Wem vertrauen die Menschen am Ende?

Diese durchaus wichtige Frage stellt sich immer wieder und sie wurde in der Geschichte in verschiedenen Zeiten und in den verschiedensten Ländern und Kulturen immer wieder gleich beantwortet. Das Ergebnis wird Politiker ernüchtern und die Freunde des gelben Metalls nicht weiter überraschen, denn das Gold genießt im Zweifel das höhere Vertrauen.

Zuletzt zu beobachten war dieses bemerkenswerte Phänomen in der Türkei. Seit dem zwar erfolgreichen, aber nicht sehr überzeugenden Ja der türkischen Bevölkerung für den autoritären Staat des Recep Erdogan, rätseln nicht nur die türkische Regierung und die ausländischen Kommentatoren um die Frage, wie groß der Rückhalt der Regierung in der Bevölkerung denn nun wirklich ist.

Antworten wurden seitdem viele gegeben. Sie haben jedoch alle den großen Nachteil, im Grunde nur Meinungen zu sein und diese können bekanntlich zutreffen oder auch nicht. Eine befriedigende und viel zuverlässigere Antwort auf die Frage könnten die nationalen Goldstatistiken geben.

Gold war in der Türkei schon immer beliebt. Das Land verfügt auch über eine kleine Goldproduktion, doch diese reicht nicht aus, um den Bedarf des Landes zu decken. In das Land am Bosporus wird deshalb schon seit Jahren vergleichsweise viel Gold eingeführt.

Nachfrage nach Gold spürbar gestiegen

Schon im Dezember 2016 lagen die Goldimporte der Türkei um 700 Prozent über dem Niveau des Vorjahres. Wer glaubte, damals sei die Spitze des Eisbergs erreicht gewesen, täuschte sich. Im März 2017, also nur einen Monat vor dem wegweisenden Referendum wurden sogar 1.500 Prozent mehr Gold eingeführt als ein Jahr zuvor.

Diese dramatische Steigerung der türkischen Goldnachfrage allein auf das Referendum zurückzuführen, ist unangebracht. Wäre es so, hätte die Goldnachfrage in den Monaten nach dem Referendum wieder deutlich zurückgehen müssen, denn zumindest die Unsicherheit über den Ausgang der Entscheidung war vom Tisch.

Damit ist jedoch nicht zu rechnen, denn wenn die Türken auch ein Jahr nach dem Referendum weiterhin unbeirrt Gold kaufen, so ist dies primär eine Reaktion auf die fatale wirtschaftliche Entwicklung des Landes und keine direkte Kampfansage an die eigene Regierung. Letztere hat das Referendum zwar für sich entschieden, wird ihre Wirtschaftspolitik aber fortsetzen und dennoch Mühe haben, eine schnelle Änderung der wirtschaftlichen Lage zum Besseren herbeizuführen.

Wer einen Blick auf die mittelfristige Entwicklung der türkischen Lira wirft, der erkennt sehr leicht, warum sich die Dinge auch nach dem Referendum nicht so schnell ändern werden, zumindest, was das Gold betrifft. Die Währung des Landes wertet schon seit Monaten gegenüber allen wichtigen Währungen ab. Das bedeutet für die Türken, die in der Türkei leben, Inflation und Kaufkraftverlust, während die Auslandstürken in Landeswährung gerechnet mehr Geld in ihre Heimat überweisen können.

Dramatischer Kaufkraftschwund

Der Euro war nun wirklich nicht das, was man eine besonders starke Währung nennt, doch ihm gegenüber gab die türkische Lira seit 2015 35 Prozent ihres Wertes ab. Seit 2011 waren es stolze 50 Prozent. Noch dramatischer fiel der Verlust gegenüber dem starken US-Dollar aus. Ihm gegenüber büßte die Türkische Lira seit 2015 41 Prozent ihres Wertes ein.

Vor diesem Hintergrund ist es nicht verwunderlich, dass die Türken dem harten Gold gegenüber der weichen Lira auch weiterhin den Vorzug geben. Wenn niemand weiß, welchen Schritt die Regierung als nächsten setzen wird und wie sicher das eigene Geld ist, schläft sich ruhiger, wenn man es als Gold in seiner eigenen Verfügungsgewalt weiß. So ist es dem Zugriff der Regierung zunächst einmal entzogen, während man selbst sehr flexibel bleibt.

Papiergeld ist keine Alternative, wenn es so rasch an Wert verliert wie die Türkische Lira in den letzten Jahren. Mit Aktien und Tagegeld möchte sich auch kein Anleger länger als unbedingt nötig auseinandersetzen und für moderne Spielereien wie Bitcoins hat erst recht niemand etwas übrig. Sie sind ohne Internetanschluss vollkommen nutz- und damit auch relativ wertlos.

Man kann jetzt die Nase rümpfen und die türkische Bevölkerung für besonders altmodisch und rückständig halten. Doch das ist sie gewiss nicht. Gerade in der Türkei hat man Erfahrung mit einer hohen Inflation und es ist keine gute. Man hat auch viel Erfahrung mit Gold und man weiß, dass es in der Vergangenheit seinen Wert niemals vollständig verloren hat.

Aus diesem Erfahrungswissen schöpfen die Türken ihre Hoffnung für die Zukunft und die Chancen stehen nicht schlecht, dass sie auch dieses Mal nicht enttäuscht werden. Andere Länder werden früher oder später in vergleichbare Schwierigkeiten geraten und ihre Bevölkerungen werden ähnlich reagieren wie die Türken heute.

Wer als Anleger auf diese Gewissheit setzt, der ist mit dem Kauf von physischem Gold und Silber auch weiterhin bestens beraten.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Handelstag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

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About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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