Ist Gold wirklich primär ein Krisenmetall?

Viele Anleger folgen Glaubenssätzen, die mitunter einen dogmatischen Charakter annehmen. Eine diese Annahmen ist die Bezeichnung von Gold und Silber als „sichere Häfen“. Hier findet man angeblich Schutz, wenn an den Kapitalmärkten schwere Stürme aufziehen und die Wellen höher werden.

Eng verbunden mit der Annahme, Gold und Silber bieten auch dann noch Schutz, wenn andere Assets längst in den Fluten versunken sind, ist die Erwartung, das Gold werde sich im Fall der Fälle negativ zu den Aktien- und Rentenmärkten entwickeln, also steigen, wenn diese fallen.

Es gibt in der Tat Indizien, die für eine negative Korrelation sprechen. So erreichte das Gold beispielsweise seinen Tiefpunkt im Jahr 2001. Zur gleichen Zeit endet die New Economy Euphorie und die Aktienmärkte legten den Rückwärtsgang ein.

Während der Weltwirtschaftskrise in den frühen 1930er Jahren kannte der Dow Jones nur den Weg nach unten, während sich das Gold und die Goldminen beständig verteuerten.

Keine Regel ohne Ausnahme

Auf der anderen Seite müssen auch die Goldbugs anerkennen, dass ihr Lieblingsmetall während der Finanzkrise 2008 ebenso an Wert verlor wie die Aktien und Anleihen. Das Gold kam zwar schneller wieder in die Spur als die Aktienmärkte und der Goldpreis drehte bereits vier Monate, bevor die Aktien ihre Tiefpunkte erreicht hatten, aber auf dem Höhepunkt der Krise war das Gold alles, nur kein „sicherer Hafen“. Es fiel parallel zu den Kursen der Aktien und Anleihen.

In den Aufwärtsjahren vor der Krise entwickelte sich das Gold ebenfalls über lange Zeit parallel zu den Aktienmärkten. Der Goldpreis stieg von 2001 bis zur Finanzkrise nahezu ohne Unterbrechung, die Aktien erreichten im März 2003 ihr Tief und erholten sich anschließend bis zum Beginn der Finanzkrise wieder von diesem Schock.

Auch in der jüngeren Vergangenheit vollzog sich der Goldpreisanstieg nicht durchgängig konträr zur Entwicklung der Aktienmärkte. In den ersten Handelswochen des Jahres 2016 war es zwar in der Tat so, dass das Gold stieg, während DAX und Dow Jones mit Abgaben zu kämpfen hatten. Doch ab Mitte Februar entwickelten beide Märkte für einige Wochen eine auffällige Parallelität.

Steigende Aktienmärkte sind deswegen nicht notwendigerweise Gift für die Edelmetalle und ein veritabler Aktiencrash ist keine Garantie dafür, dass sich die Goldanleger freuen können.

Nur wer Geld hat, kauft Gold oder Aktien

Gold ist primär ein Wohlstandsmetall und nicht wie viele meinen ein Krisenmetall. Es wird gekauft, wenn Geld übrig ist. Fehlt das Geld, neigen auch die Goldbesitzer sehr schnell zu Verkäufen.

Das erklärt, warum der Goldpreis selbst in einer Krise fallen kann. Wenn Liquidität fehlt, wird das verkauft, was sich am leichtesten versilbern lässt. Von Aktien und vom Gold kann man sich sehr leicht und sehr schnell trennen. Immobilien, Diamanten oder Kunstwerke hingegen sind deutlich schwerer zu verkaufen.

Die Edelmetalle und die Aktien können außerdem später leicht in der gleichen Qualität und Quantität zurückgekauft werden. Von einem Rembrandtgemälde oder einer Immobilie kann man das nicht behaupten.

Ein steigender Wohlstand ist deshalb für die Preise von Gold und Silber viel förderlicher als ein Crash am Aktienmarkt. Wer am Ende des Geldes noch Monat übrig hat, hat ein Problem. Ist aber am Ende des Monats noch Geld übrig, kann dieses in Aktien investiert werden oder in einen Goldbarren oder ein Schmuckstück gewandelt werden.

Goldbugs sind Marathonläufer, keine Sprinter

Es gibt viele Gründe, die immer noch für das Gold als Investment sprechen. Die Furcht vor einem Crash an den Aktienmärkten sollte nicht darunter sein. Wer heute Gold und Silber kauft, weil er Kaufkraft erhalten und sein Vermögen schützen will, der tut das nicht, weil er sich vor fallenden Aktienkursen fürchtet oder gar auf einen Crash hofft.

Wer Gold und Silber kauft und beide über einen längeren Zeitraum zu halten gedenkt, der hat die Perspektive eines Marathonläufers. Man weiß, dass der Weg lang ist und man mit den eigenen Kräften haushalten muss.

Auch Seitenstiche sind nicht immer vollkommen auszuschließen. Wenn Sie kommen, läuft man halt ein wenig langsamer. Aber man läuft und versucht, das eigene Tempo zu halten. Das unterscheidet den Langstreckenläufer von einem Sprinter.

Setzten Sie deshalb auch beim Goldkauf primär auf die Chancen dieses Investments und hoffen Sie nicht darauf, den großen Schnitt zu machen, wenn andere Anlagen in Schwierigkeiten geraten und kräftig an Wert verlieren.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Handelstag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

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About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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