Setzen Sie lieber auf Gold und Silber, wenn alle nach dem aktuellen Bitcoinkurs fragen

Bernd Heim
By Bernd Heim / 20. Dezember 2017

Ein König, wer den morgigen Bitcoinpreis heute bereits kennt. Da er leicht zehn oder zwanzig Prozent höher oder auch niedriger stehen könnte, sind üppige Gewinne oder saftige Verluste vorprogrammiert. Das Einzige, was wohl wenig wahrscheinlich ist, ist, dass der Bitcoinkurs morgen nur in einer begrenzten Handelspanne seitwärtslaufen wird.

Die Glücksritter haben die Kryptowährungen schon lange für sich entdeckt, einige Daytrader auch. Sie finden hier noch die Volatilität, die sie an den Aktienmärkten inzwischen schmerzlich vermissen. Erfahrene Trader wissen um ihr Risiko und sie haben gelernt, es zu beherrschen.

Nun aber beginnt eine neue Phase und sie verspricht nur geringe Aussichten auf ein Happy End. Denn für den Bitcoin und die anderen Kryptowährungen interessieren sich inzwischen auch die, die nicht die Zeit für eine mühsame Aktienauswahl haben, aber unbedingt über Nacht steinreich werden wollen.

Vielleicht haben auch schon Ihr Friseur oder der Taxifahrer, in dessen Fahrzeug Sie letztlich eingestiegen sind, qualifizierte Empfehlungen zum Bitcoin oder einer der anderen über tausend Kryptowährungen abgegeben. Wenn Sie jung sind, erleben Sie solch eine allgemeine Begeisterung möglicherweise zum ersten Mal. Ältere Semester könnten sich leicht um 20 Jahre zurück in die Zeit des Neuen Markts versetzt fühlen.

Führt der Weg zum schnellen Reichtum wieder einmal über schmerzliche Verluste?

An den Kryptowährungen scheiden sich momentan die Geister. Das war beim Internet vor 20 Jahren nicht anders. Die Einen meinten es nicht zu brauchen und die Anderen versprachen sich eine goldene Zukunft. Deshalb ist eine der entscheidenden Fragen derzeit, aus welchen Gründen die Anleger die Kryptowährungen kaufen. Ist es allein der Wunsch schnell reich zu werden? Oder wird mit dem Kauf primär die Suche nach einer Alternative zum Papiergeld der Notenbanken zum Ausdruck gebracht.

Vermutlich sind beide Motive kaufbestimmend, wenn auch nicht beide bei allen Anlegern. Beide Wünsche sind legitim. Ob sie sich mit den Kryptowährungen umsetzen lassen, ist jedoch eine andere Frage. Entscheidend ist auch der Zeithorizont, der mit beiden Motiven verbunden ist. Er dürfte einen erheblichen Einfluss auf die Frage haben, ob das beim Kauf entscheidende Motiv realisiert werden kann oder nicht.

Der Traum vom schnellen Reichtum bietet derzeit kurzfristig betrachtet die schnellere Chance auf eine Realisation. Man muss nur die zukünftige Marktbewegung richtig antizipieren. Anschließend setzt man je nach Eingebung oder vorangegangener Analyse auf steigende oder fallende Kurse.

Die Masse der Anleger, vor allem die Masse der neuen Bitcoinanleger, wird vermutlich auf steigende Kurse setzen. Sie kann nur darauf hoffen, dass die Party noch nicht zu Ende ist und jedes Tief von den Anlegern gleich wieder gekauft wird, sodass neue Hochs nur noch eine Frage der Zeit sind.

Wilde Spekulation oder echte Alternative zum Fiat Money?

Kurzfristig kann diese Hoffnung aufgehen. Auf lange Sicht wird sie vermutlich schwer enttäuscht werden, denn auch die längsten und steilsten Börsen- und Preisrallyes haben die unangenehme Eigenschaft irgendwann einmal zu enden. Spätestens dann wird Katerstimmung angesagt sein.

Diesen unangenehmen Weg werden auch die Kryptowährungen und ihre Anhänger gehen müssen, wenn sie sich nicht bald als echte Geldalternative profilieren. Als echtes Geld sollten sie allerdings vor allem eines nicht: stark schwanken, sondern konstant sein. Diese Konstanz wird sie für die Trader unattraktiv, für die Menschen allerdings als Alternative zum Fiat-Money-System der Notenbanken attraktiv machen.

Momentan ist nicht zu sehen, dass dieser Weg beschritten wird. Zu offensichtlich ist die Goldgräberstimmung, zu sehr lockt der schnelle Gewinn. Damit schwindet die Motivation Bitcoins zu kaufen für all jene, die dem schwindsüchtigen Papiergeld kritisch gegenüberstehen und nach einer Alternative suchen. Sie müssen sich notgedrungen nach einem anderen Ausweg umschauen.

Das Beispiel der Bitcoins zeigt aber nur zu gut, was passiert, wenn die breite Masse wachgerüttelt wird und sich auf den Weg macht. Vor einem Jahr, als der Bitcoin erstmals teurer war als eine Feinunze Gold, konnte sich kaum jemand vorstellen, dass der Bitcoinkurs an die Schwelle zur Fünfstelligkeit vorstoßen würde. Inzwischen sind wir schlauer und wer sagt, dass hier schon langfristig Schluss ist?

Bitcoin als Vorbild für Gold und Silber

Gold und Silber haben einige Gemeinsamkeiten mit den Kryptowährungen. Sie sind wie diese im Angebot begrenzt und entziehen sich zu einem gewissen Teil dem Einfluss und der Kontrolle der Notenbanken. Sie stehen außerhalb des Finanzsystems und bieten damit die Chance, dessen möglichen Zusammenbruch zumindest mit einem Teil seiner Ersparnisse unbeschadet zu überstehen.

Anders als die Bitcoins verfügen die Edelmetalle jedoch über eine bis in die Antike zurückreichende Geldfunktion. In dieser Funktion haben Gold und Silber nicht nur sehr lange, sondern auch sehr erfolgreich gewirkt. Ein wenig ist diese Funktion in den letzten 50 Jahren in Vergessenheit geraten, doch die Menschen werden sich wieder an sie erinnern, wenn es Zeit ist.

Wer sich auf diese Zeit vorbereiten will, der legt immer wieder einen Teil seiner Ersparnisse in Gold und Silber an. Nicht viel, schon gar nicht alles, aber genug, um jenen stürmischen Ereignissen, die über unser marodes Finanzsystem mit seinem Kreditgeld jederzeit hereinbrechen können, gewachsen zu sein.

Niemand weiß, ob dem heutigen Papiergeld eine massive Vertrauenskrise bevorstehen wird und wenn ja, wann diese eintreten wird. Doch wenn es so kommt, werden Gold und Silber in Papiergeld gerechnet, eine Preisentwicklung zeigen, gegen die der steile Anstieg der Kryptowährungen im laufenden Jahr nur ein laues Lüftchen war.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Handelstag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

PS.: Auch wenn die Informationen auf 7vor8.de für Sie kostenlos sind: In jedem Artikel stecken eine gründliche Recherche und eine Menge Aufwand. Deshalb meine Bitte an Sie: Teilen Sie diese Kolumne mit Ihren Freunden und Bekannten, wenn Sie möchten, dass auch andere die Möglichkeit haben von diesen wertvollen Informationen zu profitieren.

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

Leave a comment: