Gold und Silber sind bereit für den Gezeitenwechsel

Es gibt Aktien, die sind bei den Anlegern sehr beliebt und deshalb auch in den meisten Depots vertreten, denn die Masse folgt gerne sich selbst und ihren eigenen Ansichten und Wahrheiten. Neben ihnen wirken die verschmähten Aktien dieser Welt wie lausige, von der Welt verstoßene Kinder. Dass aus diesen Aschenputteln eines Tages eine neue Königin werden könnte, glauben nur die Wenigsten.

Zu den beliebten Aktien unserer Tage gehören immer noch Technologiewerte, insbesondere die sogenannten FAANG-Aktien, also Facebook, Amzazon, Apple, Netflix und Google (Alphabet). Vergleichsweise unbeliebt sind die Aktien aus dem Pharma- und Health Care-Sektor. Die Anleger fürchten, dass sie zu sehr unter den von US-Präsident Donald Trumps geplanten Kürzungen bei den staatlichen Zuschüssen und den Medikamentenpreisen leiden könnten.

Nicht gerade verhasst, wohl aber vollkommen aus dem Fokus der Anleger geraten sind die Gold- und Silberproduzenten. Explorer aus dem Edelmetallsektor sind heiße Eisen, an die sich noch viel weniger Investoren herantrauen. Zwar können einige von ihnen inzwischen auf spektakuläre Kursgewinne zurückschauen, aber wirklich entdeckt wurde der Sektor von der Masse der Anleger noch nicht.

Gefeiert werden auch jene Unternehmen, die von der US-Steuerreform besonders stark profitieren. Ihre steigenden Gewinnerwartungen nahmen die Anleger gerne zur Kenntnis. Unbeachtet bleibt, wie die Reform finanziert werden soll. Mit neuen Schulden natürlich. Aber wer diese Schuldtitel kaufen soll, wenn China aufgrund des vom US-Präsidenten losgetretenen Handelskrieg keine Lust mehr dazu hat, diese Frage stellen sich viele Anleger vorsorglich nicht.

Wann rücken die Schulden wieder in den Mittelpunkt?

Der Schuldenberg der USA hat jetzt schon eine schwindelerregende Höhe erreicht. Ein weiteres kontinuierliches Anwachsen sollte deshalb früher oder später dazu führen, dass das allgemeine Unwohlsein mit der Höhe der Schulden den Anlegern zunehmend auf das Gemüt schlägt.

Momentan überwiegt noch die Freude über die Steuerreform und die geplanten Konjunkturprogramme, doch sie wird nicht ewig anhalten. Wann der Umschwung kommen wird, ist schwer zu sagen, dass er kommen wird, hingegen sehr wahrscheinlich. Rücken allerdings die hohen Schulden wieder stärker in das Bewusstsein der Anleger, werden auch die natürlichen Gegenpole Gold und Silber sofort wieder an Aufmerksamkeit gewinnen.

Sie sind dann nicht nur physisch als Münze oder Barren eine Alternative zum vielen neu geschaffenen Geld aus dem Nichts. Auch ihre Produzenten werden sich wieder einer höheren Beliebtheit bei den Anlegern erfreuen. In diesem Moment könnte der eine oder andere Investor enttäuscht bemerken, dass er die falschen Aktien in seinem Depot hat, weil sich dort viel zu viele Banken, Versicherungen, Bauunternehmen und Technologieaktien tummeln und viel zu wenige Gold- und Silberminen.

Gemessen an der Marktkapitalisierung anderer Sektoren sind die Märkte für Gold- und Silberaktien ausgesprochen klein. Wobei der Silberbereich im Vergleich zum Gold noch einmal der kleinere Sektor ist. Das bedeutet, dass die Tür, durch die die Anleger in den Markt drängen möchten, ausgesprochen eng ist. Entsprechend rasant und steil werden die Kurssteigerungen sein, die in diesem Fall zu erwarten sind.

Mutige Anleger setzten bereits jetzt auf die Desillusionierung des Marktes

Von ihnen kann man nur profitieren, wenn man sich vor der Masse positioniert. Man kauft dann noch zu den alten, günstigeren Kursen. Natürlich besteht die Gefahr, dass man zu früh kauft. In diesem Fall muss man länger auf den Erfolg seines Investments warten und möglicherweise auch den einen oder anderen Buchverlust aushalten. Diese psychologische Belastung sollte nicht unterschätzt werden.

Auf der anderen Seite ist anzumerken, dass die Desillusionierung des Marktes über die Politik des neuen US-Präsidenten bereits langsam einsetzt. Es ist gewiss kein Zufall, dass der Dow Jones just in dem Moment merklich ins Stocken geriet, in dem Donald Trump mit seinem Plan, Zölle auf ausländische Produkte zu erheben, öffentlich forciert hat.

Auch wenn Donald Trump im Wochentakt einen seiner Minister oder Ratgeber feuert, weil der sich herausnimmt, eine eigene Meinung zu haben und diese auch noch öffentlich kundtut: Es wird immer deutlicher, dass Donald Trump nicht der über das Wasser wandelnde Messias ist, der die USA schnell zu neuer Größe führen wird, sondern wie jeder andere Sterbliche auch den Gesetzen der Schwerkraft unterliegt.

Für den Markt wird das Moment der finanziellen Schwerkraft noch entscheidend werden. Es kündigt sich bereits langsam an, denn im Vergleich zu 2017 scheinen die Anleger in diesem Jahr deutlich schneller nervös zu werden und auf den Verkaufsknopf zu drücken.

Antizyklisch auf das Naheliegende setzen

Die Macht der Realität wird die US-Administration bald einholen, und wenn der Markt dann die Frage stellt, wie das Wunschprogramm des Präsidenten bezahlt werden soll und außer neuen Schulden keine befriedigende Antwort erhält, werden die Edelmetalle Gold und Silber sehr schnell wieder ganz oben auf der Prioritätenliste der Anleger stehen.

Auf diesen absehbaren Gezeitenwechsel sollten Sie sich vorbereiten. Er wird kommen, vielleicht nicht heute und auch nicht morgen, aber wenn er kommt, haben die Anleger, die bereits heute auf ihn reagieren, die mit Abstand besten Karten.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Handelstag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

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About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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