Eine der wichtigsten Fragen unserer Zeit: „Ist dies der Anfang vom Ende des Fiat-Geldes?“

Bernd Heim
By Bernd Heim / 29. November 2017

Gestellt wurde diese Frage schon vor einiger Zeit von Jim Reid, dem unorthodoxen Kreditanalysten der Deutschen Bank. Er legte im September einen phänomenalen Bericht vor, der noch vor wenigen Jahren in den Korridoren der Hochfinanz intensiv diskutiert worden wäre, denn er behandelte ein zumeist tabuisiertes Thema, die Frage nach den Katalysatoren, welche die Welt im Allgemeinen und die Finanzwelt im Besonderen in ihren gegenwärtigen katastrophalen Zustand geführt haben.

Jim Reid stellte nicht nur unangenehme Fragen. Er lieferte auch die Antworten und die können weder Politikern noch Notenbankern gefallen. Zum gegenwärtigen Dilemma geführt haben nach Jim Reid drei wichtige Punkte: die Zentralbanken, die von ihnen inszenierten Finanzblasen und die Rekordbeträge von Schulden.

Damit benennt er nicht nur die wahren Schuldigen an der Misere, sondern enttarnt auch das Gerede von der Rettung des Finanzsystems durch die lockere Geldpolitik der Notenbanken als das, was es ist, eine fromme Geschichte, der wir besser keinen Glauben mehr schenken, weil sie Handlungen verklärt, statt Entwicklungen nuanciert zu analysieren und zu erklären.

Nicht ganz ohne Sprengstoff sind auch die Konsequenzen, die Jim Reid aus seiner Beobachtung zieht. Er geht davon aus, dass es das fiskalische Geldsystem selbst war, das den gegenwärtigen Boom-Burst-Zyklus gefördert und verewigt hat. Nun ist das Fiat Money-System selbst in Gefahr, auszusterben, wenn der nächste größere Crash einsetzt.

Die Abkehr vom Gold führte immer wieder zu Schocks und Krisen

Ein Blick zurück in die Finanzgeschichte des 20. Jahrhunderts offenbart mehrere Phasen, in denen sich die Welt als Ganze oder einzelne Länder von einem durch die Edelmetalle gedeckten Währungssystem abgewendet haben. Die Gründe für diesen Bruch mit dem alten Goldregime waren verschieden. In der Folge ergaben sich jedoch mit schöner Regelmäßigkeit die immer gleichen Konsequenzen.

Es sind die typischen Bestandteile einer jeden Fiat Money-Währung: Budgetdefizite, steigende Schulden, eine enorme Kreditschöpfung, gepaart mit einer ultralockeren Geldpolitik. Auf lange Sicht fördern sie Ungleichgewichte innerhalb der Gesellschaften und eine finanzielle Deregulierung. All dies mündet in instabilere Märkte. Exemplarisch zu beobachten war diese Entwicklung in den 1970er Jahren, als nach der Abkehr vom Bretton-Woods-Abkommen Schulden und Inflationsraten drastisch stiegen.

Was die Krise in den 1970er Jahren von vorangegangenen Krisen unterscheidet, sind die Konsequenzen, die man aus ihnen gezogen hat. Während man nach früheren Experimenten immer wieder zu einer Gold- bzw. Edemetallabsicherung der Währungen zurückgekehrt ist, unterblieb dieser Schritt nach 1971. Das ist insofern verwunderlich, weil Jim Reid in seiner Studie zeigt, dass Krisen und Schocks wahrscheinlicher sind, wenn die Menschen von harten, mit Gold oder Silber hinterlegten Währungssystemen Abstand nehmen und diese aufgeben.

Dass Jim Reid bei der Deutschen Bank unter Vertrag steht und sein Geld bei einem Arbeitgeber verdient, der selbst Teil dieses Multimilliarden Dollar Schneeballsystems ist, ist fast schon so etwas wie eine Ironie der Geschichte. Nicht minder schockierend ist, das, was der Analyst im Oktober in einem Folgebericht veröffentlichte. Angeregt durch die Diskussionen, die seine Studie entfacht hatte, ging er der Frage nach, wie sich eine neue Krise auswirken könnte und kam zu dem Ergebnis, dass das Fiat-System selbst möglicherweise das schwächste Glied in einer zukünftigen Krise sein könnte.

Aus dem Rettungsanker wird eine Schwachstelle

Mangelnden Mut kann man Jim Reid gewiss nicht vorwerfen, denn er gab seinem neuen Bericht den Titel „Der Anfang vom Ende des Fiat-Geldes?“ Er zeigt auf, dass ein Fiat Money-Währungssystem, wie wir es seit 1971 haben, von Natur aus instabil ist. Es neigt zu höheren Inflationsraten, während alle anderen Dinge gleich sind.

Trotzdem glauben die Notenbanken, dass sie seit 1980 die Macht und die Kraft haben, den schädlichen Einfluss der Inflation zu begrenzen. Sie sehen sich als die Herren der Inflation, die sie entweder durch niedrige Zinsen und reichlich Geld aus dem Nichts künstlich erzeugen oder mit höheren Zinsen erfolgreich bekämpfen können.

Damit schreiben sie eine Situation unreflektiert in die Zukunft fort, die zwischen 1980 und der Gegenwart zwar gegeben war, die aber nicht notwendigerweise auch in Zukunft bestimmend sein muss. Als Konsequenz aus diesem Gedanken räumt Jim Reid ein, dass das Fiat Money-System im kommenden Jahrzehnt ernsthaft getestet werden könnte und wir schließlich vielleicht sogar eine Alternative zu ihm finden müssen.

Das ist nicht unbedingt die Geschichte der nächsten Monate und Quartale. Aber Jim Reid glaubt, dass die Trendwende bereits langsam stattfindet. Innerhalb der nächsten zehn Jahre dürften die Schwächen des gegenwärtigen Systems überdeutlich zutage treten und die Diskussion um mögliche Alternativen beginnen.

Warum Jim Reid glaubt, dass die goldenen Jahre unseres Papiergeldsystems nun Geschichte sein könnten, dieser Frage werden wir uns morgen etwas ausführlicher zuwenden.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Handelstag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

PS.: Was nichts kostet, ist nicht viel Wert? Wenn Sie nicht dieser Meinung sind und die heute besprochenen Gedanken auch Ihren Freunden und Bekannten vorstellen möchten, teilen Sie diesen Artikel bitte mit ihnen.

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

Leave a comment: