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Die politische Elite hat Grund, um ihre Macht zu fürchten. Die Finanzelite kennt dieses beklemmende Gefühl schon seit 2008

Nicht immer ist in Wirtschaft oder in der Politik der, der offiziell den Titel trägt, auch derjenige, welcher wirklich die Macht in seinen Händen hält. Sehr oft sitzen die wahren Entscheidungsträger nicht für alle sichtbar in der ersten Reihe, sondern verborgen im Hintergrund und ziehen von dort die Strippen.

In Polen ist PiS-Parteichef Jaroslaw Kaczynski zwar nicht in der Regierung, wohl aber derjenige, der die allgemeine Richtung vorgibt. Beim Volkswagenkonzern war es jahrelang eine spannende Frage, wessen Stimme die gewichtigere ist, die des jeweils amtierenden Vorstands oder die von Ferdinand Piëch.

Diese dezente Führung aus dem Hintergrund heraus ist keine deutsche oder polnische Spezialität. Sie ist überall auf der Welt anzutreffen und sie wird mal mehr und mal weniger offensiv gelebt. Meist bemerken wir diese Art der Führung nicht, weil sie sich bemüht, relativ geräuschlos zu arbeiten. Zu viel Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit lenkt ab und schadet zumeist. Aus diesem Grund ist sie nicht gewünscht.

Daraus zu schließen, es gäbe die dezente Führung aus dem Hintergrund nicht, ist allerdings ein Trugschluss. Nur wenn sich die Protagonisten wie im Fall von Jaroslaw Kaczynski und Ferdinand Piëch selbst aus der Deckung wagen, oder wenn ein Mann an die Macht kommt, der so offensichtlich mit dem politischen Establishment auf dem Kriegsfuß steht wie Donald Trump in den USA, wird deutlich, das nicht unbedingt Regierungen und Parlamente die Politik bestimmen oder Manager ein Unternehmen führen, sondern eine mächtige, demokratisch nicht legitimierte Elite im Hintergrund.

Donald Trumps Wahl ist eine Zäsur

Geheimbünde und Logen, vertrauliche Absprachen und Geheimverträge sind keine Errungenschaften des 20. oder 21. Jahrhunderts. Es gibt sie, seit in der Welt Politik gemacht und wirtschaftliche Entscheidungen getroffen werden. Damit sind sie so alt wie unsere Zivilisation selbst.

Was neu ist, ist das Wissen der Menschen über das, was gerade im Hintergrund abläuft. Früher war dieses Wissen ein sehr elitäres Wissen. Diejenigen, die Mitglied der inneren Kreise waren, wussten Bescheid. Dann noch der eine oder andere investigative Journalist und die, die seine Bücher gelesen hatten. Doch im Grunde war und blieb ihre Zahl überschaubar.

Das ist heute anders, denn das Internet schafft eine neue Öffentlichkeit. Sie ist viel schneller informiert und sie lässt sich auch kaum noch kontrollieren, geschweige denn im Sinne der Eliten in eine bestimmte Richtung führen.

Vermutlich durchleben wir gerade die Phase des Übergangs. In ihr versuchen die Eliten nach gewohnter Art zu führen, müssen aber feststellen, dass ihnen die Dinge immer öfter und immer schneller entgleiten. Das Jahr 2016 stellt in dieser Hinsicht eine wichtige Zäsur dar. In den USA wurde Donald Trump gegen den erklärten Willen der alten politischen Elite Präsident, in Großbritannien erdreistete sich die Bevölkerung für das große Abenteuer Brexit zu stimmen und in Deutschland kippte die Stimmung gegenüber den Flüchtlingen.

Öffentliche contra veröffentlichte Meinung

Allen drei Ereignissen des letzten Jahres gemeinsam ist, dass Teile der politischen Führung die Stimmung in der Bevölkerung vollkommen falsch eingeschätzt haben. Weil die Umfragen diesen Stimmungsumschwung nicht angemessen widerspiegelten, war die Überraschung nach den Abstimmungen in Großbritannien und den Vereinigten Staaten bzw. nach der Silvesternacht 2015/16 in Köln entsprechend groß.

Zunächst herrschten Sprachlosigkeit und Entsetzen. Inzwischen versucht die alte Elite verlorenes Terrain zurückzugewinnen. Theresa May setzte sich an die Spitze der Brexit-Bewegung, Angela Merkel verschärfte das Asylrecht und in den USA sucht man nach Wegen, den neuen Präsidenten möglichst nicht zu viel Porzellan zerschlagen zu lassen.

