen Problematik intensiv auseinanderzusetzen.

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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