Währungen als Seismograph unserer Ängste und Sorgen

Es kommt immer wieder vor, dass die Menschen, die Währungen, mit denen sie täglich handeln und ihre Waren bezahlen, kritisch hinterfragen. Die Fragen an sich sind nicht ungewöhnlich. Sie kommen immer wieder auf. In der Regel dann, wenn berechtige Sorgen im Hintergrund aktiv sind.

In diesen Fällen sorgt sich die Bevölkerung um die Sicherheit ihrer Ersparnisse, die hohen Bewertungen von Aktien, Immobilien und anderen Vermögenswerten. Parallel zu dieser Sorge wird auch die mittelfristige wirtschaftliche Zukunft eher kritisch gesehen und es ist eine allgemeine Unsicherheit zu beobachten.

Sie bezieht sich nicht allein auf das wirtschaftliche Umfeld. Die Redlichkeit der Politiker und Regierenden wird ebenso hinterfragt wie die der gesellschaftlichen Eliten. Beim Blick auf die Zukunft kommen so sehr viele Sorgen aber meist nur wenig Hoffnung und Zuversicht zum Vorschein.

Wir leben in einer dieser Zeiten. Die Zahl der Alarmzeichen ist groß und sie sind nicht zu übersehen. Die Aktien- und Rentenmärkte sind ausgesprochen hoch bewertet. Viele erwarten deshalb, dass die Zukunft schwieriger werden wird, weil die Wirtschaft an Schwung und Dynamik verliert.

Angst statt Begeisterung

Damit wird auch die eigene Zukunft sofort weniger rosig und die Sorge um den Verlust der eigenen Ersparnisse wächst. Sich für die Zukunft begeistern, können nur Wenige. Entsprechend schwach sind die Ausgaben für Forschung und Entwicklung wie auch die dort erzielten Ergebnisse. Am Ende steht oftmals eine allgemeine Vertrauenskrise. Sie bringt leicht auch noch den letzten Rest des verbliebenen Schwungs zum Erliegen.

Das Votum der Briten für den Brexit und Donald Trumps Wahl zum US-Präsidenten waren im vergangenen Jahr deutliche Anzeichen für eine tiefgreifende Verunsicherung. Zeichen wie diese sind auch in diesem Jahr leicht zu finden. Die EU wird mittlerweile von vielen als so brüchig und instabil angesehen, dass beinahe bei jeder Wahl mit Argusaugen darauf geachtet wird, wie gestärkt oder geschwächt die europakritischen Kreise aus dieser hervorgehen.

Wirtschaftlich scheinen die Dinge noch im Lot zu sein. Dieser Eindruck ist in erster Linie der ausgesprochen lockeren Geldpolitik der Europäischen Zentralbank zu verdanken. Sie lässt die Preise für Aktien und andere Vermögensgüter steigen und damit bestehende Schulden als nicht ganz so problematisch erscheinen.

Wir wissen allerdings, dass der schöne Schein trügt und die Lage bei Weitem nicht so rosig ist, wie sie uns manchmal erscheinen will. Bei aller Freude über den Aufschwung und die kräftig steigenden Kurse fragen sich viele Menschen bereits heute, wie nachhaltig beides sein wird, wenn die Geldschleusen der EZB eines Tages mal nicht mehr so weit geöffnet sein werden, wie es momentan noch der Fall ist.

Das Vertrauen in die Stabilität der Währungen hat Schaden genommen

Vertrauen ist schwer aufgebaut, aber sehr leicht verloren. Diese unangenehme Wahrheit gilt nicht nur im privaten Umfeld. International gilt sie auch. Nicht nur einige hypernervöse Privatanleger sorgen sich um ihre Ersparnisse. Viele Staaten tun es auch. In erster Linie zu nennen sind an dieser Stelle China und Russland.

Beide trennen sich deshalb schon seit einiger Zeit mit Hochdruck von ihren auf US-Dollar lautenden Devisenbeständen. Russland ist auf diesem Weg bereits weiter fortgeschritten als das Reich der Mitte. Doch die Richtung ist in beiden Fällen gleich und sie stellt für die USA eine ausgesprochen unangenehme Gefahr dar, weil das große Handelsdefizit der Vereinigten Staaten immer schwerer zu finanzieren ist.

