Wenn die (Finanz)Elite mit dem Rücken zur Wand steht und nichts mehr zu verlieren hat

Regierungen, die mit dem Rücken zur Wand stehen, sind bei der Auswahl ihrer Methoden nicht zimperlich, wenn es darum geht, den letzten Rest Macht, den sie noch in ihren Händen halten, unter allen Umständen zu verteidigen. Das ist in Syrien in diesen Tagen ebenso gut zu beobachten wie in Nordkorea oder Venezuela.

Natürlich gibt es Unterschiede, denn die Ausgangslage ist von Land zu Land und von Regierungschef zu Regierungschef unterschiedlich, doch in einem Punkt gleichen sich die Dinge sehr schnell an: Wenn es hart auf hart kommt, ist das eigene Volk den Mächtigen herzlich egal. Es wird drangsaliert, von Polizei und Militär niedergehalten und, wenn es sein muss, auch kaltblütig eliminiert.

Die eigene Macht ist den Mächtigen weitaus wichtiger als das Wohl des Volkes. Diese Erkenntnis ist schockierend, aber leider nicht neu. Über verschiedenste Kulturen und Zeiten ist sie in der Geschichte der Menschheit immer wieder anzutreffen und so unangenehm uns die Vorstellung auch sein mag, wir haben guten Grund anzunehmen, dass auch zukünftige Konflikte ähnlich ausgetragen werden.

Was für die politische Elite gilt, gilt selbstverständlich auch für jene, die wirtschaftlich die Zügel in ihren Händen halten. Auch sie haben sich mit der Zeit daran gewöhnt, allein bestimmen zu können, was geschieht und wie es geschieht und sie sehen selbstverständlich keinen Grund, diese Machtfülle abzugeben.

Venezuela sehen und dabei auch an die Verteidigung des Geldsystems denken

Schauen wir uns deshalb noch einmal aus der Nähe an, was in Venezuela gerade geschieht, denn das Geschehen in den Straßen und Hinterzimmern der Hauptstadt Caracas könnte eine Art Blaupause für die Verteidigung des Papiergeldsystems sein, denn in beiden Fällen hat man den Eindruck, dass die Endschlacht um den Erhalt des Systems unmittelbar bevorsteht.

Venezuela besitzt Öl, sehr viel sogar. Es ist an für sich ein reiches Land. Doch von Reichtum und Wohlstand für alle ist nicht viel zu spüren. Die sozialistische Regierung hat das Land heruntergewirtschaftet und die Massen in bittere Armut und Existenznot getrieben. Es ist egal, ob man dem verstorbenen Präsidenten Hugo Chávez oder seinem Nachfolger Nicolás Maduro die Schuld an der Misere gibt. Fest steht: Das sozialistische Experiment ist gescheitert. Die Gescheiterten wollen ihr Scheitern aber weder eingestehen noch die Konsequenzen aus ihm ziehen.

Dieser Punkt ist wichtig. Es ist keine unvorhersehbare Naturkatastrophe, die das Land ins Unglück gestürzt hat, sondern eine verfehlte Wirtschaftspolitik. Sie lässt sich nicht mehr mit Lügen und Propaganda kaschieren, weil die Menschen tagtäglich einen Kampf um das eigene Überleben führen und zunehmend das Gefühl haben, diesen zu verlieren.

Gestützt wird das System noch von jenen, die von ihm profitieren, etwa weil sie in hochrangigen gesellschaftlichen Ämtern und Funktionen sind. Zu nennen sind hier neben der Regierung Verfassungsrichter und die Sicherheitskräfte des Landes, also die Polizei und das Militär. Sie kämpfen den Kampf, den sie für die Regierung kämpfen, nicht nur teilweise außerhalb der Legalität, sondern zunehmend auch mit einer immer größeren Härte.

Im Zweifelsfall ist jedes Mittel recht

Wir sehen in Caracas nicht nur die klassischen Bilder von aus den Fugen geratenen Demonstrationen. Sehr aufschlussreich ist auch, was wir nicht so deutlich sehen, weil es für emotionale Fernsehbilder vergleichsweise wenig hergibt. Die Polizei bekämpft die Wut der Demonstranten auf die Regierung nicht nur offen mit Panzerwagen, Wasserwerfern und Gummigeschossen.

