Unser Geld ist prinzipiell unbegrenzt und doch fehlt am Ende immer Geld

Früher galt das Geld als eine begrenzte Ressource. Wer über Geld verfügte, der hatte einen gewissen Gestaltungsspielraum zur Verfügung. Dieser war abhängig von der Frage, wie viel Geld zur Verfügung stand. Großer Reichtum versprach einen großen Gestaltungsspielraum. Doch auch dieser war bei all seiner Größe nie unbegrenzt.

Heute bringt man unseren Schülern bei, dass das Geld eine unbegrenzte Ressource sei, weil es permanent aus dem Nichts neu geschaffen werden könne. Auf der Ebene der Notenbanken und der Geschäftsbanken ist diese Aussage zutreffend, denn beide erschaffen beständig neues Geld aus dem Nichts. Für sie ist das Geld in der Tat eine unbegrenzte Ressource.

Auf der Ebene der Schüler, die mit dieser neuen Wahrheit beglückt werden, verhalten sich die Dinge schon anders, gravierend anders, wie beim genaueren Hinsehen sehr schnell deutlich wird. Das wird spätestens dann klar, wenn am Ende des Taschengeldes noch Konsumwünsche offen und unerfüllt sind.

Spätestens in diesem Moment ist das Geld alles andere als eine unbegrenzte Ressource und seine Begrenzung wird oft als sehr schmerzlich erfahren, weil sie mit der Notwendigkeit einhergeht, verzichten zu müssen an einer Stelle, an der man eigentlich gar nicht verzichten möchte.

Nicht jede Grenze ist verrückbar

Wir Menschen gefallen uns in einem sehr freien Umgang mit Grenzen. Die eigenen schieben wir sehr gerne hinaus. Das verkaufen wir als persönliche Weiterentwicklung und finden es gut. Anderen setzen wir gerne Grenzen und empfinden es ebenfalls als richtig und notwendig. Nur beim Geld soll es angeblich keine Grenze geben. Hier scheint nicht einmal der Himmel eine Limitierung zu sein.

Gefährlich an diesem Denken ist, dass es im ersten Moment durchaus positive Effekte nach sich zieht, während sich die schädlichen Neben- und Nachwirkungen erst im Laufe der Zeit zeigen. Das fängt bei unseren Schülern an, denen wir den Floh ins Ohr setzen Geld sei zu keiner Zeit ein Problem, weil es prinzipiell unendlich sei.

Anschließend lassen wir diese jungen Menschen auf unsere Konsumgesellschaft los und wundern uns, dass sie Mühe haben, sich in dieser zu behaupten, weil sie nicht wissen, wo sie die Grenze ziehen sollen. Früher hat das begrenzte Geld schnell eine harte Grenze gesetzt. Heute gibt es den Überziehungskredit auch für Leute ohne eigenes Einkommen.

Am Ende stehen überfüllte Schränke, bei denen wir nicht sicher sind, dass sie uns wirklich das Glück und die Zufriedenheit schenken, die wir eigentlich suchen, und eine Industrie, die sich begeistert die Hände reibt, weil wir als Konsumenten genau die Hamster im Laufrad abgeben, die dort gebraucht werden, um große Gewinne zu machen.

Wenn aus Gärten Wüsten werden

Der Schüler oder Konsument, der sich und seine Finanzen nicht im Griff hat, landet schnell in der Schuldenfalle. Aus ihr gibt es langfristig trotz Privatinsolvenz und Entschuldung nach sieben Jahren kein Entkommen, wenn man nicht beizeiten zu wirtschaften gelernt hat, also über die Fähigkeit verfügt, mit begrenzten Ressourcen klarzukommen.

Ob die Industrie gewillt ist, mit den begrenzten Ressourcen dieser Welt angemessen umzugehen, darf ebenfalls bezweifelt werden, solange der eigene kurzfristige Gewinn stets deutlich hoher gewertet wird als das allgemeine Wohl. Umweltskandale und ein Abbau von Rohstoffen, der schon fast nur noch als Raubbau zu bezeichnen ist, sprechen eine eindeutige Sprache.

Beim unbegrenzten Erschaffen von Geld aus dem Nichts wird ebenfalls massiv Raubbau betrieben, weil hier die wirtschaftlichen Ressourcen der anderen, die nicht oder nicht so früh in den Genuss des neugeschaffenen Geldes kommen, schamlos ausgebeutet werden. Geraubt werden Güter und nicht ersetzbare Ressourcen wie Arbeitskraft und Lebenszeit.

Am Ende steht der unausweichliche Zusammenbruch und zurück bleiben sinnentleerte Leben. Unsere Vermögen haben sich in inflationäre Luft aufgelöst, weil Geld prinzipiell immer und in unbegrenzter Menge neu geschaffen werden kann und egal, wie viel Geld wir auch angehäuft haben mögen, es jederzeit möglich ist, aus dem Nichts heraus unendlich viel mehr von ihm zu erschaffen.

Und das alles nur, weil wir nicht bereit sind, einige der Grenzen zu akzeptieren, die diese Welt für uns bereithält. Wenn man dann auch noch bedenkt, dass keiner von uns am Ende irgendetwas von hier mitnehmen wird, besteht reichlich Grund, die Absurdität so mancher unserer Tage und Tagesabläufe gewaltig infrage zu stellen.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Handelstag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

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About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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