Sind die Dividenden noch immer die besseren Anleihen?

Der Slogan ‚Dividendenaktien sind die neuen Anleihen‘ hat sich inzwischen in den Köpfen vieler Anleger festgesetzt. Wenn sichere Staatsanleihen nur noch eine negative Rendite abwerfen, hohe Risiken mit minimalen Zinsen vergütet werden, Sparbriefe, Sparbücher und Tagesgeldkonten zu Geldvernichtungsmaschinen mutieren, ist eine Dividendenrendite von 3,5 Prozent nicht nur oberflächlich betrachtet eine lohnende Alternative.

Hinzu kam, dass die Wirtschaft in den vergangenen Jahren rund lief. Die Aktienkurse stiegen und viele Unternehmen waren in der Lage, die Höhe ihrer gezahlten Dividenden Jahr für Jahr zu steigern. Dass die investierten Anleger beides gerne zur Kenntnis nahmen, bedarf keiner weiteren Erläuterung.

Es trug mit dazu bei, die Attraktivität dividendenstarker Aktien zu steigern. Wir sind nun an einem Punkt angekommen, an dem das Wissen um die große Bedeutung der Dividende für den Anlageerfolg Allgemeinwissen geworden ist und gleichzeitig Kurse und wirtschaftliche Entwicklung vor einem schärferen Einschnitt stehen.

Noch ist die Lage gut. Die im DAX, MDAX und TecDAX enthaltenen Unternehmen werden nach einer Berechnung der DZ-Bank in 2017 fast 43 Milliarden Euro an Dividenden an ihre Aktionäre ausschütten. Würde sich diese Summe gleichmäßig auf alle Bundesbürger verteilen, wäre jeder mit 525 Euro dabei. In diesem Jahr dürfte die Summe nochmals etwas höher ausfallen.

Jetzt noch einsteigen und mitkassieren?

Von einer gleichmäßigen Verteilung kann aber überhaupt nicht die Rede sein. Ein großer Teil des ausgeschütteten Geldes wandert in einige wenige Taschen. Trotzdem weckt die fiktive Zahl von 525 Euro Dividendeneinnahmen pro Bundesbürger schnell Begehrlichkeiten. Welcher Anleger hätte nicht gerne einen Teil dieses Kuchens?

Die Medien greifen das Thema ebenfalls gerne auf, benennen oftmals auch gleich die Aktien mit der höchsten Dividendenrendite und loben deren Vorzüge. Diese sind gewiss vorhanden, denn eine hohe Dividende schützt den Kurs. Die Aktien jener Unternehmen, die beständig eine hohe Dividende zahlen, schwanken weniger intensiv als die der Unternehmen, die keine oder die nicht regelmäßig eine Dividende ausschütten.

Eine Dividende ist immer ein Zeichen für die Wirtschaftlichkeit des Unternehmens, es sei denn, sie wird nicht aus dem erwirtschafteten Gewinn, sondern aus der Substanz bezahlt. Weil immer echtes Geld an die investierten Aktionäre fließen muss, lässt sich eine Dividende auch nicht schönrechnen. Das unterscheidet sie grundlegend von anderen Bilanzkennzahlen, bei denen die Unternehmen über einen wesentlich höheren Gestaltungsspielraum verfügen.

International betrachtet haben dividendenstarke Aktien die Anteilsscheine anderer Unternehmen in der Wertentwicklung im Durchschnitt um ein Prozent pro Jahr geschlagen. Gegenüber Aktien, die gar keine Dividende ausschütten, lag der Vorsprung sogar bei zwei Prozent pro Jahr. Über die Jahre kommt so eine Menge Geld zusammen, das den Anlegern entweder verloren geht oder zur Verfügung steht.

Die Gefahren wachsen

Eine absolute Gewähr dafür, bei einem möglichen Kurssturz an der Börse mit seinem Investment nicht unter die Räder zu kommen, ist dieser Vorzug jedoch nicht. Und hier beginnen die Schwierigkeiten für all jene Anleger, die noch nicht in dividendenstarken Aktien investiert sind: Seit März 2009 sind die Aktienkurse und auch die Gewinne der Unternehmen beständig gestiegen.

Die Aufwärtsphase hat damit eine Länge von neun Jahren erreicht und es ist nicht mehr gerechtfertigt, davon zu sprechen, dass der Aufschwung gerade erst begonnen habe und noch relativ jung sei. Im Gegenteil: Wir dürften seinem Ende deutlich näher sein als dem Beginn.

Zugleich liegen die gezahlten Dividenden selbst wie auch die Bewertungszahlen der Aktien auf einem ausgesprochen hohen Niveau. In einer Abschwungphase werden sie sich kaum halten lassen. Anleger, die jetzt erst in dividendenstarke Aktien investieren, müssen dann mit Kursverlusten und niedrigeren Dividenden rechnen.

Wird diese Phase ausgelöst oder begleitet von einem Ende der ultralockeren Geldpolitik der Europäischen Zentralbank ist eine Kettenreaktion zu erwarten, denn das billige Geld wird nicht nur an den Aktienmärkten auf der Käuferseite fehlen. Auch in der Bilanz vieler Unternehmen dürfte es sich in Form von niedrigeren Umsätzen und Gewinnen schnell niederschlagen.

Eine akute Gefahr droht damit noch nicht, doch die beste Zeit, um undifferenziert in dividendenstarke Aktien zu investieren, könnte bereits hinter uns liegen und erst nach einem deutlichen Kursrückgang wieder anbrechen. Wobei anzumerken ist, dass die jüngsten Kursrückgänge an der Wall Street und im DAX noch nicht das Maß an Rückgängen darstellt, auf das man als Anleger in diesem Fall warten sollte.

Daneben gibt es aber immer auch eine Reihe von Aktien, die von den Anlegern aus unterschiedlichen Gründen gemieden werden. Ihre Kurse sinken mit der Zeit. Sinken die Gewinne und die Beteiligung der Aktionäre am Gewinn in Form der Dividende nicht, ergibt sich nicht nur eine deutlich höhere Dividendenrendite als in den Vorjahren, sondern auch eine Kaufchance, welche die Anleger nutzen sollten.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Handelstag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

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About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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