Bereiten Sie sich auf etwas noch nie dagewesenes vor!

Bernd Heim
By Bernd Heim / 22. November 2017

Sie sehen die Aktienmärkte beinahe beständig steigen, Sie sehen die extrem hohen Bewertungen, reiben sich verwundert die Augen und denken das kann doch alles nicht mehr lange gut gehen. Aber es geht gut, länger als viele es für möglich gehalten haben, und was die Kurse betrifft, scheint nicht einmal mehr der Himmel, sondern nur noch das Weltall die Grenze zu sein und dieses ist bekanntlich unendlich.

Warnungen gibt es inzwischen mehr als genug. Sie kommen nicht nur von den üblichen Adressen, sondern auch von Analysten und Kommentatoren, die nicht in Verdacht stehen, auf alles und jedes eine bärische Sicht zu haben. Die Argumente sind gewichtig und nachvollziehbar. Meist wird auf die hohen Bewertungen oder die lange Zeit, die der laufende Börsenaufschwung nun schon anhält, verwiesen.

Beides ist richtig und stellt doch eine eingeschränkte Sichtweise auf die Finanzmärkte dar. Man kann darauf verweisen, dass die Aktienmärkte steigen müssen, solange die Notenbanken weiterhin Geld drucken, das eigentlich keiner benötigt. Seit 2008 haben die westlichen Zentralbanken die globale Geldmenge um 8,3 Billionen US-Dollar erhöht. Das globale Bruttoinlandsprodukt wuchs aber nur um 2,1 Billionen US-Dollar.

Bleiben unter dem Strich 6,2 Billionen überflüssige Dollar, die nun nach Rendite suchend durch das Finanzsystem schwappen. Eigentlich hat dieses Geld keinen echten Wert, denn ihm steht keine wirtschaftliche Leistung gegenüber. Die Menschen glauben aber immer noch, dass ihrem Geld, also auch dem neu geschöpften Geld, eine wirtschaftliche Gegenleistung innewohnt.

Die nächste Krise wird anders sein

Wäre es anders, hätten wir morgen bereits nicht nur jene Inflation, die sich die Notenbanken so sehnlich wünschen, sondern eine Inflationsrate weit darüber hinaus. Mit anderen Worten: Wird den Menschen bewusst, dass die Kaufkraft ihres Geldes dramatisch schwindet, werden sie umgehend handeln und ihr Geld in bleibende Werte tauschen wollen.

Das geschieht noch nicht in dem Maße, das zu erwarten ist, wenn nicht nur einige wenige, sondern alle mitbekommen, was wirklich gespielt wird. Wann dieser Punkt erreicht ist, ist schwer zu sagen. Klar ist im Moment nur, dass wir ihn noch nicht erreicht haben. Das heißt weder, dass wir ihn nie erreichen werden, noch heißt es, dass die finanzielle Zukunft ein Spaziergang zu werden verspricht.

Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird die kommende Krise anders sein als die Krisen, die wir in den letzten 35 Jahren erlebt haben. Die große Gemeinsamkeit der Krisen der letzten 35 Jahre war, dass sie sich alle negativ auf den Aktienmarkt ausgewirkt haben. Sie mussten nicht unbedingt im Bereich der Aktienbörsen ihren Ursprung haben, lösten dort aber jene Beben aus, die uns immer noch gut im Gedächtnis sind.

Die Finanzkrise ist ein typischer Vertreter dieser Krisenart. Sie begann als reine Hypothekenkrise, mutierte schnell zur Bankenkrise und endete als globale Finanz- und Wirtschaftskrise. Während sie dies tat, blieben die Anleihenmärkte weitgehend stabil. In der Krise gesucht waren die sicheren US-Schatztitel und der US-Dollar. Alles andere verlor an Wert, auch die krisensicheren Edelmetalle Gold, Silber, Platin und Palladium.

Wird der Aktienmarkt steigen, wenn der Bondmarkt kollabiert?

