Steinhoff: Zocken mit hohem Hebel und ohne Fallschirm

Ob die Steinhoff-Aktie jemals ein seriöses Investment war, darüber lässt sich trefflich streiten. Außer Frage stehen dürfte jedoch, dass die Aktie inzwischen als Pennystock hauptsächlich für die Zocker unter den Anlegern von Interesse ist, denn vor dem Hintergrund des geringen Kurswertes bedingen selbst kleinere Kursgewinne oder -verluste hohe prozentuale Schwankungen.

Wer die Steinhoff-Aktie handelt, der tradet auch ohne Optionsscheine oder Turbozertifikate mit hohem Hebel. Da die Meisten die Aktie allerdings nur long handeln, dürfte in den letzten Tagen unter den investierten Anlegern nur sehr wenig Freude aufgekommen sein, denn der Kurs der Aktie hat sich deutlich ermäßigt.

Allein am Freitag betrug das Minus zur Schlussglocke stolze 18 Prozent und das auch nur, weil zum Ende des Handels noch einmal etwas Kauflaune aufkam und das zwischenzeitlich deutlich größere Minus wieder reduziert werden konnte. Ob diese Kursgewinne heute am Beginn der neuen Handelswoche noch Bestand haben werden, wird sich zeigen. Das Eis, auf dem sie stehen, ist zumindest sehr dünn und brüchig.

Seit Mitte Januar befindet sich die Aktie des angeschlagenen Möbelhändlers in einem stabilen Abwärtstrend. Ende Februar waren die Käufer noch bemüht, die Aktie über 0,40 Euro ansteigen zu lassen. Das hätte die Möglichkeit geboten, auf mittelfristige Sicht wieder anzusteigen und den seit Januar dominierenden Abwärtstrend zu brechen.

Kein Halt auf der schiefen Bahn

Mit dem erneuten Rückfall in den Bereich von 0,31 Euro ist dieser Versuch zunächst einmal gescheitert. Die Aktie hat sich wieder dem 2017er Jahrestief aus dem Dezember bei 0,248 Euro angenähert. Es könnte in den nächsten Tagen erneut angelaufen werden und Käufer wie Verkäufer gleichermaßen vor eine schwierige Entscheidung stellen.

Weil das Dezembertief auch gleichzeitig das Allzeittief ist, würde die Aktie bei einem Rückfall unter diese Marke sich quasi im luftleeren Raum befinden. Charttechnische Marken, an denen man sich orientieren könnte, gibt es dort nicht mehr und ein weiterer Absturz des Kurses auf 0,20 Euro oder gar auf Kurse unter 0,10 Euro wären ohne Probleme möglich, weil nur noch zählt, wie viel die Käufer für die Aktie noch zu zahlen bereit wären und das könnte im Zweifelsfall sehr wenig sein.

Es wäre daher nicht verwunderlich, wenn es bei einem Bruch der Unterstützung zu noch größeren prozentualen Schwankungen kommen würde, denn erstens greift der Basiseffekt und jeder Cent Verlust bringt bei tieferen Kursen ein größeres prozentuales Gewicht auf die Waage und zum anderen dürften auch die Reaktionen der Anleger noch erratischer und unberechenbarer werden als sie es jetzt schon sind.

Aus diesem Grund ist es extrem wichtig für die Aktie, dass das 2017er Jahrestief bei 0,248 Euro nicht mehr unterschritten wird. Gelingt es den Käufern die Marke zu verteidigen und anschließend eine Gegenbewegung einzuleiten, wäre eine Erholung in Richtung 0,35 Euro möglich.

Willkommen im Zockerparadies

Ein neues Kaufsignal würde dadurch aber noch nicht vorliegen. Dieses würde erst entstehen, wenn es der Aktie gelingt, in den Bereich oberhalb von 0,425 bis 0,475 Euro vorzudringen. Ob dieses schnell und vor allem ohne die absolut notwendige fundamentale Rückendeckung aus dem Unternehmen gelingen kann, ist fraglich.

Aber auch wenn die Kurse optisch billig wirken und es dem einen oder anderen Anleger bereits in den Fingern juckt, dürfte es für Käufe noch zu früh sein, denn bis zur Unterstützung bei 0,248 Euro ist es zumindest prozentual noch ein weiter Weg und jeder Kauf der Aktie ist bis auf Weiteres ein Investment gegen den dominierenden Trend, denn die Steinhoff-Aktie ist nach wie vor eindeutig bärisch unterwegs.

Lukrativ wäre die Reise von 0,248 auf 0,425 Euro auf jeden Fall, wenn nur nicht das Risiko eines Totalverlustes wäre, denn die natürliche Grenze ist in diesem Fall wirklich keine andere als die Null-Euro-Grenze und da möchte die Aktie keiner der Aktionäre aufschlagen sehen.

Es spricht Bände über die Aktienkultur in Deutschland, wenn ausgerechnet ein potentieller Pleitekandidat wie Steinhoff schon seit Wochen zu den im Internet am meisten gesuchten und in den Foren am intensivsten besprochenen Aktien gehört.

No risk, no fun

Ein gutes Händchen bei der Kapitalanlage wird uns Deutschen normalerweise eher nicht nachgesagt. Aber den Mut kann man uns nun wirklich nicht absprechen. Wir lassen unser Geld entweder im Rachen der todgeweihten Banken seelenruhig auf dem Sparbuch liegen oder interessieren uns für Zockerpapiere wie die Steinhoff-Aktie.

Nur bei so schrecklich konservativen Anlagen wie Silberbarren und Goldmünzen fehlt uns erstens der Glaube an den Sinn dieses Investments und zweitens immer dann der Mut beherzt zuzugreifen, wenn sie wieder einmal besonders preiswert zu haben sind. Das verstehe allerdings, wer will.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Handelstag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

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About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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