Auch moderne Fake-News können diesen Irrglauben nicht retten

Bernd Heim
By Bernd Heim / 28. Februar 2018

Papier ist bekanntlich geduldig, das Internet aber um einiges „geduldiger“. Sie mögen sich jetzt vielleicht angesichts des ersten Satzes verwundert die Augen reiben, denn im hektischen Internetzeitalter scheinen die Menschen alles zu haben nur keine Geduld und im Netz können bereits drei Tage eine sehr lange Zeit sein, von zwei Wochen ganz zu schweigen.

Trotzdem ist das Internet an einer Stelle sehr geduldig. Die Tageszeitung von gestern landet spätestens im nächsten Monat auf dem Altpapier, doch Veröffentlichungen im Netz sind auch noch Jahre später dort zu finden. Das begünstigt insbesondere jene Autoren, die sich im Netz mit zweifelhaften Theorien und falschen Argumenten aus der Deckung wagen.

Falsche Ansätze und Theorien können sich dort als besonders hartnäckig erweisen. Und wir wissen: Eine falsche Aussage wird nicht dadurch wahr, dass man sie immer wieder wiederholt. Aber sie wird, obwohl unwahr, von den Menschen leichter geglaubt, wenn diese wieder und wieder auf diese Behauptung stoßen und sie unreflektiert konsumieren.

An dieser Stelle wird der Segen unserer modernen Kommunikationsmittel sehr leicht zu einem Fluch. Dieser Fluch weitet sich in unseren Tagen gerade aus, denn immer mehr Meinungsmacher erkennen die Chancen des Internets und sie zögern nicht, mit Fake-News und mit gekauften Kommentaren die öffentliche Meinung in ihrem Sinn zu beeinflussen.

Verschweigen ist auch eine Form der Kommunikation

Wir werden uns in Zukunft mit diesem Problem leider immer öfter und intensiver herumärgern müssen. Es wird unser ständiger Wegbegleiter sein und wir werden mehr unserer wertvollen Lebenszeit dafür aufbringen müssen zu entscheiden, ob eine uns vorgetragene Aussage der Wahrheit entspricht oder nicht, denn anders als früher können wir nicht mehr davon ausgehen, dass unsere Gesprächspartner uns nach bestem Wissen und Gewissen nur das erzählen, was sie für die Wahrheit halten.

An dieser Stelle wird es nicht nur im Bereich des Politischen schwierig. In Fragen der Politik war es schon immer schwerer als anderswo sauber zu trennen, wo eine allgemeine Tatsache endet und wo eine rein persönliche Meinung beginnt. Wenn man dann auch noch bedenkt, dass Regierungen dazu tendieren, unangenehme Wahrheiten ihren Bürgern so lange wie möglich zu verheimlichen, wird es besonders schwer, denn wir müssen als Konsequenz dieser leidvollen Erfahrung uns selbst dazu erziehen, das Offensichtliche zu sehen, lange bevor die Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft bereit sind, es uns gegenüber zuzugeben.

Die Schlacht um Stalingrad, die Reaktorkatastrophe in Tschernobyl und das Drama um einen möglichen Bruch des Orovill-Staudamms in Kalifornien im vergangenen Jahr diese drei Beispiele stehen exemplarisch für die Desinformationspolitik von Regierungen und die Gefahren, die für uns Bürger aus ihr erwachsen.

In Stalingrad war die 6. Armee, seit Ende November 1942 eingeschlossen. Der Versuch, den Kessel von außen aufzusprengen, scheiterte kurz vor Weihnachten. An Weihnachten selbst und in den Tagen danach spiegelte der Wehrmachtsbericht der Bevölkerung eine Normalität vor, die längst nicht mehr gegeben war. Erst wenige Tage vor dem Ende der Schlacht stellte die deutsche Propaganda schlagartig auf eine Schwarzmalerei um.

Leugnen, leugnen, leugnen … und dann endlich das Offensichtliche zugeben

Bei der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl war es ähnlich. Als in Westeuropa auf Wiesen und Feldern schon überall erhöhte Cäsiumwerte gemessen wurden, stritt die sowjetische Führung noch immer ab, dass es überhaupt ein Problem in einem ihrer Atomkraftwerke gegeben hätte. Kurze Zeit später musste eine ganz Stadt Hals über Kopf umgesiedelt werden, um die Bevölkerung vor der Strahlenbelastung zu schützen.