Ob diese Versuche der Elite, die alte Ordnung wiederherzustellen, erfolgreich sein werden, bleibt abzuwarten. In jedem Fall ist der Kampf um die Vorherrschaft offen entbrannt und er hinterlässt überall auf der Welt gespaltene Gesellschaften. Es fehlt ein gemeinsamer Narrativ, eine Leitidee, der sich alle anschließen können und die geeignet ist, bestehende Gegensätze zu überwinden.

Nach dem 2. Weltkrieg war dies der Wunsch nach einem schnellen Neuaufbau. Im letzten Viertel des 20. Jahrhunderts der Wunsch nach einer stärkeren europäischen Einheit. Beide Ziele waren deshalb so verbindend, weil sie mit der berechtigten Hoffnung auf einen höheren Lebensstandard und ein besseres Leben verbunden waren.

Der Ruf nach Veränderungen wird lauter

Eine derartige verbindende Idee fehlt momentan. Die alten Mächte verlieren ihre Deutungshoheit, was im Gegenzug echte Veränderung möglich macht. Gleichzeitig wächst das öffentliche Wissen über die Machenschaften der alten Eliten exponentiell. Es droht ihre Macht zu beschneiden und sie damit langfristig zu Fall zu bringen.

Der extreme Hype um den neuen SPD-Messias Martin Schulz wies Anfang 2017 in Deutschland kurzfristig in diese Richtung. In den USA ist Donald Trump zum Symbol der Veränderung geworden, obwohl er selbst nicht der große Revolutionär und Veränderer ist. Er verfügt aber zweifellos über das große Talent, auf der Welle des Zeitgeists erfolgreich zu reiten.

Nun ist es aber so, dass viele Mächtige nicht freiwillig von ihrer Macht lassen wollen. Das gilt für demokratisch gewählte Politiker, die den besten Zeitpunkt zum Absprung verpassen, ebenso wie für nicht gewählte Strippenzieher im Hintergrund. Die Folge sind Machtkämpfe. Auf sie steuern wir mit hoher Wahrscheinlichkeit zu. Sie dürften, auch das deutet das ersten Jahr von Donald Trump im Präsidentenamt an, erbitterter und aggressiver geführt werden als in der Vergangenheit.

Wer die bevorstehenden Schlammschlachten für sich entscheidet, bleibt abzuwarten. Dass es Schlammschlachten der übelsten Sorte geben wird, deutet sich an. Die alte Elite kämpft mit aller Gewalt um ihre Macht und ist bei der Wahl ihrer Mittel alles, nur nicht gerade zimperlich.

Auch die Finanzelite steht mit dem Rücken zur Wand

Neben der politischen Elite fürchtet auch die finanzielle Elite um ihre Macht. Auch für sie geht es quasi um Sein oder Nichtsein. Auch sie verteidigt ein System, das sich im Grunde längst überlebt hat und dessen zahlreiche Schwachstellen immer deutlicher zutage treten.

Politik und Finanzwirtschaft sind eng miteinander verknüpft. Vielleicht an dieser Stelle zu eng, denn der eine Bereich kann sich von den explodierenden Minen im anderen nicht wirklich fernhalten. Je stärker die Politik-, Finanz- und Wirtschaftselite Donald Trump in die Enge zu treiben sucht, umso eher könnte der versucht sein, im Gegenzug die Wall Street und Teile der Wirtschaft vor sich herzutreiben.

Ein paar unkontrollierte Emotionen und ein paar präsidiale Twitter-Meldungen weiter könnte die US-Notenbank eines nicht mehr so fernen Tages vor der Erkenntnis stehen, dass das für eine Fiat-Money-Währung so essenzielle Vertrauen der Bürger rasant schwindet und bald nicht mehr gegeben ist.

In diesem Fall wird die Elite nicht nur ihre Macht sichern wollen, sondern auch ihr Vermögen. Kapitalanlagen könnten dann in wilder Panik auf den Markt geworfen und hektisch in bleibende Werte wie Immobilien und Edelmetalle getauscht werden. Die darauf folgenden Crashs sind aber nicht die Folge einer vorangegangenen klassischen Milchmädchenhausse, sondern Ausfluss des Eingeständnisses der Finanzelite, dass die Notenpresse doch nicht das Mittel der Wahl ist, um die Welt zu verbessern.

Auch auf diesen Fall sollten Sie sich und Ihr Vermögen vorbereiten. Er ist in den letzten zwölf Monaten um einiges wahrscheinlicher geworden.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Handelstag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

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About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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