Wer heute mit Sorge auf die hohen Bewertungen am Aktienmarkt schaut, geht oftmals davon aus, dass in der Anleihe-, Zins- und Währungswelt noch in Ordnung ist. Das ist es aber nicht, denn hier wurden von den Notenbanken 6,2 Billionen US-Dollar Geld produziert, das im Grunde nichts anderes als heiße Luft ist. Einen echten Wert stellt es nicht dar.

Da dieses Geld elektronisch erzeugt wurde, kann man es nicht einmal zum Heizen oder zum Anzünden einer Zigarette verwenden. Wenn man nun noch bedenkt, dass für jeden Investor, das Vermeiden von sicheren Verlusten das wichtigste Ziel seiner Anlagestrategie sein sollte, dann wird sofort klar, wo die eigentliche Gefahr lauert. Sie lauert nicht an den Aktien-, sondern an den Rentenmärkten.

Bislang war es so, dass die Investoren in den sicheren Rentenmarkt geflüchtet sind, wenn ihnen die Lage an den Aktienmärkten zu heiß wurde. Teilweise gab es auch eine Flucht ins Gold, doch der Goldmarkt war schon immer zu klein, um all die Gelder aufnehmen zu können, die auf der Flucht waren.

Nun ist die entscheidende Frage, wohin die Anleger fliehen werden, wenn ihnen die Situation an den Bondmärkten zu unheimlich wird. Der Rentenmarkt ist etwa doppelt so groß wie der Aktienmarkt. Wird auch nur ein Teil des dort angelegten Geldes abgezogen und in Sicherheit gebracht, müssen alle anderen Märkte extrem steigen, weil gar keine anderen Fluchtwege zur Verfügung stehen.

Eine noch extremere Aktienhausse als Reaktion auf eine Krise an den Anleihemärkten?

Niemand weiß, wann das Vertrauen in die Notenbanken und ihre Rettungspolitik verloren gehen wird. Die Notenbanker selbst hoffen vermutlich, dass es nie geschehen wird. Sollte der Punkt aber doch eines Tages erreicht werden, werden all jene Anleger und Anlagemanager, die sich vor Verlusten am Rentenmarkt schützen wollen, nach einem Ausweg suchen.

Auch die schon hoch bewerteten Aktienmärkte werden dabei zwangsläufig in ihren Blick geraten. Gegenüber Schulden, die nicht mehr bedient werden können und damit ausfallen müssen, ist eine Amazon mit einem KGV von 500 immer noch ein echter Wert, fast sogar ein Schnäppchen. Denn hier gibt es zumindest einen kleinen Gewinn und ein ordentliches Wachstum. Was man von einer gerade ausfallenden Anleihe nicht behaupten kann.

Preisfindungen sind eine feine Sache, wenn sie von echten Käufern und Verkäufern vorgenommen werden. Zu einem Problem werden sie jedoch in dem Moment, in dem eine der beiden Seiten kein natürlicher Käufer oder Verkäufer ist. Das ist durch die Anleihenkaufprogramme der Notenbanken seit 2009 der Fall. Echte, belastbare Preise gibt es deshalb am Rentenmarkt seit dieser Zeit nicht mehr.

Heute kann sich kaum noch jemand an die Zeiten erinnern, in denen die Zinsen beständig stiegen und Anleihen am Markt kaum noch zu platzieren waren. Sie könnten schneller wiederkommen als den Notenbanken lieb sein kann, und wenn sie eines Tages wiederkommen sollten, könnten Fluchtgelder in großem Stil aus den Anleihen abfließen und in die Aktien, Edelmetalle und Immobilien stürmen, nur um sich noch etwas Wert zu sichern.

Denken Sie mal darüber nach und denken Sie auch daran, dass eine Anleihe bereits dramatisch an Wert verliert, wenn der Zinssatz um bescheidene 0,75 Prozentpunkte steigt.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Handelstag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

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About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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