Sie wählt auch subtilere Wege, um den Protest erst gar nicht entstehen zu lassen oder die Anführer zu diskreditieren bzw. einzuschüchtern. Straßensperren weit ab vom Zentrum und den Versammlungsorten der Opposition, Busse, die dort genau kontrolliert werden, und U-Bahnen, die plötzlich nicht mehr fahren, sollen die Menschen davon abhalten, ihren Unmut auszudrücken.

Das ist in gewisser Weise clever, denn wer lange Strecken zu Fuß gehen muss, um an einer Demonstration teilzunehmen, der ist schon müde, bevor der Protestzug sich überhaupt in Bewegung gesetzt hat. Und seine Wut muss schon ausgesprochen groß sein, damit er diese Belastung immer wieder auf sich nimmt und seine eigene Bequemlichkeit überwindet.

Ähnlich subtil geht die venezolanische Polizei vor, wenn sie geheim geschossene Fotos von einzelnen Demonstranten in die sozialen Netzwerke stellt und die User aufruft, ihnen bekannte Informationen über diese gewalttätigen Personen anderen zu teilen. Das schafft ein Klima der Angst und Denunziation und wird mit Sicherheit dazu beitragen, dass der eine oder andere Demonstrant sich in Zukunft sehr genau überlegen wird, wie er in den sozialen Netzwerken erscheinen will.

Das Volk wehrt sich mit seinen Mitteln

Der Regierungspropaganda überdrüssig entrissen Protestierende vor dem Beginn eines Aufmarsches einem Kameramann des regierungstreuen Fernsehsenders VTV die Kamera. Das Fernsehteam selbst wurde anschließend mit Tritten und Beschimpfungen vertrieben. Was viele Menschen über die Berichterstattung der Medien in Venezuela wirklich denken, haben sie damit klar ausgedrückt. Niemand mag es, permanent belogen zu werden, weder von der Presse noch von der Regierung.

Dass die Proteste weitergehen werden, ist relativ klar. Das Volk ist bereits so weit verarmt, dass es nichts mehr zu verlieren hat. Die Regierung ist in einer ähnlichen Situation. Auch sie hat nichts mehr zu verlieren, außer der Macht, an die sie sich mit allen Mitteln klammert. Entsprechend kompromisslos wird die Auseinandersetzung geführt.

An dieser Stelle sollten wir Venezuela verlassen und einen Blick auf unser modernes Papiergeldsystem werfen. Es ähnelt in einigen zentralen Punkten dem gescheiterten Sozialismus der Herren Chávez und Maduro. In beiden Fällen wurde versucht, Wohlstand ohne Arbeit zu erzeugen. Als 2014 der Ölpreis dramatisch fiel, fiel auch der Staatshaushalt und mit ihm das sozialistische Großexperiment wie ein Kartenhaus in sich zusammen.

Bei unserem Fiat Money-System steht dieser Punkt auch gerade auf der Agenda, denn immer mehr wird klar, dass die hohen Schulden nicht zu mehr Wohlstand, sondern bitterer Armut führen werden, weil sie eine Umverteilung der realen Werte von unten nach oben bewirken. Es profitieren allein die, die als Erste in den Besitz des neuen aus dem Nichts geschaffenen Geldes kommen und damit noch für die alten, niedrigen Preise reale Güter kaufen können.

Der Endkampf des Papiergeldsystems wird ähnlich hässlich werden wie die Straßenschlachten in Caracas

Der Prozess des Aufwachens hat längst begonnen. Er ist aber noch nicht so weit fortgeschritten wie in Venezuela. Der Glaube an die Allmacht der Notenbanken und die Beherrschbarkeit der Schulden ist noch weit verbreitet und viele Sparer wissen noch nicht, dass sie außer einem Zahlungsversprechen, das im Zweifelsfall nicht viel wert ist, nichts in den Händen halten.

Von daher sind die eingesetzten Mittel der Verteidiger des Papiergeldsystems noch nicht so hart und kompromisslos wie die der Polizei in Caracas. Aber was noch nicht ist, kann ganz leicht werden, denn es steht viel auf dem Spiel und wir sollten nie vergessen, dass die Mächtigen zu keiner Zeit leicht von ihrer Macht und ihrem Einfluss lassen konnten.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Handelstag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

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About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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