Wie sinnvoll ist es Gold zu kaufen, wenn die Aktien permanent steigen?

Die Deutschen haben in diesem Jahr etwas getan, das sie fundamental von anderen Nationen unterscheidet. Sie haben Gold gekauft und nicht nur das, sie haben sogar mehr Geld in Gold gewandelt als im Jahr zuvor. Das haben nicht einmal die traditionell ins Gold verliebten Inder getan.

In anderen Ländern war die Entwicklung ähnlich. Gold und auch sein kleiner Bruder das Silber waren vergleichsweise unwichtig und unattraktiv. Wer sie kaufte, schien etwas Wichtiges übersehen zu haben, den beständigen steilen Anstieg der Börsen rund um den Globus.

Die Aktienkurse stiegen im Jahr 2017 nicht nur stark an, sie stiegen auch weitgehend ohne nennenswerte Unterbrechungen an. Korrekturen waren Mangelware. Sie fanden entweder überhaupt nicht statt oder nahmen einen seitwärts-, manchmal auch leicht aufwärtsgerichteten Verlauf.

Starke Schwankungen sah man eigentlich nur bei den Kryptowährungen. Hier schlug das Pendel wild hin und her, auch wenn auch der Basistrend stark aufwärtsgerichtet war. Ende 2016 war ein Bitcoin erstmals so teuer wie eine Feinunze Gold. Im Folgejahr war die begehrte Kryptowährung, die auf materieller Ebene nichts anderes ist als eine Zahlenkombination auf einer Computerfestplatte, den Anlegern je nach Tageskurs sogar das vier- oder fünffache wert.

Der einsame Weg der russischen Zentralbank

Dem merkwürdigen Verhalten der Deutschen auf privater Ebene entsprach das nicht minder bemerkenswerte Handeln der russischen Notenbank. Sie kaufte allein im September 2017 1,1 Millionen Unzen Gold. Ihr Goldbestand erhöhte sich damit um 34,2138 Tonnen. Aktuell verfügt das Land über 57,2 Millionen Unzen Gold, das sind 1779,119 Tonnen.

Da Russlands Zentralbank beim Gold seit Jahren beständig auf der Käuferseite steht, waren die fortgesetzten Goldkäufe im September nicht einmal etwas Besonderes. Der Bestand der Notenbank wächst kontinuierlich. Im Juni 2015 verfügte sie noch über 1.215 Tonnen Gold, heute nicht einmal zweieinhalb Jahre später sind es über 500 Tonnen mehr.

Wenn diese Entwicklung in den kommenden Jahren so weitergeht und die Russen ihre Goldkäufe nicht stoppen, werden schon bald die Goldreserven Italiens und Frankreichs in Reichweite kommen. Sie liegen bei 2.451,8 (Italien) bzw. 2.435,9 Tonnen. Nach den USA, Deutschland, Italien, Frankreich und China hält Russland damit weltweit den sechstgrößten nationalen Goldbestand.

„Ja, haben die armen russischen Zentralbanker denn anders als ihre ‚innovativen‘ japanischen und Schweizer Kollegen denn keine Aktien zu kaufen?“, möchte man angesichts der bescheidenen Entwicklung der Preise für Gold und Silber fragen und ihnen dringend ein anderes Anlageverhalten ans Herz legen. Eines, das kurzfristig deutlich mehr Rendite bringt als es Gold und Silber derzeit tun.

Die Amerikaner konzentrieren sich lieber auf Apple und Amazon als auf Gold und Silber

Ganz anders sind die Amerikaner aufgestellt. Der Goldbestand ihrer Federal Reserve Bank verändert sich schon seit Jahren nicht mehr, während gleichzeitig die Schulden des Landes, die öffentlichen wie die privaten, beständig steigen. Um 318 Milliarden US-Dollar stieg die Staatsschuld allein am 8. September 2017.

Vorbereitet war der Markt auf diese plötzliche Erhöhung der Verbindlichkeiten nicht. Vielleicht war das der Grund, warum der Dow Jones an diesem Tag nicht so richtig in die Gänge kam und keine positiven Akzente setzen konnte. Dieses Versäumnis wurde dann später nachgeholt und der Dow entschädigte die Anleger mit einer ganzen Reihe von neuen Allzeithochs, die kurz nach einander ausgebildet wurden.

Wundert es vor diesem Hintergrund, dass die Amerikaner ihre physischen Goldkäufe um 45 Prozent reduziert haben und auch das Silber sträflich vernachlässigen? Die kurzfristige Preisentwicklung gibt ihnen recht. Bitcoins, Aktien, Immobilien – alles scheint in diesem Jahr besser zu sein als ein Kauf von Gold und Silber.

Sogar das als Investment relativ unbekannte Palladium läuft den beiden beliebtesten Edelmetallen in diesem Jahr den Rang ab und lieferte mit einem Plus von 44 Prozent eine deutlich bessere Performance ab als Gold, Silber oder gar Platin. Doch mal ehrlich, wer kauft schon Palladium? Das tun ja nicht einmal die edelmetallverliebten Deutschen, die durch die Abgasaffäre ihrer Automobilindustrie für dieses heiße Thema eigentlich etwas mehr sensibilisiert sein müssten als andere Anleger.

Manche Dinge ändern sich nie

Da die Anleger derzeit dazu tendieren, die Gegenwart unverändert in die Zukunft zu extrapolieren und jeden noch so absurden Trend bis ins Unendliche fortzuschreiben, drohen den Edelmetallen auch in 2018 schlechte Monate, während für den Dow Jones, den NASDAQ 100 und natürlich auch für den heimischen DAX sicher neue Allzeithochs zu erwarten sind.

Dass ausgerechnet die verprügelten Anlageformen des Jahres 2017 die Stars des Jahres 2018 werden könnten, haben vermutlich nur sehr wenige Anleger auf ihrem Radar. Aber genau darin besteht der Reiz eines heutigen Edelmetallkaufs. Wer Gold und Silber physisch erwirbt und um Zertifikate und Papiergold einen großen Bogen macht, der kauft vordergründig das älteste Geld der Welt.

Im übertragenen Sinn kauft er jedoch wesentlich mehr, denn er erwirbt nicht nur das älteste und beständigste Geld der Welt, sondern auch einen Optionsschein bzw. eine Option ohne jeden Zeitwertverlust. Die Optionen sind ein Call und ein Put in einem, ein Put auf den von den Notenbanken künstlich aufgeblasenen Aktienmarkt und ein Call auf einen echten, unvergänglichen Wert.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Handelstag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

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About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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