Das bittere Ende des westlichen Papiergelds ist unaufhaltsam

Der schwerkranke Patient ist eigentlich bereits gestorben, nur wissen abgesehen von den behandelnden Ärzten und den nächsten Angehörigen noch nicht viele Menschen davon. In der Öffentlichkeit werden seine letzten Bilder und Aussprüche wie Ikonen herumgereicht. Niemand soll vorzeitig auf den Gedanken kommen, der Patient könne bereits verstorben sein. Die Nachricht ist delikat und die Beerdigung des Patienten will sehr sorgfältig vorbereitet sein.

Das Bild des todkranken Patienten, um dessen Ableben niemand vorzeitig wissen darf, entspricht dem Zustand unseres westlichen Finanzsystems. Mit Schuldenständen, die täglich neu auf immer höhere Niveaus ansteigen und einer Wirtschaftsleistung, die oftmals nicht annähernd das ist, was sie vorgibt zu sein, ist das Ende nah.

Hinausgezögert wird es noch von einer kleinen Elite. Sie verdient prächtig an dem vielen Geld aus dem Nichts und sie verspürt selbstverständlich nicht die geringste Neigung, die Vorteile, die ihr aus diesem System erwachsen, vorzeitig aus der Hand zu geben. An dieser Stelle zählt jeder Tag, denn er bietet 24 Stunden Zeit, echte Werte gegen lange Zahlenkolonnen auf einem elektronischen Kontoauszug einzutauschen.

Seit Jahren wird aus diesem Grund ständig manipuliert. Der Wert des US-Dollars muss künstlich hochgehalten werden. Zur Ablenkung inszeniert man wie in Griechenland Krisen, die eigentlich gar keine sind, zumindest dann nicht, wenn man sie mit den Zuständen in anderen Ländern vergleicht, etwa der Schuldenhöhe in den USA.

Unabhängigkeit vom Westen als erster Schritt

Oder man versucht jene Länder zu diskreditieren, die bereits aktiv auf der Suche nach einem Ausweg sind, Russland und China zum Beispiel. Die Notenbanken beider Länder betreiben seit Jahren eine Politik, die kaum anders denn als lautlose Abkehr von der Vorherrschaft des US-Dollars bezeichnet werden kann. Russlands Rubel ist inzwischen weltweit die Währung, die über die stärkste Goldabsicherung verfügt.

In den westlichen Medien liest man wenig darüber. Wenn man überhaupt etwas über den Rubel vernimmt, dann sind es Aussagen, die auf die vermeintliche Schwäche der russischen Währung hindeuten. Die im Jahr 2014 wegen der Annexion der Krim verhängten Sanktionen belasten die Wirtschaft, ist beispielsweise immer wieder zu lesen. Sie haben bestimmt schon davon gehört. Aber wissen Sie auch, dass die Menge der zirkulierenden Rubel von etwa doppelt so viel Gold in den Tresoren der russischen Notenbank abgedeckt ist?

Sie werden auch kaum etwas vom CIPS-Netzwerk gehört haben, während SWIFT, das westliche Transfersystem für internationale Zahlungsströme, Ihnen zumindest vom Namen her bekannt sein sollte. Bei Überweisungen ins Ausland wird immer wieder gerne nach dem SWIFT-Code gefragt. Das neue China International Payment System (CIPS) kommt im russisch-chinesischen Handel zum Einsatz und es macht beide Länder unabhängig vom SWIFT-Netzwerk.

Formell ist die Gesellschaft für weltweite Interbank Financial Telecommunication (SWIFT) zwar eine „private“ Organisation, ähnlich privat wie die US Federal Reserve Bank (FED), die amerikanische Notenbank, doch bei Sanktionen und anderen Maßnahmen zur Ausübung finanziellen Drucks auf andere Staaten, beispielsweise Argentinien während der Schuldkrise im Streit mit mächtigen New Yorker Hedgefonds, steht die in Belgien ansässige SWIFT mit schöner Regelmäßigkeit auf der Seite der „Guten“, also der Seite der USA und des US-Dollars.

Die Abwicklung startet im Osten und wird im Westen enden

Die Emanzipation der wichtigen Schwellen- und Entwicklungsländer vom Westen hat längst begonnen. Sie zeigt sich in vielen Bereichen und Jahr für Jahr kommen neue Maßnahmen hinzu, die alle nur einem einzigen Ziel folgen: Sich so aufzustellen, dass man vom US-Dollar unabhängig und gegen wirtschaftlichen und politischen Druck der USA immer immuner wird.

