Treibt China die Finanzmärkte in die nächste globale Krise?

Nach der Finanzkrise war China die Lokomotive, die die Weltwirtschaft mit einem gewaltigen Investitionsprogramm aus dem Tal der Tränen zog und wieder in Schwung brachte. Nun jedoch mehren sich die Anzeichen, dass ausgerechnet das Reich der Mitte der Ursprung für die nächste globale Krise an den Finanzmärkten werden könnte.

Diese Wandlung mag für viele Anleger, besonders jene, die China nicht so intensiv im Blick haben, überraschend kommen. Sie wird aber verständlich, wenn man nach der Basis für den Aufschwung in den Jahren nach der Finanzkrise fragt. Dieser wurde begründet durch ein massives Investitions- und Bauprogramm, das über neue Kredite finanziert wurde.

Diese Kredite, die damals als Stimulation für die Wirtschaft wirkten, sind heute eine Belastung. Eine Belastung, die inzwischen so groß geworden ist, dass sie nicht nur für China allein, sondern auch für alle seine Handelspartner zu einer ernst zu nehmenden Gefahr geworden ist. Betroffen von den möglichen Auswirkungen sind nicht nur die Rohstoffnationen, die bislang prächtig an den enormen chinesischen Rohstoffeinfuhren verdient haben.

Betroffen sind auch Länder wie Deutschland, die einen großen Teil ihre Exporte nach China liefern. Letztlich werden aber alle Länder betroffen sein, weil Chinas Probleme die Geld- und Zinspolitik nicht nur seiner Notenbank beeinflussen werden. Bislang hat die Peoples Bank of China wie andere westliche Zentralbanken auch eine sehr lockere Geldpolitik verfolgt. Damit könnte es nun vorbei sein und steigende Zinsen im Reich der Mitte könnten über kurz oder lang finanzielle Schockwellen rund um den Globus schicken.

Schnelles oder langsameres Wachstum?

Für China begeistert haben sich die internationalen Investoren vor allem wegen der hohen Wachstumsraten. Lange Zeit waren diese zweistellig. Dieses hohe Wachstum lies sich allein schon mit Blick auf die statistischen Basiseffekte nicht dauerhaft durchhalten. Doch auch ein Wirtschaftswachstum von sechs bis sieben Prozent ist immer noch ein kräftiger Schub. Es bedeutet mehr industrielle Produktion, konstant hohe Rohstoffeinfuhren und auch eine höhere Nachfrage nach Energie.

Der 19. Parteitag, der im Oktober in Beijing über die Bühne ging, gibt aber Anlass zu der Erwartung, dass die chinesische Regierung in Zukunft ein schwächeres Wachstum zu tolerieren bereit ist. Han Wenxiu, der stellvertretende Leiter des Forschungsbüros des Staatsrats, erklärte beispielsweise, dass ein BIP-Wachstum von 6,3 Prozent in den Jahren 2018-2020 ausreichen würde, um das Wachstumsziel der Partei bis 2020 zu erreichen.

Die Aussage ist doppeldeutig. Auf der positiven Seite werden die Wachstumsziele der Regierung bis zum Jahr 2020 bestätigt. Gleichzeitig wird aber auch angedeutet, dass sich das Wachstum im Jahr 2018 verlangsamen wird. Hier schrillen sogleich die ersten Alarmglocken, denn einigen Analysten ist beim Studium der jüngsten Wirtschaftsdaten bereits aufgefallen, dass sich der Konjunkturzyklus tatsächlich abgekühlt hat.

Der Gegenwind manifestiert sich in drei wichtigen Beobachtungen: Zum ersten Mal seit dem vierten Quartal 2004 ist das Wachstum der Anlageinvestitionen im dritten Quartal dieses Jahres real negativ gewesen. Auch die Zahl der Immobilienverkäufe für das gesamte Land war im Oktober erstmals seit 2015 negativ. Der Immobilienboom verliert nicht nur in den großen Metropolen an Schwung. Auch in den sogenannten Tier-3-Städten lässt die Dynamik nach.

Steigende Inflation als Vorbote steigender Zinsen?

Die Inflation war in China schon in den vergangenen Jahren immer ein Thema. Sie ist es auch weiterhin, denn der Preisanstieg der Konsumentenpreise ohne Nahrungsmittel lag im Oktober 2017 mit 2,4 Prozent deutlich über dem durchschnittlichen Anstieg von 1,3 Prozent, der in der Vergangenheit beobachtet wurde. Teurer wurden vor allem die Preise für Dienstleistungen. Im Gesundheitswesen stiegen sie im Jahresvergleich um 7,2 Prozent, im Bildungssektor um 2,8 Prozent und im Bereich der inländischen Services um 4,3 Prozent.

Es wird erwartet, dass die Verbraucherpreisinflation bis zum Februar 2018 auf 3,1 Prozent ansteigen wird. Zwar erwarten die Analysten der Deutschen Bank, dass sich der Preisanstieg im zweiten Halbjahr verlangsamen wird, doch das Risiko, dass die Inflation im gesamten Jahr über drei Prozent liegen wird, besteht.

Eine derart hohe Inflation kann die chinesische Zentralbank nicht dauerhaft ignorieren. Sie kann ihre lockere Geldpolitik vor dem Hintergrund dieser Inflationszahlen nicht beibehalten und wird diese straffen müssen. Damit sind höhere Zinsen in China nur noch eine Frage der Zeit. Mehr noch, wir müssen sogar damit rechnen, dass die Zinsen am Ende in China schneller steigen werden als in den USA.

Für den Aktienmarkt wie auch für die Nachfrage nach Immobilien sind steigende Zinsen Gift. Sie werden die Nachfrage ausdünnen und einen Verkaufsdruck erzeugen. Dieser kann sich schnell bremsend auf die gesamte wirtschaftliche Entwicklung im Land ausweiten. Damit könnten in 2018 nicht nur für Chinas Rohstofflieferanten und Aktionäre schlechte Zeiten anbrechen. Der Rest der Welt wird im Fall der Fälle sehr schnell in Mitleidenschaft gezogen werden, weil die Geldschwemme eingeschränkt wird und wichtige Impulse aus dem Reich der Mitte fehlen werden.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Handelstag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

PS.: Bitte teilen Sie diesen Artikel mit Ihren Freunden, damit auch diese die Möglichkeit haben, sich mit der heute besprochenen Problematik intensiv auseinanderzusetzen.

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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