Auch in 2018 gibt es kein Entrinnen aus der Schuldenfalle

Seit Mitte der 1990er Jahre steigen die Schulden deutlich schneller als das Bruttoinlandsprodukt. Das wäre kein Problem würden mit dem geliehenen Geld echte Investitionen angestoßen und die Produktivität langfristig gesteigert. Doch dem ist leider nicht so. Ein großer Teil der Schulden, insbesondere der staatlichen Schulden, sind Konsumschulden und keine Investitionskredite.

Mit der Höhe der Schulden wächst auch das Risiko ihres Ausfalls, denn der Weg von einer hohen Verschuldung zu einer Überschuldung ist im Zweifelsfall kurz, besonders dann, wenn widrige wirtschaftliche Umstände hinzukommen und eine bestehende finanzielle Notlage zusätzlich verschlimmern.

Sind die strauchelnden Schuldner zu groß und zu wichtig, wächst die Gefahr, dass die Notenbanken eingreifen und die Schuldner über die Notenpresse finanzieren. Da diese Finanzierung inzwischen elektronisch erfolgt, fällt es besonders leicht, entsprechende Maßnahmen anzustoßen.

Auf lange Sicht werden sie jedoch zu einer spürbaren Entwertung des Geldes führen. Die Kaufkraft sinkt und die Inflation steigt. Auf diesen Effekt zielt die aktuelle Politik der Notenbanken nun schon seit einiger Zeit. Dass wir die gewünschte Inflation noch nicht in den Konsumentenpreisen sehen, bedeutet dabei nicht, dass wir sie generell nicht mehr sehen werden.

Kredit ist nicht gleich Kredit

In einem goldgedeckten Währungssystem stehen einem gewährten Kredit immer echte Ersparnisse gegenüber. Dieser Zusammenhang ist in unserem Papiergeldsystem aufgehoben worden. Neues Geld kann hier aus dem Nichts, also ohne, dass ihm eine wirtschaftliche Gegenleistung gegenübersteht, erzeugt werden.

Dieser Effekt senkt, wie seit Jahren zu beobachten, nicht nur die Zinssätze künstlich ab. Er verleitet Unternehmen und Privathaushalte auch zur Aufnahme neuer Schulden und vergrößert damit die Gefahr einer Überschuldung.

Kurzfristig betrachtet wirken die zusätzlichen Kredite stimulierend. Auf lange Sicht jedoch hat der Boom keinen Bestand, weil er sich nicht auf eine echte, sondern nur auf eine künstlich initiierte Nachfrage stützt. Bricht diese Nachfrage eines Tages weg, ist auch der Boom sofort Geschichte.

Zahlreiche Geschäftsmodelle, die auf diese künstliche Nachfrage ausgerichtet waren, erweisen sich dann als Flops und müssen aufgegeben werden. Unternehmenspleiten und Privatinsolvenzen sind die unangenehmen Konsequenzen dieser Fehlkalkulationen von Kapital und Ressourcen.

Die Schulden steigen schneller als die Einkommen

Gehen die Kalkulationen im Vorfeld der Kreditaufnahme zu oft nicht auf, wachsen die Schulden am Ende schneller als die Einnahmen. Dies gilt sowohl für die öffentlichen wie die privaten Haushalte. Das Phänomen ist bereits seit einiger Zeit zu beobachten. Es verbirgt sich hinter der Beobachtung, dass der Aufschwung bei vielen Menschen nicht mehr ankommt.

Beim Staat kommt hinzu, dass viele seiner Ausgaben keine echten Investitionen mehr sind. Werden beispielsweise neue Einsatzfahrzeuge für Polizei oder Feuerwehr beschafft, so handelt es sich streng genommen nur um eine Verbrauchsausgabe, weil ein älteres, abgenutztes Fahrzeug durch ein neues ersetzt wird. In den öffentlichen Haushalten werden diese Kosten jedoch als „Investitionen“ geführt. Dem Bürger wird damit einmal mehr Sand in die Augen gestreut und das Offensichtliche wird bewusst umgedeutet und verschleiert.

In einem ungedeckten Papiergeldsystem lassen sich die bei den Banken aufgebauten Schulden nicht mehr vollständig zurückzahlen, denn eine vollständige Tilgung der Kredite setzt ein Schrumpfen der Geldmenge und damit eine Deflation voraus. Der dadurch entstehende allgemeine Preisverfall würde weitere Geschäftsmodelle ins Wanken bringen, was definitiv nicht gewünscht ist.

Um das bisherige Beschäftigungs- und Produktionsniveau aufrechtzuerhalten und um Zahlungsausfälle im großen Stil zu verhindern, bleibt am Ende gar nichts anderes mehr übrig, als offene Rechnungen mit der elektronischen Notenpresse zu bezahlen. Auf diese Notwendigkeit steuern wir mit steigender Geschwindigkeit immer weiter zu. Als Anleger tun wir gut daran, uns auf diese äußerst kritische Situation beizeiten vorzubereiten.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Handelstag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

PS.: Bitte teilen Sie diesen Artikel mit Ihren Freunden und Bekannten, damit auch Ihre Freunde die Möglichkeit haben, sich mit der heute besprochenen Problematik intensiv auseinanderzusetzen.

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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