Der nächste Crash ist unausweichlich

Bernd Heim
By Bernd Heim / 27. Februar 2018

Die Medien bezeichnen inzwischen leider jede normale Korrektur als Crash, weil das beim Publikum Ängste weckt und mehr Aufmerksamkeit hervorruft. Damit verkommt nicht nur unsere Sprache, sondern auch unser Gespür für Fehlentwicklungen an den Finanzmärkten. Hier gilt es zu unterscheiden zwischen dem normalen Auf und Ab der Kurse an der Börse, das mehr unserem Ein- und Ausatmen entspricht, und dem echten Crash, also dem Platzen einer künstlich aufgebauten Blase.

Die normalen Schwankungen der Kurse sind nicht das Problem. Sie gehören zur Börse wie die Jahreszeiten zum Jahr. Etwas ganz anderes ist es, wenn durch eine falsche Geld- und Finanzpolitik die Weichen so gründlich falsch gestellt werden, dass neue Blasen und deren späteres Platzen in einen lauten Crash unausweichlich werden.

Tritt man als Anleger einen Schritt zurück und löst seinen Blick von den kurzfristigen Schwankungen der Börse, dann wird klar, dass wir seit 30 Jahren im Grunde von einer Krise in die nächste treiben und eine Spekulationsblase auf die andere folgt, wobei jede Blase mit einer schönen Regelmäßigkeit in einem handfesten Crash endet.

Es begann mit dem Crash am japanischen Aktienmarkt Ende der 1980er Jahre. Ihm folgten die Blasen in den Emerging Markets, die 1998 in der Asienkrise endete. Das Kapital verließ Asien, strömte an die angeblich sichere Wall Street und fütterte dort die New Economy-Blase. Nach deren Platzen ging es am US-Immobilienmarkt weiter.

Neue Blasen bilden sich nie dort, wo die alten geplatzt sind

Auch der kollabierte ebenso wie die Märkte für die Staatsanleihen der europäischen Krisenstaaten, die nach der Euroeinführung durch sinkende Zinsen und ein fehlendes Risikobewusstsein auf sich aufmerksam machten. Als Nächstes dürfte der Rentenmarkt insgesamt kollabieren, denn die niedrigen Zinsen haben die Renditen auch für mit Tripple A bewertete Staatsanleihen in absurde Höhen getrieben.

Damit ist das Grundübel der letzten 30 Jahre benannt und es ist im Grunde egal, welche Notenbank mit ihren konkreten Maßnahmen gerade die falschen Impulse gesetzt hat. Immer ging es darum, dass preiswerte Kredite die Wirtschaft und das Wachstum beleben sollten. Tatsächlich befördert haben sie aber nur die Bildung einer neuen Blase.

Der Grund für das fortgesetzte Scheitern der Notenbankpolitik bestand darin, dass das billige Geld von den Anlegern dankend angenommen und umgehend in andere Märkte umgeleitet wurde. So konnten dort schnell neue Blasen entstehen, während sich am eigentlichen Zielort des Geldes keine grundlegende Verbesserung zum Guten ergab.

Nicht nur die Immobilien- und Rentenmärkte sind heiß gelaufen. Auch der DAX schwebt in Kursregionen, die fundamental kaum mehr zu rechtfertigen sind. Seit seinem Tief im März 2009 hat er sich um 220 Prozent emporgeschwungen. Die deutsche Wirtschaft ist im gleichen Zeitraum aber nur um 14 Prozent gewachsen.

Die Europäische Zentralbank setzt die falschen Anreize

Selbst wenn man berücksichtigt, dass die Kurse während der Finanzkrise zu tief gefallen waren, so bleibt immer noch eine nicht zu rechtfertigende Diskrepanz zwischen der Entwicklung am Aktienmarkt und der in der Realwirtschaft. Diese Abweichung verlangt nach einem Ausgleich, der, wenn er denn kommt, mit hoher Wahrscheinlichkeit crashartig erfolgen wird.

Zwar haben die Regierungen auf jeden Crash mit schärferen Regeln reagiert, aber die Spekulation ist ihnen dennoch immer einen Schritt voraus, denn Kapital ist an den Märkten schneller verschoben, als Regelungen in großen Organisationen wie der EU beschlossen oder Gesetze im Parlament verabschiedet sind.

Viele Anleger sind heute nur deshalb so risikofreudig, weil sie aus der Erfahrung der letzten Jahre wissen, dass die Notenbanken ihnen in einer Krise beistehen und bei einem Crash die schlimmsten Folgen abfedern werden. Durch diese Sorglosigkeit werden weitere Blasen befeuert. Die Notenbanken tun aber so, als könnten sie Blasen nicht frühzeitig erkennen. Sie halten stur an ihrem Inflationsziel von zwei Prozent fest, obwohl sich die verheerenden Auswirkungen ihrer lockeren Geldpolitik gerade in jenen Bereichen zeigen, die nicht von der Inflationsstatistik abgedeckt werden, etwa den Preisen von Aktien, Häusern, Luxusgütern oder Kunstobjekten.

Die Menschen erkennen noch nicht das wirkliche Grundübel

Die günstigen Kredite der Notenbanken subventionieren viele Firmen. Leider zumeist die Falschen, denn viele müssen sich gar nicht mehr groß anstrengen. Weil die Finanzierungskosten gegen null gehen, können sie mit ihren alten Produkten auf dem Markt überleben. Das lähmt das Wachstum und die Produktivität. Letztere ermöglicht jedoch erst jene Gewinne, welche die Voraussetzung für reale Lohnerhöhungen sind. Damit zerstört die aktuelle Geldpolitik den eigentlichen Motor des Kapitalismus.

Die Schere zwischen Arm und Reich wächst und überall in der Welt machen Politiker mit den vermeintlich einfachen Lösungen auf sich aufmerksam. Donald Trump ist ein prominentes Beispiel, jedoch nicht das einzige. Er hat Länder wie Mexiko, Deutschland und China als Schuldige ausgemacht und verteufelt die Globalisierung.

Das ist leicht zu verstehen und dringt deshalb in die Köpfe und Herzen der Menschen vor. Dabei ist die Grundannahme vollkommen falsch, denn die Globalisierung führt weltweit zu Produktivitätsgewinnen und schafft deshalb Wohlstand. Sie ist im Grunde ein Segen für die Menschen, während es die Geldpolitik ist, die viele Menschen zu Verlierern macht.

Ändern wird sich das Ganze nur, wenn sie lockere Geldpolitik ihr Ende findet. Der Schritt ist längst überfällig. Er hätte in dem Moment vollzogen werden müssen, in dem die Wirtschaft wieder aus einer Rezession in einen neuen Aufschwung gleitet. Er wurde in den vergangenen Jahren verpasst, weil die Notenbanken Angst hatten, den zarten Aufschwung zu schnell wieder abzuwürgen.

Die Konsequenz ist entweder ein Ende mit Schrecken oder ein Schrecken ohne Ende. Im ersten Fall sehen wir an vielen Märkten, nicht nur am Aktienmarkt einen Crash, der seinen Namen zurecht verdient und der in die Geschichtsbücher eingehen wird. Im anderen Fall wird am Ende auch ein Eintrag in die Geschichtsbücher stehen. Allerdings wird dieser Eintrag von einer zunehmenden Radikalisierung und immer brutaleren Verteilungskämpfen innerhalb der Gesellschaften berichten.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Handelstag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

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About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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