Ähnlich lagen die Dinge im Februar 2017 in Kalifornien. Ein möglicher Bruch des vom vielen Regen bis zum Rand gefüllten Orovill-Staudamms wurde vom Betreiber und den Behörden lange Zeit ausgeschlossen. Man beruhigte die Menschen mit dem Hinweis, dass man die Lage im Griff hätte, bis jene Nachrichten über die Sender und Handys gingen, mit denen die betroffene Bevölkerung zum sofortigen Verlassen ihrer Häuser aufgefordert wurde. Anschließend war das Chaos perfekt und alle, die fliehen mussten, konnten es kaum tun, weil die Straßen völlig verstopft waren.

Das Muster ist immer wieder das gleiche. Solange es geht, wird der Bevölkerung Sand in die Augen gestreut und eine unangenehme Wahrheit verheimlicht. Erst wenn es sich nicht mehr vermeiden lässt, kommt die bittere Wahrheit an Licht. Aber dann ist es in vielen Fällen schon zu spät, um noch angemessen zu reagieren.

Auch in Wirtschaftsfragen sind wir durch Politiker und Wissenschaftler einer ähnlichen, lang anhaltenden Desinformationskampagne ausgesetzt. Durch ständige Wiederholung werden uns Glaubenssätze in die Köpfe gepflanzt, die zwar vollkommener Blödsinn sind, aber die so schön und angenehm klingen, dass sie immer wieder gerne geglaubt werden.

Endloses Wachstum ist unrealistisch

Wir brauchen mehr oder ein stärkeres Wachstum! Forderungen wie diese, werden gerade in Wahlkampfzeiten gerne erhoben. Mit ihnen wird suggeriert, dass ein endloses Wachstum erstens möglich und zweitens auch erstrebenswert sei. Die erste Annahme ist definitiv falsch und die zweite zumindest diskussionswürdig.

Bleiben wir jedoch nur bei der ersten Annahme, dass das wirtschaftliche Wachstum zumindest im Prinzip unbegrenzt sei. Wer diese These vertritt, der muss sich leider vorwerfen lassen, dass der Wunsch Vater des Gedankens war, denn unsere Erde ist anders als das Universum begrenzt. Der uns zur Verfügung stehende Raum ist ebenso begrenzt wie die Erdmasse. Damit sind auch die in ihr enthaltenen Rohstoffe begrenzt.

Wirtschaftliches Wachstum setzt aber zwangsläufig einen höheren Verbrauch von Rohstoffen voraus. Solange die Zahl der Menschen vergleichsweise gering und Menge der verfügbaren Ressourcen relativ groß war, stand einem wirtschaftlichen Wachstum nichts im Wege. Auch ein dauerhaftes Wachstum war möglich.

Inzwischen sind aber bei vielen Rohstoffen die leicht zugänglichen Quellen verbraucht und auch die Gesamtmenge der noch vorhandenen Rohstoffe wird zunehmend zu einem Problem. Soll unsere Wirtschaft weiter beständig wachsen, müssen wir wollen, dass in kürzerer Zeit mehr Ressourcen verbraucht werden. Das wird noch eine gewisse Zeit lang gutgehen, doch eines Tages werden auch die größten Wachstumsbefürworter einsehen müssen, dass mangels verfügbarer Rohstoffe auch das Wachstum selbst endlich ist.

Es ist deshalb die Frage, ob wir wirklich mehr Wachstum benötigen, um unsere Welt lebenswerter und attraktiver zu machen. Vielleicht brauchen wir statt mehr Wachstum auch einfach nur mehr Gerechtigkeit. Aber das ist eine andere Frage, die sich gewisse mächtige, reiche und entsprechend einflussreiche Kreise aus gut nachvollziehbaren Gründen nur höchst ungern stellen. Wir sollten uns an diesem Unmut aber nicht stören und die Frage trotzdem immer wieder mit allem Nachdruck stellen.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Handelstag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

PS.: Bitte teilen Sie diesen Artikel mit Ihren Freunden und Bekannten, damit auch Ihre Freunde die Möglichkeit haben, sich mit der heute besprochenen Problematik intensiv auseinanderzusetzen.

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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