Russland und China sind auf diesem Weg bereits sehr weit vorangekommen. Brasilien, Indien und Südafrika nutzen das neue System zur Zahlungsabwickelung bereits ebenfalls bzw. haben die Absicht, es schon bald zu benutzen. Andere Länder werden folgen, mit Folgen für den US-Dollar. Der wird nämlich mit jedem Land, das auch auf das neue System zugreift, immer weniger benötigt. Wenn Sie sich jetzt noch in Erinnerung rufen, dass immer nur das im Wert steigt, was von den Menschen aktiv nachgefragt, also benötigt, wird, wird schnell klar, warum die Gefahr so groß ist.

Der chinesischen Yuan wurde Ende 2015 vom Internationalen Währungsfonds (IWF) als fünfte Reservewährung neben US-Dollar, Euro, Yen und britischem Pfund in den Kreis der Währungen aufgenommen, die zur Berechnung der Sonderziehungsrechte (SDR) herangezogen werden. Die Sonderziehungsrechte oder das Special Drawing Right, wie der englische Fachausdruck für diese Kunstwährung lautet, funktionieren wie eine virtuelle Währung. Sie bestehen aus dem gewichteten Durchschnitt der fünf Reservewährungen und können den Ländern auf Anfrage verliehen werden, um Wechselkursrisiken zu reduzieren.

Diese Entscheidung war mehr als eine symbolische Anerkennung des chinesischen Aufstiegs zur bedeutendsten Wirtschaftsmacht, nicht nur Asiens, sondern der ganzen Welt. Chinas Währung wurde damit in den Status einer offiziellen Reservewährung erhoben. Die Folgen dieser Aufwertung sind seit nunmehr einem Jahr immer deutlicher zu spüren: Insbesondere in Asien wird der Yuan in vielen Ländern als Alternative zum immer volatilen US-Dollar gesehen und entsprechend eingesetzt.

Das Ende der Fiat-Welt naht

Es ist kein Geheimnis mehr: Das westliche Dollar-basierte Fiat-Geldsystem steht auf seinem letzten Bein. Wie jedes Schneeballsystem muss es früher oder später zusammenbrechen, denn der Begriff Fiat steht in diesem System nicht für in Turin gefertigte Automobile, also etwas Werthaltiges und Reales, sondern nur für heiße Luft.

Diese heiße Luft hat inzwischen nicht nur unser Geld erfasst, das Banken ohne Mühe per Knopfdruck aus dem Nichts erzeugen können. Auch unsere Statistiken werden immer häufiger geschönt. Das Geld des Westens ist wie der chinesische Yuan nicht durch Gold gedeckt. Aber im Unterschied zu den USA steht hinter dem Yuan eine echte ökonomische Leistung, die durch das Land erzeugt wird.

Die Chinesen haben zwar inzwischen im Vergleich zu den Vereinigten Staaten das größere Bruttoinlandsprodukt, doch nominell liegen beide Werte noch recht nah beieinander. Der Schein trügt aber auch hier – wie so oft in der westlichen Welt – denn Chinas BIP beruht, ähnlich wie das europäische BIP, noch zu einem sehr großen Anteil auf echter Produktion.

In den USA hingegen wird die Wirtschaft vom Militärsektor und den Dienstleistungen getragen. Wir können aber nicht alle davon leben, dass wir uns gegenseitig die Haare schneiden. Früher oder später müssen jene Produkte produziert werden, die wir für unser tägliches Leben brauchen. Und das sind nicht unbedingt Kriegswaffen, Service- und Bankdienstleistungen.

Vor diesem Hintergrund ist die aktuelle Schwäche des US-Dollars gegenüber dem Euro und auch dem Gold leicht nachzuvollziehen. Es wird aber verständlich, warum die USA ein großes Interesse daran haben, dass der Welthandel weiterhin in US-Dollar abgewickelt wird und die Streitigkeiten dieser Welt nach Möglichkeit mit Waffengewalt ausgetragen werden. Das Erste stützt den US-Dollar und das Zweite die wenige in den USA verbliebene Produktion.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Handelstag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

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About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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