Gesucht sind nun jene Anlagen, die einen Schutz vor überzüchteten Anlagepreisen und unkalkulierbar gewordenen Regierungen bieten. Zu nennen sind hier in erster Linie die Edelmetalle und die neuen elektronischen Währungen. Beide hatten in den letzten Monaten deutliche Zuwächse zu verzeichnen, wobei die Bitcoins sogar das Gold zunächst deutlich in den Schatten stellten, .inzwischen aber in eine herbe Korrektur übergegangen sind.

Flucht in andere Gebrauchswerte

Früher war der Kauf einer anderen Währung ein beliebtes Fluchtinstrument. Heute wird der Weg zwar immer noch gerne beschritten, aber er hat deutlich an Attraktivität verloren, weil auch die Alternativen nur Papiergeld sind und die genuinen Schwächen des Fiat-Money-Systems in sich tragen.

Wer sie umgehen will, muss Gold und Silber oder aber elektronisches Geld erwerben. Bei Gold und Silber sind die Dinge relativ klar und einfach zu erfassen. Beide haben ihre Schutzwirkung in den letzten 4.000 Jahren zur Genüge unter Beweis gestellt und beide haben auch kein Ausfallrisiko. Sie sind universell einsetzbar und sie verlieren auch nichts von ihrem Wert, wenn ein anderer sie, beispielsweise aus Unwissenheit, nicht akzeptieren will.

Beim elektronischen Geld liegen die Dinge anders. Es ist wie Papiergeld darauf ausgerichtet, angenommen zu werden, denn abgesehen von der Bezahlfunktion ist sein Gebrauchswert ausgesprochen gering. In sich selbst haben diese Zahlenkolonnen keinen Wert. Sie sind darauf angewiesen, akzeptiert zu werden, und dies setzt eine funktionierende Technik voraus. Gold und Silber können Sie auch in der Antarktis oder in der Wüste tauschen. Um mit Bitcoins zu handeln, benötigen Sie funktionierende Speichermedien und einen reibungslosen Datenaustausch.

Der wichtigste Nachteil der elektronischen Währungen ist jedoch ihr noch fehlender universaler Einsatz. Ob dieser Mangel jemals vollständig behoben werden wird, bleibt abzuwarten. Momentan ist es jedoch nicht möglich, Bitcoins universell einzusetzen und mit ihnen beispielsweise die eigene Steuerschuld zu bezahlen.

Der ultimative Test der Bitcoins steht noch aus

Der Preis der Bitcoins spiegelt deshalb aktuell nur das Vertrauen wider, das die Menschen dieser Kryptowährung entgegenbringen. Erst wenn die noch jungen Kryptowährungen in der nächsten größeren Krise von den Anlegern als sicherer Hafen benutzt werden und sich dort ebenso gut bewähren wie Gold und Silber dies in der Vergangenheit taten, können sie den Anspruch erheben, ein solcher sicherer Hafen zu sein.

Von diesem Punkt sind wir momentan noch weit entfernt. Lassen Sie sich deshalb nicht verunsichern, wenn der Bitcoinpreis in Zukunft mal wieder etwas schneller oder höher steigt als der des altmodischen Goldes. Abgerechnet wird bekanntlich zum Schluss und nach den vielen Vorschusslorbeeren sind die Kryptowährungen nun in der Verlegenheit liefern zu müssen. Diese Lieferung steht noch aus, während sie bei Gold und Silber längst als abgeschlossen und bestanden gelten kann. Das ist ein wichtiger Unterschied, der langfristig klar für das Gold spricht.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Handelstag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

PS.:Egal, ob Sie meinen Gedanken zustimmen oder nicht. Lassen Sie bitte auch andere an diesem wichtigen Meinungsbildungsprozess teilhaben, indem Sie diesen Artikel mit ihren Freunden und Bekannten teilen.

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

Leave a comment: